Lokales

„Der Natur zuliebe ohne Chemie“

„Schmeck die Teck“: Bernd Czauderna, Inhaber der Landgärtnerei Honacker, lässt gesundes Gemüse reifen

Gesunde Nahrungsmittel aus heimischer Produktion auf kurzen Wegen anzubieten und dabei die Kulturlandschaft am Albtrauf zu erhalten, das ist das erklärte Ziel des Vereins „Schmeck die Teck“. Eines seiner jüngsten Mitglieder ist die Landgärtnerei Honacker in Ötlingen mit ihrem neuen ­Inhaber Bernd Czauderna.

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richard umstadt

Kirchheim. Samtrote Kugeln glitzern am geschmückten Christbaum. Dahinter warten, dicht an dicht, leuchtend rote Weihnachtssterne auf Kundschaft. Die Landgärtnerei Honacker, deren Inhaber Bernd Czauderna ist, steht ganz im Zeichen von Advent und Weihnachten. Selbst Papagei Cookie ist feierlich zumute auf seiner Stange. Aus höherer Warte kann er Floristin Kathrin Mössner bei der Kreation ihrer kunstvollen Blumen- und Adventskranzarrangements zusehen. Der Verkauf von Blumen und Pflanzen, darunter Saisonware für den Balkon, Grabgestaltung und (Dauer-)Pflege ist einer der Hauptbetriebszweige der Landgärtnerei hinterm Ötlinger Friedhof. Ein anderer, genauso wichtiger Bereich, ist für Bernd Czauderna, 42, der Anbau von saisonalem Gemüse: Tomaten, Gurken, Paprika, Bohnen, Auberginen, Kürbisse sowie frische Blattsalate und Topfkräuter. Dabei lautet des Gärtners Credo „Der Natur zuliebe ohne Chemie!“.

Das neue „Schmeck die Teck“-Mitglied, das im Januar die Gärtnerei Honacker übernahm, verzichtet auf chemische Spritzmittel und setzt stattdessen auf biologischen Pflanzenschutz. Und wie sieht der aus? Nun, er hat Flügel und ist gelb-schwarz gestreift. Schlupfwespen haben weiße Fliegen an Tomaten zum Fressen gerne und Raubmilben lieben rote Spinnen. Auch Marienkäferlarven kommen in der Landgärtnerei zum Einsatz, weil sie klein und gefräßig sind und ganz scharf auf Läuse. „Ich möchte Tomaten direkt vom Stock essen können“, begründet Bernd Czauderna seinen Verzicht auf Chemie und weiß sich damit einig mit seiner Kundschaft. „Das hat am Gemüseanbautag Anklang gefunden.“

Überhaupt hat der Gärtner in seinen gläsernen Häusern keine Geheimnisse vor Kunden. Die insgesamt 10 000 Quadratmeter große Gärtnerei mit dem Verkaufsgewächshaus, dem angeschlossenen Laden sowie mehrerer Kultur- und Foliengewächshäuser mit Freilandfläche ist während der Geschäftszeiten (siehe Info) frei zugänglich. „Wir haben eine gläserne Produktion“, sagt Bernd Czauderna, „jeder kann sehen, wie die Pflanzen wachsen.“ Tomaten dürfen hier natürlich reifen und müssen nicht Tausende Kilometer durch die Lande gekarrt werden. Geerntet werden sie erst einen Tag vor dem samstäglichen Kirchheimer Wochenmarkt, wo die Ötlinger Landgärtnerei noch unter Honacker firmiert. „Unser Plus ist es, dass wir alles direkt vermarkten können.“ Und nicht nur das: „Wir bieten auch Rezepte zu unseren Produkten an.“

Doch nicht nur wegen des heimischen Gemüse- und Salatanbaus passt die Großgärtnerei ins „Schmeck-die-Teck“-Konzept. Sondern auch, weil Bernd Czauderna Schnittblumen und Topfpflanzen aus der Region und keine Tulpen aus Amsterdam oder Rosen aus Ecuador bezieht. „Es kommt alles auf ganz kurzen Wegen.“ Selbst die Weihnachtssterne reisen nicht aus Südamerika oder Holland an. Und weil der Verein „Schmeck die Teck“ ein Netzwerk ist, verkauft der Gärtner Kartoffeln und Eier von Landwirt Munk aus Owen sowie Dosenfleisch und -wurst vom Hoflädle Gölz aus Nabern. „Die Produkte werden gut angenommen,“ freut sich Bernd Czauderna. Deshalb will er die Palette im neuen Jahr erweitern, ganz nach dem Slogan „Qualität und Frische aus eigener Produktion und aus der Region!“. Denn der 42-Jährige ist sich bewusst: „Ein gesundes Leben hängt auch von gesunden Nahrungsmitteln ab.“ Doch die sind nicht zu allen Jahreszeiten zu haben. „Saisonale Gemüse und Salate“ in die Küche, lautet daher die Empfehlung des Chefs der Gärtnerei, dessen Produkte ebenso von der Metzgerei Frik in Ötlingen verkauft und verarbeitet werden.

Weihnachten ist Wünsch-Dir-was-Zeit. Bernd Czauderna träumt davon, gemeinsam mit den anderen „Schmeck die Teck“-Mitgliedern zent­ral in Kirchheim einen regionalen Markt einzurichten. Dort könnten die Verbraucher all‘ die heimischen Köstlichkeiten zu reellen Preisen einkaufen, die rund um die Teck erzeugt werden. Mal hören, was das Christkind zu diesem Wunschzettel sagt. Derweil macht Bernd Czauderna und sein Team, dazu gehören neben seiner Mutter Erika, Kathrin Mössner, Heike Doll und Wolfgang Honacker, im Januar und Februar erst einmal Winterpause. Heizkosten sparen heißt die Devise. Wann die Landgärtnerei im Frühjahr wieder ihre Pforten öffnet, steht rechtzeitig in der Zeitung. Und dann wird mit allem was blüht und allen, die Freude an Blüten haben, in der Gärtnerei gefeiert.

Der Verein „Schmeck die Teck“ wurde am 2. April 2001 gegründet und zählt heute rund 20 Mitglieder. Vorsitzender ist Klaus Lang aus Ohmden, Geschäftsführerin Anne Rahm aus Köngen. Über sie sind weitere Informationen über den Verein „Schmeck die Teck“ zu erhalten unter 0 70 24/86 82 75 oder Schmeckdieteck@web.de. Die Landgärtnerei, Inhaber Bernd Czauderna, ist zu erreichen in Ötlingen, Hochwiesen 1 (am Friedhof), Telefon 0 70 21/22 94. Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Freitag von 9 bis 13 und von 14 bis 19 Uhr, samstags von 14.30 bis 18 Uhr. Informationen über die Landgärtnerei gibt es im Internet unter www.dielandgaertnerei.de.