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Der Verbraucher hatdie Profite zu mehren ...

Der Verbraucher hatdie Profite zu mehren

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Der neue Verbraucherschutzminister, Herr Seehofer, hat beim "Gammelfleisch-Skandal" vor einigen Wochen tüchtig die Backen aufgeblasen und der Verbraucher glaubte seine Interessen bei ihm in den besten Händen. Da haben wir uns als Verbraucher wohl zu früh gefreut.

Seine neuesten Äußerungen lassen befürchten, dass es sich eher den global agierenden Agro-Konzernen verbunden fühlt. Anders können seine nebulösen Äußerungen nicht verstanden werden, wonach die "Bevorzugung der Öko-Bauern" eingestellt werden müsse. Eine solche Bevorzugung war schon bislang nicht zu erkennen. Oder meint der Minister etwa, dass die Öko-Bauern keine höheren Preise für ihre Produkte verlangen dürften als diejenigen Bauern, die mit Insektiziden, Pestiziden und Kunstdüngereinsatz Super-Kartoffeln und Turbo-Säue erzeugen?

Dies würde immerhin den Jubel verständlich machen, mit dem Bauernpräsident Sonnleitner die Berufung von Horst Seehofer zum Verbraucherschutz- und Landwirtschaftminister begrüßte.

"Die Zukunft der Landwirtschaft liegt in gesunden, naturnahen Produkten, die frei von Belastungen sind", betont Olaf Tschimpke, Präsident des Naturschutzbundes Nabu. Er befürchtet, dass "die derzeit hohen Standards zum Schutz von Mensch und Natur aufgeweicht werden". Das sei eine "Rolle rückwärts", klagt er und verweist auf jüngste Kontrollen, wonach in 54,1 Prozent aller untersuchten Lebensmittel Pestizide gefunden, aber nur acht Prozent der Bioprodukte beanstandet wurden.

Weiter möchte der Minister uns gentechnisch veränderte Pflanzen in den Mund stopfen, obwohl 70 Prozent der Verbraucher derartige Nahrung ablehnen. Auch hier sollen wir wohl unsere neoliberale Lektion lernen, wonach Landwirtschaft nicht dem Menschen dienen soll, sondern der Verbraucher vielmehr die Profite des Agro-Business zu mehren hat. Jochen Findeisen

Pressesprecher ATTAC Nürtingen

Schlaitdorf, Mörikestraße

Wer in trockenen Tüchernsitzt, hat gut reden

Zum Leserbrief "Gute Taten mit dem Geld der Steuerzahler?", im Teckboten vom 21. Dezember:

Ich kann Herrn Thilo Rose beruhigen. Weder sein Geldbeutel und der anderer Steuerzahlen wird belastet, wenn ein dauerhaftes Bleiberecht für die Familie Batan doch noch beschlossen werden sollte. Für diese Familie liegen entsprechende Verpflichtungserklärungen vor für den Fall, dass ein finanzieller Notfall eintreten sollte. Außerdem streben drei junge Erwachsene dieser Familie danach, Arbeit zu leisten oder stehen schon im Erwerbsleben. Sie werden mit Steuern und Sozialabgaben beispielsweises unser Rentensystem unterstützen.

Nachdem wir so viele Jahre in Schulbildung und so viel Geld in die Zukunft dieser Kinder und Jugendlichen investiert haben, wäre es nicht einsichtig, wenn das Land durch eine Ausweisung auf den Beitrag der jungen Erwachsenen zur Unterstützung unserer Gesellschaft verzichtet, doch wir wollen dazu noch viel Geld für die Abschiebung ausgeben.

Aufmerksame Beobachter konnten bei der Eröffnung des Prozesses gegen den Schriftsteller Orhan Pamuk am 16. Dezember in Istanbul sehen, wie die Menschenrechte in der Türkei eingehalten werden. Mit Fußtritten und Schlägen ins Gesicht wurde der britische EU-Prozessbeobachter Denis Mac Shane, bisher ein langjähriger Verfechter eines EU-Beitritts der Türkei, traktiert trotz Anwesenheit von Presse und Öffentlichkeit. Wie mag es einer abgeschobenen Familie ohne Beistand und Öffentlichkeit ergehen?

Thilo Rose kann sich bei amnesty international erkundigen, wie zum Teil mit kurdischen Abgeschobenen bei ihrer Ankunft in der Türkei umgegangen wird. Offizielle Verlautbarungen der Regierung sind die eine Sache, wie die Umsetzung der Menschenrechte auf den Polizeirevieren tatsächlich erfolgt, ist aber eine andere Sache. Abgeschobene Flüchtlinge beziehungsweise Asylbewerber belasten nicht mehr unsere Kassen, aber meiner Meinung nach unser Gewissen, denn Kinder, die hier geboren und aufgewachsen sind, haben ein Recht auf Heimat.

Ursula Raichle

Dettingen, Bosslerstraße

Die Partei verliert dieGefolgschaft der Besten

Offener Brief wegen der drohenden Abschiebung einer kurdischen Familie aus Wendlingen an Ministerpräsident Oettinger:

Weil ein Regierungschef letztendlich die Verantwortung für alles trägt, was in seinem Land geschieht, sollten Sie, Herr Ministerpräsident Oettinger, darüber informiert sein, wie sich Menschen in Wendlingen, Nürtingen und Kirchheim mit der drohenden Abschiebung der kurdischen Familie Batan, die seit 18 Jahren in Wendlingen lebt, auseinandersetzen.

Aus den beigefügten Unterlagen geht hervor, dass Menschen mit sozialem Empfinden ebenso wie Menschen mit christlichen Wertvorstellungen, sozusagen "das Gewissen der Gesellschaft", das Handeln der Behörden nicht mehr nachvollziehen können und aufbegehren. Das Vorgehen der Behörden wird als stur, hart, unmenschlich und grausam angesehen. Mit Befremden wird ein Widerspruch gesehen zwischen der Ehrung von ehrenamtlichen Helfern für ihre Integrationsbemühungen für Flüchtlinge und ausländische Mitbürger und der Vernichtung dieser Investitionen und Bemühungen in die Erziehung und Bildung der inzwischen herangewachsenen Kinder, die nun ihrerseits ihren Beitrag für die Gesellschaft leisten können.

Weil die Ausschüsse, denen die Anerkennung von sozialer Härte übertragen wurden, politische Vorgaben erfüllen müssen, sind Sie als "Landesvater" gefordert, ein Zeichen der Hoffnung zu setzen, indem Sie sich für das Aufenthaltsrecht der Familie Batan und um ein Umdenken der CDU gegenüber den übrigen rund 500 Härtefällen langjähriger integrierter von Sozialhilfe nicht abhängiger Asylbewerber in Baden-Württemberg einsetzen. Diese Familien belasten nicht unsere Kassen, sondern unser Gewissen und unser moralisches Ansehen.

Franziska Schwarzer

Wendlingen, Burggartenstraße

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