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Der Tank passt in die Ersatzradmulde

Den Liter Treibstoff für 65 Cent, welcher Autofahrer träumt davon nicht angesichts der hohen Spritpreise. So viel kostet aktuell ein Liter Flüssiggas, auch Autogas genannt. Eine bedenkenswerte Alternative zu Benzin also, denn technisch sei die Umrüstung kein Problem, sagen die Experten.

HENRIK SAUER

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NÜRTINGEN Für Alfred Hiller, den Pressesprecher der Kfz-Innung Nürtingen-Kirchheim, ist Autogas aus Umwelt-Gesichtspunkten die sauberste Art Auto zu fahren. Einziges Manko: Die Zahl der Tankstellen, die Flüssiggas anbieten, hält sich noch in Grenzen. In Nürtingen wurde diesbezüglich eine Lücke geschlossen. Seit kurzem bietet Auto-Deininger Autogas an.

Aber nicht nur die Zahl der Tankstellen, auch die Zahl der Autos, die mit einem Flüssiggas-Tank ausgestattet sind, ist noch sehr überschaubar. Im Landkreis Esslingen sind aktuell 66 Fahrzeuge zugelassen, die kombiniert mit Benzin oder Flüssiggas betrieben werden können. 18 Fahrzeuge im Kreis fahren nach Auskunft des Landratsamts ausschließlich mit Flüssiggas.

Für Gerhard Deininger war gerade dies der Hauptgrund, eine Flüssiggas-Tankstelle zu eröffnen. Er bietet ab sofort auch den entsprechenden Umbau der Fahrzeuge an. "Das ist wie die Frage, was zuerst da war, die Henne oder das Ei. Den Umbau kann ich nur anbieten, wenn der Kunde anschließend auch tanken kann."

Auch Alfred Hiller begrüßt die Einrichtung einer Flüssiggas-Tankstelle in Nürtingen: "Es ist gut, dass das einer wagt." Flüssiggas ist ein Kohlenwasserstoff mit hohem Energiegehalt, der schadstoffarm verbrennt. "Es gibt keinen saubereren Treibstoff", sagt Alfred Hiller, und sei von daher "nur zu empfehlen". Mit Flüssiggas betriebene Fahrzeuge hätten die niedrigsten Abgasemissionen und seien nahezu schwefelfrei. Negative Auswirkungen auf die Leistung des Motors gebe es keine eher im Gegenteil. Und auch aus Sicherheitsaspekten gebe es keine Probleme. Die Tanks seien genauso sicher wie die für Benzin oder Diesel.

Eine Umrüstung des Fahrzeugs sei technisch gesehen kein Problem, so Hiller. Rund 2000 Euro, je nach Modell, müsse berappen, wer sein Auto auf Flüssiggas umstellen will. Dafür fährt er aber deutlich günstiger. Bis 2009 ist die verminderte Mineralölsteuer für Autogas festgeschrieben. Bei einer Fahrleistung von 15 000 Kilometern ließen sich so rund 750 Euro im Jahr einsparen, rechnet Gerhard Deininger vor.

Für den Umbau geeignet seien fast alle herkömmlichen Ottomotoren. Dieselmotoren allerdings könnten nicht umgerüstet werden. Der Flüssiggastank wird im Kofferraum installiert, dort, wo normalerweise das Ersatzrad seinen Platz hat. Auf das muss man dann zwar verzichten, hat aber sonst praktisch keinen Platzverlust im Laderaum durch den Tank. Auch Unterflur-Montagen sind möglich, aber momentan noch die Ausnahme.

Im Vergleich zu Erdgas 106 Autos im Landkreis Esslingen sind derzeit mit Erdgasbetrieb zugelassen schneide das Flüssiggas besser ab. Neben der einfacheren Umrüstung benötige Erdgas durch den hohen Druck zylindrische und damit größere Tanks. Auch sei Erdgas momentan nicht so rentabel wie Flüssiggas und lohne sich nur bei großer Fahrleistung.

Nicht einig sind sich die Experten allerdings, ob der Verbrauch bei Flüssiggas höher ist als beim Benziner. Von 15 bis 30 Prozent, je nach Fahrstil, bis gar nicht reichen die Einschätzungen. Hier hilft wohl nur ausprobieren. Durch den kombinierten Antrieb Benzin/Flüssiggas die Umschaltung erfolgt automatisch, wenn der Gastank leer ist hat man aber auf jeden Fall eine viel größere Reichweite. Und braucht sich nicht zu sorgen, wenn der Gastank leer und keine Tankstelle in der Nähe ist. Rund 1000 öffentlich zugängliche Flüssiggas-Tankstellen gibt es bundesweit laut Deutschem Flüssiggas-Verband. Europaweit sind es zirka 18 000. In unserem Raum findet man Flüssiggas-Tankstellen außer in Nürtingen noch in Reutlingen, Plochingen, Denkendorf und Ebersbach.