Lokales

Der Mini-Kreisel wird zur Ellipse

Wie man's dreht und wendet es läuft nicht richtig rund am Schweinemarkt, diesmal im wörtlichen Sinne: Aus dem geplanten Minikreisel ist aus Platzgründen eine Ellipse geworden. Das gilt als Verbesserung, doch die sprichwörtliche Quadratur des Kreises ist damit nicht geglückt, denn weiterhin bestehen große Bedenken. Trotzdem bleibt es nun bei Kreisverkehr statt Ampelkreuzung.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Noch nicht mal einen Monat ist die Grundsatzentscheidung des Kirchheimer Gemeinderates alt, die Tiefgarageneinfahrt via Minikreisel zu regeln, da drohte sie schon Makulatur zu werden. Ursache für eine erneute Diskussion waren einerseits die Bedenken des beauftragten Ingenieurs gegen die Versuchslösung, andererseits die klare Ablehnung des Minikreisels durch die Verkehrskommission.

Ingenieur Wolfgang Bürkle machte aus seinem Herzen keine Mördergrube: "Ich empfehle Ihnen: Bleiben Sie bei Ihrer alten Lösung des signalisierten Knotens", riet er den Mitgliedern des Technischen Ausschusses (TA). Ein überfahrbarer Minikreisel sei sonst nur in Wohngebieten anzutreffen. Er werde der Verkehrsbelastung am Alleenring zumindest in Spitzenzeiten nicht gerecht, produziere Stauungen und berge erhöhte Unfallgefahren. Der Verkehrsfachmann, der sich als Freund von Kreisverkehren bezeichnete, betonte, dass an der Einmündung der Schlierbacher Straße in den Alleenring nun mal der Platz für einen erfolgsversprechenden großen Kreisel fehle.

Ohnehin war die Planung des Kreisels als lupenreiner Kreis von den Fachleuten schnell aufgrund der nicht symmetrischen Achsenverhältnisse an dieser Stelle verworfen worden. Für einen echten Kreisel stünde lediglich ein Durchmesser von 19 Metern zur Verfügung. Die Lösung heißt Ellipse. Sie ermöglicht mit einer Hauptachse von 24 und einer Nebenachse von 20 Metern immerhin ein maximales Ausnutzen des vorhandenen Raumes. Zudem erübrigen sich nach Argumentation des Ingenieurs unfallträchtige Bypässe.

Ob Kreisel oder Ellipse einstimmig für eine "signalgesteuerte Verkehrsregelung" hat sich die Verkehrskommission nach ihrer Begehung ausgesprochen. Hauptargument: Die erforderliche Verkehrssicherheit sei sonst nicht gegeben, und mit dem geplanten Minikreisel entstehe ein Unfallschwerpunkt. Allerdings stelle die Ellipse eine Verbesserung gegenüber dem runden Kreisel dar. Das Argument erhöhter Unfallgefahr führte auch Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker ins Feld. Sie verwies besonders auf die von der Polizei genannten negativen Erfahrungen mit vergleichbaren überfahrbaren Kreiseln in Leinfelden-Echterdingen .

"Wir sehen's anders als Sie", konterte CDU-Fraktionsführer Helmut Kapp und sprach sich dafür aus, den Versuch wie geplant zu wagen: "Wir können ja immer noch nachregeln", unterstrich er den Versuchscharakter. Bekanntlich hatte sich der Gemeinderat mehrheitlich für die zunächst auf ein Jahr befristete provisorische Anlage des Minikreisels ausgesprochen. Ebenfalls keinen neuen inhaltlichen Grund, davon abzurücken, sah Freie-Wähler-Chef Hagen Zweifel. "Wir probieren das aus", meinte auch Andreas Schwarz von den Grünen Alternativen. Er zeigte sich zuversichtlich, dass der Kreisel funktionieren werde. Zumindest dann, wenn der Verkehr schon in der Unteren Max-Eyth-Straße entsprechend gelenkt würde.

SPD-Fraktionsführer Walter Aeugle sprach davon, dass das "Prinzip Hoffnung" die Kreisverkehrs-Entscheidung geprägt habe. Im Gegensatz zu seinen Vorrednern machte er durchaus neue Aspekte in der TA-Sitzung aus. Dazu gehörten die negativen Erfahrungen andernorts oder auch die einstimmige ablehnende Stellungnahme der Verkehrskommission. Diesen Punkten stehe die "teils bewusst geförderte Ampelphobie" in Kirchheim entgegen. Fazit: "Es geht nicht anders als mit einem Probelauf!"

Mittlerweile liegt auch eine Kostenberechnung für die Einrichtung des Kreisels vor. Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker und Geschäftskreisleiter Martin Zimmert bezifferten den finanziellen Aufwand mit 20 000 Euro.

"Auch andere Lösungen sind nicht der Weisheit letzter Schluss", fasste CDU-Stadtrat Mathias Waggershauser die Abwägungsprobleme zusammen. Auch wenn die Verwaltung den Mini-Kreisel offenkundig noch kippen wolle, halte er daran fest, da er zu 95 Prozent der Zeit funktionieren werde. Dieser Argumentation schloss sich im Wesentlichen Ulrich Kübler von den Freien Wählern an. Er wies auf die Sicherheitsrisiken einer Ampellösung hin, die enormen Schleichverkehr durch die Wohngebiete mit sich bringe.

Matt-Heidecker fasste schließlich die knapp einstündige Diskussion in einen Antrag. Demnach ging es nun darum, den Minikreisel als Ellipse zu bauen. Die Ein- und Ausfahrt der Tiefgarage sollte aus Platzgründen nur jeweils einspurig erfolgen. Der Antrag erhielt eine Mehrheit von elf Stimmen. Drei Räte enthielten sich. Dem elliptischen Kreisverkehr verweigerten neben der Oberbürgermeisterin auch die SPD-Vertreter Martin Mendler und Tonja Brinks die Zustimmung.

Der Knoten in ZahlenDen Verkehrsknotenpunkt Alleenstraße/Schlierbacher Straße passieren täglich 20 000 Fahrzeuge. In samstäglichen Spitzenzeiten überqueren pro Stunde 2 272 Fahrzeuge diese Stelle.