Lokales

Der Reiz fernöstlicher Gartenästhetik

Die Weilheimer Baumschule Ulmer hat sich auf dem Markt für exklusive Großbonsai-Bäume etabliert

Als wichtiger Teil der Gartenkultur genießen Bonsai-Bäume in China und Japan seit Jahrhunderten großes Ansehen. Doch auch hierzulande finden Menschen Gefallen an den von Hand gezogenen Formgewächsen. Mit eigenen und importierten Großbonsai wendet sich die Weilheimer Baumschule Ulmer an Kunden aus ganz Deutschland.

Tobias Flegel

Weilheim. Die Arbeit, die in alten Bonsaibäumen steckt, kann ein Laie in Sachen fernöstlicher Gartenkultur nur erahnen. Mit feinen Schnüren und Drähten sowie durch regelmäßiges Schneiden kontrollieren Experten den Wuchs der Hölzer von klein auf. „Japanische Großbonsais werden zwischen 15 und 50 Jahre lang von Hand geformt“, erklärt Gärtnermeister Christoph Ulmer. Das Ergebnis des langwierigen Zuchtprozesses seien einzigartige Bäume, deren Äste und Blätter sich durch ihre charakteristische Tellerform auszeichnen.

Der Inhaber der Weilheimer Baumschule Ulmer weiß wovon er spricht. Nach dem Abschluss seiner Lehre vor rund 25 Jahren experimentierte der Gärtner zum ersten Mal selbst mit dem Formschnitt bei jungen Kiefern. „Jetzt fängt er’s spinnen an“, habe die Antwort des Vaters auf seine Versuche gelautet. Ungeachtet dieser Skepsis verlor Christoph Ulmer die Bonsai-Zucht nicht aus den Augen. Heute pflanzt er auf fünf Feldern eigene Gartenbonsais aus Waldkiefern, Hainbuchen und Feldahorn-Bäumen an. Das Angebot an heimischen Formgehölzen erweitert er zudem jährlich durch etwa 30 japanische Großbonsais aus Eiben, Kiefern und Stechpalmen, die er nach gründlicher Begutachtung von verschiedenen europäischen Importeuren bezieht. „Ich suche mir bei Händlern in Holland oder Italien die schönsten Bäume raus“, sagt der Gärtnermeister. Wichtiges Qualitätsmerkmal seien dicht ausgebildete und geschlossene Teller als Zeichen für langjährige und professionelle Arbeit.

Mit seinem Sortiment spricht Christoph Ulmer Leute an, die einen Sinn für fernöstliche Gartenästhetik und das nötige Kleingeld für sorgfältiges Formhandwerk haben. Denn die japanischen Großbonsais sind teuer: Bis zu 12 000 Euro kosten manche der besonders alten und formvollendeten Exemplare. Die europäischen Bäume sind dagegen günstiger. Doch auch hierfür bezahlt der Kunde manchmal bis zu 800 Euro. „Wir wollen uns mit unseren Gartenbonsais bewusst von der Massenware aus den Baumärkten abheben“, sagt Ulmer.

Die Strategie geht auf. Kunden aus ganz Deutschland kaufen inzwischen in der Baumschule ein. Ein Grund für die Beliebtheit der Formgehölze ist sicher deren Aussehen: „Großbonsais wirken durch ihren Schnitt und ihr Alter sehr interessant“, sagt Christoph Ulmer. Zugleich lägen die extravaganten Bäume auch als Statussymbole im Trend. Weniger ist mehr lautet dabei die Devise, nach der sich die Käufer richten: „Meine Kunden stellen sich lieber ein formschönes Gehölz in den Garten, das sie in Szene setzen, als viele Hecken“, sagt der Gärtnermeister. Diesen Ansatz hält er auch für richtig, denn seiner Meinung nach passen die Gewächse gut zu modernen Gebäuden, in ein minimalistisches Ambiente oder zu Gärten im japanischen Stil.

Einmal am rechten Platz eingepflanzt, entfalten Gartenbonsais eine besondere Wirkung. „Die Bäume strahlen viel Ruhe aus“, sagt der Inhaber der Weilheimer Baumschule. Hin und wieder bekomme er auch E-Mails von Kunden, die ihm begeistert mitteilen, dass sie der Anblick der formvollendeten Gewächse nach langer Zeit noch freut. Die Pflege der alten Formgehölze ist dabei relativ einfach. Dadurch, dass sie über Jahre in Form gebracht werden, hält sich der Aufwand in Grenzen; eine genaue Anleitung sowie die Schnitttermine liefert Ulmer den Käufern beim Beratungsgespräch mit. Auch Bedenken, ob die Bäume bei winterlichen Temperaturen Schaden nehmen können, kann der Fachmann zerstreuen. Die Frosthärte der japanischen Exemplare reicht von minus 25 bis minus 35 Grad.

Das Interesse, das die Formgehölze hierzulande wecken, ist mit ihrem Ansehen in fernöstlichen Ursprungsländern wie Japan und China jedoch nicht vergleichbar. „In Japan hat die Gartenkultur eine viel größere Bedeutung“, weiß der Gärtnermeister. „Dort sind Bonsai wichtiger als ein Auto und werden in den Erbvertrag reingeschrieben“.

Eine so große Wertschätzung für die teuren Formgehölze ist am Fuße der Schwäbischen Alb wohl auch in Zukunft nicht zu erwarten. Um auf seine ungewöhnlichen Produkte aufmerksam zu machen, hat Christoph Ulmer aber einen passenden Blickfang vor seiner Baumschule postiert: Zwischen der Oberen Grabenstraße und der Schallschutzmauer, die seine Terrasse vor dem Verkehrslärm schützt, lächelt ein liegender Buddha Passanten, Autofahrern und potenziellen Kunden zu. Wie bei alten Bonsaibäumen erkennt auch hier der flüchtige Betrachter nicht unbedingt den Aufwand, der in die stilvolle Dekoration floss. Allein an der Verkleidung der Wand mit französischem Bruchschiefer haben fünf bis sechs Mann rund sechs Wochen gearbeitet.

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