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Der Präsident ist eine Präsidentin

Dem neuen Lions-Club Nürtingen-Teck/Neuffen wurde am Sonntag die Gründungsurkunde verliehen. Damit ist die Gruppierung in den Lions Club International aufgenommen und ein vollwertiges Mitglied der Lions-Familie. Die Mitglieder des neuen Clubs hatten sich kurz vor Weihnachten 2004 zusammengefunden.

GüNTER SCHMITT

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NÜRTINGEN Der Präsident des neuen Lions-Clubs ist eine Präsidentin: Anja Ebert-Steinhübel. Vizepräsident ist Frank Keller, Schatzmeister Stefan Russ und Sekretär Uwe Grote. Der neue Lions-Club hat sich bereits zur Förderung zweier Einrichtungen entschieden: eines Kinderhospizdienstes und einer Einrichtung an der Theodor-Eisenlohr-Schule.

Das Hauptreferat beim Festakt in der Ausstellungshalle des Autohauses Russ hielt District-Governor Professor Jörg-Michael Kimmig aus Stuttgart. Er ging besonders auf das Lions-Motto "We serve" ein. Lions hat Hilfsprogramme in allen Teilen der Welt laufen. Bei der letzten Juni gestarteten Kampagne geht es um das weit verbreitete Übel der Blindheit. Weltweit sind 50 Millionen Menschen blind. 90 Prozent dieser Kranken leben in Ländern der Dritten Welt. Pro Minute kommen weitere 15 Blinde hinzu. Es ist das Ziel der Kampagne, bis zum Jahre 2020 die vermeidbare Blindheit zu überwinden. Lions ist in 190 Staaten vertreten. Es gibt 45 000 Clubs mit insgesamt 1,5 Millionen Mitgliedern.

Gleichzeitig befasste sich Professor Kimmig mit der Merkwürdigkeit, dass in Europa einerseits ein nie vorher existierender Wohlstand herrscht, andererseits eine schwer definierbare Unzufriedenheit weite Kreise erfasst hat. Einen der Gründe hierfür sieht er in der Herausbildung des Wohlfahrtsstaates und der damit einhergehenden Enthebung des Einzelnen aus der Verantwortung. Die Verantwortung werde zunehmend funktionslos. In diesem Zusammenhang unterstrich der Sprecher die Wichtigkeit neuer Ideen. Als sehr positiv wertete er das niedrige Durchschnittsalter der Mitglieder des neuen Clubs. Professor Kimmig ist sich gewiss: "Leben Sie Ihre Ideen, dann wird der Erfolg nicht ausbleiben."

Präsidentin Anja Ebert-Steinhübel, hatte eingangs in der sehr gut besetzten Russ-Ausstellungshalle die Wichtigkeit guter Kontakte zu den umliegenden Lions-Clubs betont. Im neuen Club werde man so ernst sein wie nötig und so fröhlich wie möglich. Sie betonte die gemeinsame Werte-Basis der Clubs und berichtete von den ersten Schritten. "Wir wissen", sagte sie, "dass der neue Club die Welt nicht verändern wird, aber dass sich mit ihm gleichzeitig neue Möglichkeiten eröffnen". Durch die Projekte würden die Mitglieder mit Sicherheit neue Sichtweisen gewinnen. Die Präsidentin hofft auf eine gute Entwicklung, auf Blüte und Reife.

Professor Dr. Heinz Isengard, Präsident des Patenclubs Nürtingen-Kirchheim, erinnerte daran, wie man im ersten Nürtinger Lions-Club zielstrebig auf das Ereignis der Neugründung hingearbeitet habe. Vor allem Dr. Peter Büschelberger habe sich Verdienste erworben. Angesichts der zwei Clubs im gleichen Revier dürfe eine Steigerung der Aktivitäten erwartet werden. Nürtingens Bürgermeister Siebert stellte fest, dass Freiheiten dazu da sind, in Anspruch genommen zu werden. "Wir dienen" sei ein großartiges Motto. "eine fast verloren gegangene Qualität". Dr. Dietmar Stützle vom Rotary-Club Kirchheim freute sich darüber, dass bei der neuen Gruppierung der Präsident eine Präsidentin ist. Von den jungen Leuten im neuen Club dürfe viel erwartet werden.

Roland Bosch vom Rotary-Club Nürtingen-Kirchheim versicherte den besten Willen zur Zusammenarbeit. Ebenso auf eine fruchtbare Zusammenarbeit freuten sich Rolf Hefele vom Round Table 138 und Norbert Morgenthaler vom Old Table (im Alter von 40 Jahren geht es hier in die neue Gruppierung). Für die Loge zu den drei Linden sprach Philipp Beck, der darauf hinwies, dass er und die Präsidentin gemeinsam das Gymnasium besucht haben. Schon das, meinte er, sei eine gute Grundlage für eine Zusammenarbeit. Ein Streicherensemble der Nürtinger Musikschule sorgte mit für eine angenehme Stimmung beim Festakt.