Lokales

Der Papst als Punkt am Horizont

Rund ein Dutzend Malteser aus Esslingen und Kirchheim haben in der vergangenen Woche Pilger beim Weltjugendtag in Köln betreut. Die Malteser halfen jungen Menschen aus der ganzen Welt, die Auswirkungen von Schlaf- und Flüssigkeitsmangel, Sommerhitze und Kälteeinbruch gesund zu überstehen. Für den Heiligen Vater blieb da nur wenig Zeit.

KIRCHHEIM/KÖLN Ein leichter Lagerkoller machte sich in der Malteserzentrale in den Räumen einer Gesamtschule in Köln-Hennef breit. Seit sieben Tagen lebten ein Dutzend Malteser aus Esslingen und Kirchheim dort auf engstem Raum mit rund 700 weiteren Helfern aus der ganzen Republik zusammen. Sieben Tage lang hatten sie kaum gegessen, auf Feldbetten zu zwanzigst in kleinen Klassenzimmern übernachtet und den ganzen Tag und manchmal auch die ganze Nacht hilfsbedürftige Pilger versorgt. "Das zehrt schon an den Nerven, viele sind inzwischen doch etwas gestresst", gibt der Zugführer Dieter Hinkel zu.

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Auf den Einsatz in Köln verzichtet hätte freiwillig trotzdem keiner. "Der Einsatz hat sich auf jeden Fall gelohnt", sagt Hinkel. Schließlich handle es sich um ein Jahrhundertereignis. "So einen bedeutenden Einsatz werden wir nie mehr erleben", da ist er sicher. Sogar den Papst haben die Helfer zu Gesicht bekommen wenn auch nur wahlweise als kleines weißes Pünktchen am Horizont oder in überdimensionaler Größe auf der Videoleinwand.

Doch so sehr die Malteser die Atmosphäre und das Flair des katholischen Großereignisses loben, an der Organisation der Veranstaltung haben sie einiges auszusetzen: Weil weniger Hilfskräfte angefordert wurden als notwendig, waren die Malteser in Köln im Dauerstress. Der Caterer, der für die Versorgung der Pilger mit Vesperpaketen zuständig gewesen wäre, konnte nicht die erforderlichen Mengen liefern. Immer wieder mussten die Malteser deshalb Jugendliche versorgen, die einfach zu wenig gegessen hatten. Viele Jugendliche, die während der Woche bei 30 Grad Sommerhitze umkippten, hatten zu wenig zu trinken bekommen.

Am Samstagabend gegen 18 Uhr verlegten die Helfer ihr Einsatzzelt auf das Marienfeld. Viele der 800 000 Pilger waren zu Fuß zwischen 10 und 18 Kilometer aus Köln gelaufen, um dort den Heiligen Vater predigen zu hören. Ein Hauptteil der 130 Hilfeleistungen in der Nacht auf Sonntag bestand deshalb in der Versorgung von wunden Füßen und dem Bepflastern von Blasen.

Viele Pilger blieben in der eiskalten, sternenklaren Nacht auf dem Feld. "Vor allem die Südeuropäer und Afrikaner sind solche Temperaturen nicht gewohnt", berichtet Hinkel. Kein Wunder also, dass das Sanitätszelt ständig voll war: Die Esslinger wärmten durchgefrorene Menschen aus dem Kongo auf, versorgten hustende Brasilianer und kümmerten sich um Italiener und Spanier, die sich einen grippalen Infekt eingefangen hatten. In der Nacht auf Montag taten die Malteser ein zweites Mal Dienst auf dem Marienfeld. Noch bis Mitternacht waren sie für die Pilger da, die langsam den Platz verließen. Am Montag kehrten Pilger und Malteser nach Hause zurück.

pm