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Der marode Holzsteg an den Bürgerseen hat keine Zukunft mehr

Nicht zuletzt wegen der damit verbundenen hohen Kosten wird das Thema Brücke nicht allzu gerne in den Mund genommen. In der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses des Kirchheimer Gemeinderats hatten die Ausschussmitglieder gleich über die Zukunft von drei Fließgewässer überspannende und inzwischen recht marode Brückenbauwerke zu entscheiden.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Neben dem Neubau beziehungsweise der Sanierung des Fußgängerweges über die Lindach in Jesingen und des ebenfalls die Lind-ach überspannenden Fußgängersteges am Kirchheimer Freibad galt es auch, beim Steg über den Talbach am Unteren Bürgersee über die Frage eines Abbruchs, eines Neubaus oder aber einer Sanierung zu entscheiden.

Als "sehr schlecht" war der bei der regelmäßig stattfindenden Hauptprüfung der Kirchheimer Brückenbauwerke ermittelte Zustand des Fußgängersteges über die Lindach in Jesingen bewertet worden. Das mit den regelmäßigen Kontrollen beauftragte Ingenieurbüro hatte festgestellt, dass der Überbau inklusive der Gesimse, Pfeiler, Böschungsbefestigung, Gehfläche, Geländer und Treppenanlage "stark beschädigt" ist, wie auch der Anschluss an die Außenwand beziehungsweise an die Widerlagerwand.

Auf Grund der vielen Schäden ist die Verwaltung der Auffassung, dass der Überbau des Fußgängersteges durch einen Neubau ersetzt werden muss. Der alte Stahlbetonüberbau des Steges soll daher entsorgt und durch eine neue Brückenkonstruktion aus so genannten "schlaffbewehrten Betonfertigbauteilen" mit Hilfe eines Autokrans versetzt werden. Die vorhandenen Widerlager beziehungsweise Stützen werden nach dem Ausbau der alten Überbaukons-truktion entsprechend umgebaut.

Ein Ausbau der Brücke für den Radfahrverkehr ist nicht vorgesehen, doch sollen im Rahmen der Brückensanierung auch die zwei Treppenstufen auf der Nordseite abgebaut werden. Da die Brücke für Fußgänger den Hauptzugang zur Jesinger Gemeindehalle darstellt, kann nach Ansicht der Verwaltung auf dieses Bauwerk nicht verzichtet werden. Die Gremiumsmitglieder folgten daher auch einstimmig dem Vorschlag, die Planung der Sanierungsmaßnahme in Verbindung mit dem Neubau von Teilen der Brücke zuzustimmen und die Ausschreibung freizugeben. Die Kosten der Maßnahme belaufen sich auf insgesamt rund 70 000 Euro.

Bei einer Enthaltung ebenfalls einstimmig erfolgte im Anschluss daran das Votum, auch bei dem gleichermaßen mit "in sehr schlechtem Zustand" eingestuften Fußgängersteg über die Lindach am Freibad entsprechend vorzugehen. Auch hier hatte das beauftragte Ingenieurbüro bei der alle sechs Jahre durchgeführten Hauptuntersuchung "starke Schäden" festgestellt und dringend empfohlen, vor allem die Schäden an dem in Spannbeton ausgeführten Überbau kurzfristig zu beseitigen.

Auch hier soll der Überbau komplett entfernt und durch eine so genannte "lasche Bewehrung" ersetzt werden. Das Fertigteil soll bei einer Gesamtbreite von drei Metern durch ein auf 1,25 Meter erhöhtes Geländer und eine künftig nutzbare lichte Breite von 2,50 Metern radfahrgerecht ausgeführt werden. Die Kosten eines solchen Neubaus liegen mit rund 140 000 Euro lediglich 10 000 Euro über den ermittelten Kosten einer Sanierung. Im Gegensatz zu einer sehr aufwendigen Sanierung stellen sie aber ein den neuesten Anforderungen an die Technik entsprechendes modernes Brückenbauwerk zur Verfügung, das zudem auch im Sinne der vom Ratsgremium grundsätzlich befürworteten "Konzeption zur fahrradfreundlichen Markierung des Hauptstraßennetzes" künftig auch durch Radfahrer genutzt werden kann.

Mit dem Qualitätskriterium "äußerst schlechter Zustand" ging schließlich die dritte Brücke ins Rennen. Im Rahmen ihrer Untersuchungen des Fußgängersteges über den Talbach am Unteren Bürgersee waren die Vertreter des beauftragten Ingenieurbüros im August 2003 zu dem Ergebnis gekommen, dass " Standsicherheit und Tragfähigkeit auf Grund der festgestellten Mängel beeinträchtigt" seien. Da bei einer zu erwartenden Vergrößerung der konstatierten Schäden Einsturzgefahr besteht, war die Brücke vom Tiefbauamt gesperrt worden.

Bei einem Ortstermin am 1. März dieses Jahres wurde von Vertretern der Verwaltung, der Bürgerseefreunde und des Naturschutzes die Meinung vertreten, dass die Brücke aus Naturschutzgründen aufgegeben werden sollte, da sie im Grenzbereich zwischen Landschafts- und Naturschutzgebiet steht. Besonders hervorgehoben wurde dabei, dass für eine dauerhafte Sanierung des nördlichen Widerlagers des Steges massiv in den Bachverlauf eingegriffen werden müsste.

Die beim Vor-Ort-Termin einheitlich vertretene Einschätzung, dass die Brücke nicht zuletzt auch aus Kostengründen aufgegeben werden könnte, wurde bei einer Enthaltung auch im Ausschuss mitgetragen. Geteilt wurde auch die Einschätzung, dass aus technischer Sicht eine Holzbrücke an dieser Stelle nicht sinnvoll erscheint, da die Konstruktion ständig beschattet und feucht ist und eine Auslichtung des Auwaldes zur Verbesserung des Lichteinfalls nicht genehmigt werden kann.

Bei der Auflistung der theoretischen Alternativen zum mit Kosten in Höhe von 7 000 Euro veranschlagten ersatzlosen Abbau der Brücke einschließlich der Fundamente wurde rasch deutlich, dass neben den Kosten vor allem die Frage der erforderlichen Genehmigungen diese Wege grundsätzlich verbaut. Rund 30 000 Euro wären für den Neubau beziehungsweise die Sanierung des Steges an den bestehenden Widerlagern durch eine Holzkonstruktion durch das Technische Hilfswerk anzusetzen, wobei die für die Sanierung erforderliche Änderung des Gewässerverlaufs wohl kaum genehmigungsfähig wäre.

Den maroden Holzsteg durch eine dauerhafte Stahlbeton- beziehungsweise Stahlbrücke zu ersetzen, scheitert an der Landschaftsverträglich- und damit Genehmigungsfähigkeit. Angesichts dieser Problematik votierten die Mitglieder des Technischen Ausschusses einstimmig für den Abbruch der Brücke über den Talbach am Unteren Bürgersee.