Lokales

Der Rotstift sucht sein Opfer

Die Bissinger Geburtenzahlen weisen nach unten und im Haushaltssäckel ist Ebbe. In dieser Situation will die Gemeinde eine Kindergartengruppe schließen. Doch welche? Das sollen Verwaltung, Eltern und Erzieherinnen einvernehmlich klären, bevor der Gemeinderat entscheidet.

RICHARD UMSTADT

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BISSINGEN Dem Wortungeheuer "Kindergartenbelegungsentwicklung" war das Interesse des Publikums in jüngster Sitzung des Bissinger Gemeinderats sicher. Dahinter steckt die Tatsache, dass seit 2000 in der Seegemeinde mehr Menschen sterben wie geboren werden und durch die geburtenschwachen Jahrgänge die Kindergartengruppen ausdünnen.

Das ist die eine Seite. Die andere, die Verwaltung und Rat ebenfalls ins Grübeln bringen, betrifft die monetäre Masse. "Wir haben sehr stark rückläufige Einnahmen. Die derzeitigen Finanzen lassen es deshalb nicht zu, die Sache großzügig zu handhaben", bedauerte Bürgermeister Wolfgang Kümmerle. Der Rotstift wird somit auch vor den Kindergärten nicht halt machen, zumal den Belegungszahlen zufolge die Kinder einer Gruppe auf die anderen umverteilt werden könnten, ohne deren Gruppenstärken zu sprengen.

Derzeit ist das Kinderschüle im Höfle mit einer Gruppe, der Kindergarten in der Pfarrstraße mit zwei Gruppen und der 1997 gebaute Kindergarten in der Teckstraße mit drei Gruppen belegt. Obwohl die Gemeinde bei Auflösung der Höfle-Gruppe am meisten Geld sparen könnte 50 000 Euro , will Bürgermeister Kümmerle davon absehen. Er denkt eher daran, zusammen mit dem Schüle Pfarrstraße einen Pool zu bilden.

Während die Mehrzahl der Gemeinderäte, wie die Verwaltung, durchaus geneigt war, eine Gruppe zu schließen, bemängelte Ratsmitglied Uli Berger, dass nur über Zahlen, nicht aber über eine qualifizierte Erziehung der Kinder gesprochen werde. Außerdem wies er darauf hin, dass die Gesamtzahl der Kinder in den Bissinger Kindergärten von Jahrgang, Stand Januar 2005, zum Juli 2007, gar nicht so drastisch sinke, wie dargestellt.

Bürgermeister Kümmerle wollte dies so nicht stehen lassen und stellte die Entwicklung der Kindergartenzahlen auch im Vergleich zur Maximalbelegung dar. Von 171 Buben und Mädchen, die die Bissinger und Ochsenwanger Schüle aufnehmen könnten, besuchen 120 die Kindergärten. Nicht ganz so dramatisch fällt der Belegungsrückgang im Juli 2007 aus. Hier ist das Verhältnis 146 zu 121.

Gegen die Stimme von Uli Berger einigte sich der Gemeinderat darauf, die Verwaltung möge gemeinsam mit den Erzieherinnen und Eltern beraten, welche Kindergartengruppe geschlossen werden soll. Das letzte Wort wird dann das Ratsgremium haben, wobei die Bürgervertreter sich erfahrungsgemäß am Vorschlag des Kindergartenausschusses orientieren werden.