Lokales

Der Schweine-Bauer grinst sich eins

Die Rückkehr der Bronze-Plastik an ihren angestammten Platz löst wieder heftige Diskussionen aus

Gestern ist er an seinen „alten“ Platz zurückgekehrt – der Bauer aus Bronze, der seit 1984 seine metallenen Ferkel am Kirchheimer Schweinemarkt feilbietet. Und sofort sind wieder heftige Diskussionen losgegangen. Die scheinen die Schweinemarkt-Plastik seit jeher zu begleiten. Dieses Mal ging es um den geeigneten Standort.

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Andreas Volz

Kirchheim. Früh am morgen trafen sich gestern Vertreter der Stadtverwaltung und des Verschönerungsvereins am Schweinemarkt. Noch bevor die Bronzeplastik per Lastwagen herangekarrt war, gingen bereits die Wogen hoch. Die Mitglieder des Verschönerungsvereins waren einhellig der Meinung, dass der gewählte Standort an der Ecke Max-Eyth-Straße / Alleenstraße völlig ungeeignet sei. Als Grund nannten sie den Hintergrund: Die neue Bebauung des Schweinemarkts sei nicht geeignet, um den Ferkelverkäufer im rechten Licht erscheinen zu lassen. Ihnen wäre eine historische Kulisse lieber gewesen.

Bürgermeister Günter Riemer verwies darauf, dass mehrere Standorte überprüft worden seien und dass es sich bei der Grünfläche zwischen Schweinemarkt und Alleenstraße um den geeignetsten Standort handle. Zum einen sitzt der Bauer mit seinen Ferkeln fast genau an derselben Stelle, an der er sich einst zum Jahreswechsel 1983/1984 niedergelassen hatte. Zum anderen sei die damalige Tiefgaragenbebauung nicht gerade schöner gewesen als die heutige. Drittens ist die Häuserzeile zwischen Weißem Ochsen und Linde durchaus ansehnlich als Hintergrund und viertens kämen an dieser Stelle die meisten Menschen vorbei: Ob stadteinwärts oder -auswärts – Fußgänger und Radfahrer können an dieser Stelle ebenso schon von Weitem einen „alten Bekannten“ wiedersehen wie die Autofahrer, die auf der Alleenstraße unterwegs sind.

Günter Riemers Vorschlag zur Güte folgte dem Prinzip „Abwarten und Tee trinken“: „Wir wollen die Figur hier erst einmal sitzen und wirken lassen.“ Vorläufig wird deshalb auch auf den geplanten Pflasterbelag rings um die Figur verzichtet, falls doch noch ein anderer Standort gefunden werden sollte. Was sich zwischen Schweinemarkt und Bastion ohnehin noch ändern wird, das ist die Rasenfläche zwischen Max-Eyth-Straße und Tiefgarageneinfahrt. Bei den Bauarbeiten zur neuen Tiefgarage waren Fundamente des einstigen Jesinger Tors aufgetaucht. Diese Fundamente sollen eines Tages auf der besagten Rasenfläche wieder aufgebaut werden und an die frühere Stadtbefestigung erinnern.

Sobald die historischen Steine wieder in der Nähe ihrer alten Stätte aufgebaut sind, könnte es also auch in Sachen Bronzeplastik wieder zu einem Ortstermin mit Stadtverwaltung und Verschönerungsverein kommen. Was Bürgermeister Riemer aber an der heftig umstrittenen Standortfrage gefiel, war die Feststellung, dass Kunst im öffentlichen Raum zu Diskussionen anrege: „Das zeigt, dass sich die Leute damit auseinandersetzen.“

Zu Beginn der 80er-Jahre war es übrigens schon einmal zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen. Der Verschönerungsverein hatte ursprünglich die Darstellung einer Muttersau mit kleinen Ferkeln vorgesehen, für die es bereits ein Modell gab. Dieser Entwurf von Fritz Melis führte zu Diskussionen über Kunst und Kunstverständnis, zu einem geplanten Wettbewerb und schließlich zur heutigen Plastik, die die Bildhauerin Hanne Schorp-Pflumm gestaltet hat. Lange zuvor diskutierten die Kirchheimer aber auch in der Zeitung, ob nun „Schweinemarkt“ der richtige Begriff sei oder ob man nicht besser den vermeintlich schwäbischeren Begriff „Saumarkt“ verwenden solle. Der Diskussionen um den Schweinemarkt gibt es also mehr als genug.

Sehr lange fand der eigentliche Schweinemarkt dort ohnehin nicht statt: Erst 1894 war er von der nahegelegenen Schlierbacher Straße an den Platz auf dem aufgefüllten Stadtgraben verlegt worden. Keine 75 Jahre später – am 31. Dezember 1968 – schreibt der Teckbote bereits: „Zwischen Alleen- und Turmstraße treffen sich längst nicht mehr Händler und Bauern zum Geschäft.“ Der einzige, den es noch – und jetzt wieder – gibt, das ist der bronzene Bauer. Was er zu den ganzen Diskussionen meint, hat der Teckbote bereits am 2. Januar 1984 definitiv festgestellt: „Er grinst – sitzend und scheinbar doch gelassen über den Dingen stehend.“