Lokales

Der Steinmetz macht sein Material zur Schnecke

Schon an "normalen" Tagen bietet das Beurener Freilichtmuseum Zeitreisen in die Vergangenheit an, die bei den älteren Besuchern auch eine Menge Erinnerungen wach werden lassen. Wenn dann Vorführungen alter Handwerkstechniken dazukommen wie beim gestrigen Museumsfest , steigert sich der Erlebniswert noch zusätzlich.

ANDREAS VOLZ

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BEUREN Außer den Blumen sind auch die Schmetterlinge Symbole für die Farbenpracht des Sommers. Passend zur Jahreszeit stellten daher die Klöpplerinnen gestern im Häslacher Rathaus unter anderem bunte Spitzen-Schmetterlinge her. In der Pädagogikscheuer waren ebenfalls prächtige Schmetterlinge zu bestaunen hergestellt von der Töpferin, unter deren Anleitung sich auch Kinder im Fabrizieren von Tonware üben konnten.

Dass nicht nur Klappern zum Handwerk gehört, sondern häufig auch das richtige Feuer, zeigte sich sowohl in der Töpferei als auch nebenan beim Schmied mit seiner mobilen Feldesse. Mit einem fußbetriebenen Blasebalg fachte er immer wieder das Feuer an, um seinen Zuschauern die Bedeutung eines Sprichworts deutlich vor Augen führen zu können: "Man soll das Eisen schmieden, solange es heiß ist." So entstanden auf seinem Amboss kunsthandwerkliche Gegenstände, beispielsweise kleine Hufeisen als Amulette.

Andere kleine Gegenstände produzierte der Drechsler, wobei er die Energie, die für sein Handwerk nötig ist, ebenfalls durch Fußbetrieb selbst erzeugte. Bei ihm drehte sich das Werkstück nicht nur während der Bearbeitung, sondern auch im Endzustand bei richtiger Handhabung: Außer Würfelspielen fanden vor allem Kreisel ihre Käufer, allen voran die Besonderheit des "Umkehrkreisels", der sich während der Rotation auf den Kopf stellt.

Auch für eine wichtige Frauenarbeit stellte der Drechsler einst das Handwerkszeug her: das Spinnrad. Gesponnen wurde gestern im Beurener Freilichtmuseum ebenso wie gestickt und gewoben. Während Sticken und Occhi im Schafstall nicht unbedingt am passenden Ort untergebracht waren, saß die Weberin ganz stilecht in der Dunk des Laichinger Weberhauses. Die Geschirrtücher, die sie herstellte, zeichneten sich durch ein handwerkliches Qualitätsmerkmal aus, das heutzutage kaum mehr zu finden ist: die Webkante. Die Tücher sind also nur oben und unten gesäumt.

Filigrane Handwerkstechnik gab es auch beim Kerbschnitzer zu bewundern, der vorführte, wie man Holzverzierungen anfertigt. Der Steinmetz ging nicht weniger sorgfältig mit seinem Material um, aus dem er unweit vom Schneckengarten im Albdorf eine Schnecke herausmeißelte. Vor dem Ausgedinghaus aus Aichelau war auch noch Platz für die Zimmerleute, die besonders alte Handwerkstechniken vorführten. Mit der Schindelmaschine, die vor allem mit dem Körpergewicht des Handwerkers arbeitet, stellten sie Holzschindeln her, mit dem Breitbeil behauten sie Balken und mit speziellen Bohrern machten sie aus Fichtenstämmen Wasserrohre. Inzwischen werden solche Produkte entweder maschinell erzeugt oder aber sie sind gar nicht mehr aus Holz. Hölzerne Dachrinnen beispielsweise werden im Landkreis Esslingen wohl kaum mehr außerhalb des Freilichtmuseums montiert.

Bei so viel Arbeit bekamen die Besucher des Museumsfests selbst beim Zuschauen irgendwann Hunger. Auch in diesem Fall wussten die Mitglieder des Fördervereins Freilichtmuseum, die das Fest veranstalteten, Abhilfe zu schaffen: Den ganzen Tag über rauchte der Kamin im Backhaus aus Sulzgries, um die Museumsgäste immer wieder mit frischen und leckeren Köstlichkeiten zu versorgen.

Schließlich mussten sich ja auch die Lebensweisheiten des Bürstenmannes in der Praxis bewähren. Während er mit seinem Bauchladen Gemüsebürsten, Topfbürsten, Gallseife und seinen "original patentierten Kammputzer" feilbot, geizte er nicht mit Sprüchen, die ihm einst sein Lehrer beigebracht hatte: "Schönheit und Geld vergeht", habe der immer gesagt und seinen Schülern dann geraten, sich lieber nach einer guten Köchin umzusehen.