Lokales

Der Traum von "venezianischen Gartenfesten" an der Lauter

"Nachverdichtung" heißt nicht nur, dass innerstädtisch jedes Fleckchen bebaut wird. "Nachverdichtung" bedeutet gemäß der Definition durch Kirchheims Planungsamtsleiter Dr. Oediger auch, dass auf freien Flächen gezielt Grün angelegt wird. In den Herrschaftsgärten bietet sich nun die Chance zu innenstadtnaher "grüner Infrastruktur".

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Mit der im Gemeinderat vorgestellten "Rahmenplanung Herrschaftsgärten" blickten Verwaltung und Gremium weit in die Zukunft. "Hier geht es um einen Horizont von 15 bis 20 Jahren", erläuterte Dr. Hermann-Lambert Oediger. Anlässe für eine weitreichende Rahmenplanung im Areal südwestlich der Innenstadt gegenüber dem Schloss gibt es genug. So stehen beispielsweise durch den Auszug des Pädagogischen Fachseminars Räume leer. Der Alleenschule fehlt Schulhoffläche, die Sporthalle Stadtmitte braucht zusätzliche Stellplätze. Zwischen Innenstadt und Bahnhof soll einmal ein Fußweg durch das Gebiet führen, und zu guter Letzt stellt auch die derzeitige Nutzung des Riethmüller-Areals eine Interims-Lösung dar.

Dr. Oediger erläuterte die planerischen Überlegungen, die an die historische Bedeutung der "Herrschaftsgärten" anknüpfen. Wesentliches Kennzeichen ist die Schaffung einer Grünfläche zwischen Alleenstraße und Lauter. Weiter könnten die Freiflächen der Schule nach Norden erweitert werden. Bei der Sporthalle sollte dann die Parkierung nach Nordwesten eine Ausdehnung erfahren. Im Zentrum könnte eine Art Mischgebiet oder ein besonderes Wohngebiet entstehen.

"Es handelt sich zunächst um eine Weichenstellung", erläuterte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, dass noch keine konkreten Schritte anstehen. Für diese Weichenstellung gab es schon mal eine ganze Menge Lob im Rund. Von einer "guten Kombination" sprach Peter Bodo Schöllkopf von der SPD. Sein Fraktionskollege Andreas Kenner schwärmte gar von literarisch überlieferten "venezianischen Gartenfesten" entlang der Lauter und lobte die Qualitäten des "historisch interessanten Areals".

Ulrich Kübler von den Freien Wählern bezeichnete die langfristige Planung als Beispiel für "generationsübergreifendes Denken". Er kündigte eine kritische Begleitung des Projekts an. Während die Herrschaftsgärten einst wohl mit dem Schweiß der Untertanen angelegt worden seien, müsste heute dafür wohl tief in die Tasche gegriffen werden. "Nice to have", lautete auch der Kommentar von CDU-Mann Mathias Waggershauser. Er freue sich grundsätzlich, dass an solch einem geschichtsträchtigen Ort Möglichkeiten der Entwicklung gegeben seien.

Birgit Müller von der Frauenliste hob besonders den geplanten Grünstreifen zwischen Alleenstraße und Lauter hervor und befürwortete auch die Erweiterung des Grundschul-Pausenhofs. Sie griff die Wortwahl des Planers auf und bilanzierte, "grüne Infrastruktur" täte der Kirchheimer Innenstadt gut. Karl-Heinz Schöllkopf von der Grünen Alternative freute sich, dass gegenüber dem Schloss die "Stadt der Bäche" zum Vorschein kommen werde. Auch die charakteristische Topografie könnte hier erlebbar werden.

Angesichts der verkehrsgünstigen Lage am Innenstadtrand, gleichzeitig in künftiger S-Bahn-Nähe, aber auch mit Individualverkehr gut zu erreichen konnte sich Bernhard Most (FDP/KIBÜ) im Innenbereich der Herrschaftsgärten durchaus auch Bebauung vorstellen. Auch für eine Art Dienstleistungszentrum dürfte der Platz interessant sein.

Mit großer Mehrheit stimmte das Kirchheimer Ratsgremium abschließend der langfristigen Rahmenplanung zu.