Lokales

Der schlaue Fuchs führt durch den Wald

Der Kirchheimer Talwald ist ein ausgesprochen beliebtes Naherholungsgebiet. Künftig soll er noch attraktiver werden und auch Besucher aus einem erweiterten Umkreis anziehen: Für 2006/2007 ist die Sanierung des alten Waldlehrpfads vorgesehen, der mit zeitgemäßen Walderlebniselementen "aufgepeppt" wird.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM "Die Leute sollen sich schlau machen über den Wald und die Natur", sagte Revierförster Daniel Rittler, als er in der gemeinsamen Sitzung des Technischen Ausschusses sowie des Finanz- und Verwaltungsausschusses die Konzeption erläuterte, die den rund 40 Jahre alten Pfad für das 21. Jahrhundert gangbar machen soll. Deshalb tauche im Logo des geplanten Waldlehr- und Erlebnispfads auch wieder ein Fuchs auf: "Der Fuchs ist ein schlaues Tier, das sich sehr gut an geänderte Umweltbedingungen anpassen kann." Der Waldlehrpfad wird unter anderem auf einer gesonderten Schautafel Informationen über den listigen Waldbewohner verbreiten. Im Erlebnisbereich ist außerdem an einen vergrößerten Fuchsbau gedacht, in dem sich Kinder und schlanke Erwachsene ein anschauliches Bild vom Leben Meister Reinekes machen können.

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Weitere Erlebnisstationen sollen der sinnlichen Wahrnehmung dienen, etwa das "Waldorchester" mit Klangkörpern aus Holz, das "Baum-Memory" zum Zuordnen von Rinden, Früchten und Blättern oder die "Observation", wo sich fest "versteckte" Tiere oder Pflanzen durch besondere "Guckrohre" ins Visier nehmen lassen. Sportliche Betätigung bietet sich beim "Balance-Akt" an, wo der Talbach auf einem Stahlseil trockenen Fußes zu überqueren ist. Beim "Tierweitsprung" können große und kleine Waldlehrpfadbesucher ihre eigenen Fähigkeiten mit den Sprungweiten verschiedener Waldtiere messen. Eher besinnlich dürfte es dann in der "Waldmärchenecke" zugehen: In Baumstümpfe werden Metallplatten eingelassen, auf denen passende Märchen eingraviert sind. Rund um diese Bäume sind kleine Sitzecken gruppiert.

Als besonders lehrreich könnten sich die übrigen Erlebnisstationen erweisen: Einmal geht es um die Bestimmung der Himmelsrichtung ohne Kompass, dann um die Jahresringe an einem Baumstumpf, die Auskunft darüber geben, was der Baum schon alles erlebt hat. Ein anderer Baumstamm soll so aufgesägt werden, dass verschiedene Produkte der Holz verarbeitenden Industrie quasi aus ihm "herauswachsen". Und schließlich ist noch eine Station geplant, an der angewandte Mathematik zum Einsatz kommen soll: Mit dem Strahlensatz lässt sich die Höhe frei stehender Bäume berechnen.

"Dank ,Lothar' gibt es da geeignete Bäume", wusste Daniel Rittler wenigstens einmal dem Sturmwind etwas Positives abzugewinnen, der am 26. Dezember 1999 auch den Kirchheimer Talwald empfindlich getroffen hatte. Eine der 33 erklärenden Schautafeln des neuen Waldlehrpfads soll deshalb auch "Lothar" und dessen Folgen gewidmet sein. Weitere Tafeln informieren über die Gelbbauchunke, über Totholz, den Schwefelbrunnen, das Herrenhäusle sowie schwerpunktmäßig über die Baumarten und die Haupttierarten des Talwalds.

Die Gesamtkosten für einen erneuerten Waldlehr- und Erlebnispfad sind mit 34 000 Euro veranschlagt. Stadt und Ratsmitglieder sähen es am liebsten, wenn möglichst viel davon durch Sponsoring zu finanzieren wäre. Ein potenzieller Spender meldete sich auch gleich aus den Reihen der Ausschussmitglieder. "Mir werden da zu viele Bäume präsentiert. Wenn es auch eine Tafel über Moose und Pilze gibt, dann wäre ich gerne der Sponsor dafür", sagte Dr. Christoph Miller.

Von der Finanzierung abgesehen, stieß die Konzeption auf große Befürwortung. Sie wurde denn auch bei nur einer Enthaltung abgesegnet. Gleichwohl hatten die Gremiumsmitglieder noch etliche konstruktive Vorschläge vorzubringen: So sei darauf zu achten, dass die Informationstafeln nicht zu textlastig ausfallen, wie das beim angrenzenden Gewässerlehrpfad an den Bürgerseen teilweise der Fall sei. Die Tafeln des alten Lehrpfads sollten möglichst erhalten bleiben, und außerdem gab es die Idee, dass Schulen im Rahmen von Projekttagen an einzelnen Stationen mitarbeiten könnten.

Durch solch einen persönlichen Bezug ließe sich vielleicht auch das Problem des Vandalismus vorab eindämmen. Aber Revierförster Rittler mochte in der Zerstörungswut einiger Zeitgenossen ohnehin keine allzu große Gefahr sehen.