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Der Rohbau des Ärztezentrums steht

Unübersehbar schwebt die Richtkrone in luftiger Höhe: Der Rohbau des Kirchheimer Ärztezentrums steht. Bauherrschaft, Stadtverantwortliche, Handwerker und andere an diesem Großprojekt Beteiligte feierten gestern Richtfest in der Steingaustraße.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM "Die Feierstunde hat geschlagen, es ruhet die geübte Hand, nach harten, arbeitsreichen Tagen grüßt heut die Richtkrone ins Land", setzte Wilfried Gröber von der Firma Rommel zum Richtspruch an. Jürgen Schwefel von der Bauunternehmung Gustav Epple hieß die Gäste willkommen und betonte, dass der neue Rohbau nun manche alte bauliche Wunde der Stadt heile. "Heilen" wird auch eine der Aufgaben der künftigen Nutzer des Bauwerks sein: eine Reihe von Ärzten und Angehörige anderer medizinischer Berufe. Ab dem kommenden Sommer wollen sie dort ihrer Arbeit nachgehen.

Geschäftsführer Dr. Friedrich Fink dankte den Bauleuten für das"atemberaubende Tempo" bei ihrer Arbeit. Schließlich war es erst Ostern 2005 zum Kauf des Grundstücks gekommen. Fink begründete das Engagement der niedergelassenen Ärzte bei der Errichtung dieses Zentrums mit erheblichen Veränderungen im Gesundheitswesen. Speziell die Öffnung des ambulanten Marktes auch für Krankenhäuser berge Chancen, aber auch Risiken. Die Sicherung der ambulanten Krankenversorgung sei von jeher Aufgabe der niedergelassenen Ärzte. Das Ärztezentrum sei ein deutliches Zeichen dafür, dass die beteiligten Kirchheimer Ärzte im Verbund mit nichtärztlichen medizinischen Leistungserbringern diese Aufgabe auch in Zukunft auf hohem fachlichen Niveau und mit enormem Engagement erfüllen wollen.

Weit über ein Dutzend Investoren stehen hinter dem Elf-Millionen-Euro-Projekt, das eine Nutzfläche von 5 000 Quadratmetern umfasst. Mit Stolz verwies Fink darauf, dass das Ärztezentrum nicht nur in punkto Medizin, sondern auch unter ökologischen Aspekten innovativ ist, handelt es sich doch um eines der größten Geothermieprojekte Deutschlands.

"Mit diesem Ärztezentrum im Herzen von Kirchheim sind sie gut aufgestellt für den kommenden Wettbewerb", bescheinigte der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich den Medizinern, die in Kirchheim neue Wege beschreiten. Zweifellos werde das Prinzip "ambulant vor stationär" angesichts steigender Kosten im Gesundheitswesen weiter an Bedeutung gewinnen. Hennrich berichtete, dass es mittlerweile bundesweit 700 sogenannte Medizinische Versorgungszentren (MVZ) gebe. In Baden-Württemberg seien es derzeit 33. In seinem eigenen Wahlkreis gebe es jedoch erst eines, nämlich das neue Vorhaben in Kirchheim.

AOK-Geschäftsführer Karl-Rudolf Traub betonte, dass das MVZ mit seinem breit gefächerten Angebot an diagnostischen und therapeutischen Leistungen für die Bevölkerung von Kirchheim von großer Bedeutung sei. Schließlich sinke die Verweildauer im Krankenhaus beständig, wogegen dem ambulanten Bereich immer größere Bedeutung zukomme. Hier wie dort seien leistungsfähige und wirtschaftliche Strukturen notwendig. Als interessant an der Kirchheimer Einrichtung bezeichnete er die Tatsache, dass nicht nur medizinische Praxen, sondern beispielsweise auch eine Pflegeeinrichtung angesiedelt werden sollen.

Die Richtfestgäste konnten schon mal das gesamte Bauwerk in Augenschein nehmen und beispielsweise einen Blick ins künftige Bistro im Erdgeschoss werfen. Im ersten und zweiten Obergeschoss wurden die Vorteile der räumlichen Verzahnung verschiedener Fachrichtungen deutlich. Wer den Rohbau ganz erkundete, den führte die Treppe in das Areal eines künftigen Therapiezentrums wie auch zur Pflegeinsel im Dachgeschoss. Dort waren nicht nur Ausblicke auf die Teck, sondern auch Einblicke in die benachbarte Großbaustelle auf dem Kolb- und Schüle-Gelände möglich. "An ehemaligen Produktionsstandorten entsteht Handel und Dienstleistung", fasste Kirchheims Bürgermeister Günter Riemer die Entwicklung entlang der Stuttgarter Straße zusammen. Mit Blick auf die Lage des alten Bahnhofs am Standort des Teck-Centers betonte er, dass nun nach 30 Jahren gravierende Stadtbildveränderungen ihren Abschluss fänden.

DefinitionMedizinische Versorgungszentren (MVZ) sind mit der Gesundheitsreform 2004 eingeführt worden. Es handelt sich um fachübergreifende, ärztlich geleitete Einrichtungen, in denen Ärzte als Angestellte oder Vertragsärzte tätig sind.