Lokales

Der Neckar prägt Wirtschaft und Lebensraum

Eine Radtour der besonderen Art bot das Regierungspräsidium Stuttgart an. Unter dem Motto "Den Neckar erleben" konnten sich die Teilnehmer gemeinsam mit Regierungsvizepräsident Josef Kreuzberger entlang des Neckars über Wasserwirtschaft und Naturschutz informieren.

KREIS ESSLINGEN Ausgangsort der Radtour war der Parkplatz der Nürtinger Neckar-Realschule. Hier fand sich neben den Teilnehmern auch Nürtingens Oberbürgermeister Otmar Heirich ein, der in einem Grußwort auf die Radtour einstimmte. Der Neckar, meinte Heirich, sei viele Jahre an Nürtingen vorbeigeflossen, habe durch die Hochwassergefahr oft eher bedrohlich auf die Bewohner gewirkt. Die wirtschaftliche Nutzung des Flusses habe den Neckar aber wieder mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung geholt. Es lohne sich, den Fluss den Menschen wieder nahe zu bringen. Zunächst ging die Fahrt zu einem Retentions- und Überschwemmungsgebiet zwischen Zizishausen und Oberboihingen. Bei der Hummelmühle konnte ein zu einer "rauen Rampe" umgebautes Wehr besichtigt werden.

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Hier erklärten Mitarbeiter der Abteilung Umwelt des Regierungspräsidiums Ziele und Arbeit der Wasserwirtschaft und des Naturschutzes am Neckar. Schautafeln veranschaulichten die wesentlichen Themen zusätzlich. Regierungsvizepräsident Kreuzberger erläuterte an der Hummelmühle die Aktivitäten, die im Rahmen des IkoNE-Programms am Neckar durchgeführt werden. IkoNE, die Integrierte Konzeption Neckar-Einzugsgebiet, ein ganzheitlicher Handlungsrahmen, habe die Verbesserung des Hochwasserschutzes, die weitere Verbesserung der Wasserqualität sowie die naturnahe Entwicklung als Lebensraum für Tiere und Pflanzen und als Erholungsraum für die Menschen zum Ziel.

Der Neckar nehme, so Kreuzberger, unter den Flüssen von Baden-Württemberg eine besondere Stellung ein. Sein Einzugsgebiet liege von der Quelle im Naturschutzgebiet "Schwenninger Moos" bis zu seiner Mündung am Rhein bei Mannheim über 365 Kilometer komplett im "Ländle". Dabei durchquere er die unterschiedlichsten Landschaften, die Heimat für eine große Zahl an Tier- und Pflanzenarten seien. Auch eine wichtige wirtschaftliche Funktion erfülle der Neckar, zum Beispiel durch die Erzeugung umweltfreundlichen Stroms in Wasserkraftwerken, oder als Wasserstraße zwischen Plochingen und Mannheim. Dem Lebensraum Neckar komme daher zentrale Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung und die Lebensqualität in Baden-Württemberg zu. Der Fluss sei prägend für die Landschaft und den Siedlungsraum.

Durch Erfolge der Umweltschutzpolitik und der Investitionen des Landes und der Kommunen in die Abwasserreinigung sei die Wasserqualität des Neckars bemerkenswert verbessert worden, meinte Kreuzberger. Badewasserqualität werde man im Neckar allerdings auch in absehbarer Zeit nicht erreichen. Dazu seien die Verhältnisse, im Vergleich mit großen Flüssen wie dem Rhein, der aus den Alpen gespeist werde, im Einzugsgebiet des Flusses zu ungünstig. An trockenen Hochsommertagen betrage der Anteil des Abwassers bis zu 40 Prozent der gesamten Wasserführung. Seit viereinhalb Jahren existiere in Europa ein einheitliches Wasserrecht: Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie. Nach den Zielen dieser Richtlinie müssten viele Gewässer bis zum Jahr 2015 europaweit in einen so genannten "guten Zustand" versetzt werden. Der Regierungsvizepräsident kündigte an, die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie würden künftig gleichermaßen Maßstab sein für alle Maßnahmen, die vom Land, von den Kommunen und von Privaten am Neckar und in seinem Einzugsgebiet geplant seien.

Den Regierungspräsidien sei mit der Novelle des Wassergesetzes die Aufgabe der Flussgebietsbehörde zugewiesen worden. In dieser Eigenschaft mache er den kommunalen Körperschaften das Angebot, deren Interessen und die der Raumschaft aufzunehmen und in Planungs- und Entscheidungsprozesse umfassend einzubinden. Hochwasserschutz, als dringlichstes Anliegen vieler Städte und Gemeinden, werde mit seinen drei Bereichen Hochwasservorsorge, technischer Hochwasserschutz und Stärkung des natürlichen Wasserrückhalts nachhaltig gefördert.

In diesem Zusammenhang wies Kreuzberger auf eine vorbildliche private Initiative, die 2004 von Hermann Grub gegründete Stiftung "Grünzug Neckartal", hin. Diese habe zum Ziel, die Attraktivität und Lebensqualität am Neckar im Großraum Stuttgart für die Zukunft zu erhalten und zu verbessern. Dabei gehe es vorrangig um den Erhalt und die Entwicklung städtebaulicher Qualitäten, die Wohnen, Arbeiten und Naherholung gleichermaßen umfassten. Die Stiftung, betonte Kreuzberger, erfülle damit eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe. Daneben gebe es eine Reihe ähnlicher Visionen, Konzepte und Projekte, die gleichermaßen mit IkoNE identische Ziele verfolgten.

Weiter ging die Fahrt bis zum hydrologischen Neckarpegel Wendlinger Kläranlage, an dem die Pegelfunktionen erläutert wurden. Von dort fuhr man zu den Wernauer Baggerseen, wo die Teilnehmer Informationen zum Naturschutzgebiet erhielten. Am Zielort Plochingen schließlich wartete das Öko-Mobil des Regierungspräsidiums auf die Radler, die dort Gelegenheit hatten, im Öko-Labor die faszinierende Mikrowelt der Gewässer zu erkunden.

rp