Lokales

Der Weg vom Fluss bis zum Trinkwasser im Haushalt

Wasser ist in unseren Regionen eine Selbstverständlichkeit. Hahnen auf und das kostbare Nass läuft in die Badewanne oder aus der Dusche oder aber die Hausfrau will ihren Salat waschen. Dass das alles nicht so ganz selbstverständlich ist erkundete jüngst eine Delegation Kirchheimer Gemeinderäte und Verwaltungsmitarbeiter in Langenau am Rande des Donauriedes der Zentrale der Landeswasserversorgung.

RUDOLF STÄBLER

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LANGENAU Im Archiv geblättert hat Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker vor der Fahrt über die Alb und mit dem Gefundenen erinnerte sie an die Zeiten, als man den Wasserhahn noch nicht öffnen konnten. So berichtete sie über Brunnen, Bäche, die durch die Stadt flossen und für das notwendige Wasser sorgten oder in Trockenzeiten auch nicht. Von Gesundheitsgefährung war zu hören und von den ersten Versuchen Grund- und Bachwasser zu fassen und den ersten "Wasserwerken" zuzuführen.

Ein entscheidender Schritt zur Stabilisierung der Wasserversorgung war dann die Karstgrundwasserschließung bei Blaubeuren. Zur Sicherung des lebensnotwendigen Nass, erinnerte Matt-Heidecker, sei dann für das Gebiet zwischen Blaubeuren, Oberlenningen, Kirchheim, Wendlingen und Altbach im Jahr 1955 der "Zweckverband Wasserversorgung Blau-Lauter-Gruppe" gegründet worden. Knapp 40 Jahre danach fusionierte die Blau-Lauter-Gruppe am 1. Januar 1994 mit der Landeswasserversorgung. Heute werden die drei zwischen Blaubeuren und Gerhausen gelegenen Tiefbrunnen sowie das Förderwerk von der Stadt Blaubeuren, der Albwasserversorgungsgruppe III und der Landeswasserversorgung betrieben.

Über eine Druckleitung wird das Trinkwasser aus dem Blautal rund 340 Meter hoch auf die Schwäbische Alb gefördert und anschließend über ein weitverzweigtes Leitungsnetz im dichtbesiedelten Albvorland verteilt. Zur Deckung des Wasserbedarfs der angeschlossenen Städte und Gemeinden bezog die Blau-Lauter-Gruppe bereits seit vielen Jahren zusätzlich zur Eigenwassergewinnung Fernwasser von der Landeswasserversorgung und von der Bodensee-Wasserversorgung.

Geschichtliches war bei der Führung durch die großzügigen Anlagen in Langenau zunächst auch zu hören. Zur Umsetzung des zukunftsweisenden Planes des "Königlichen Bauamtes für das öffentliche Wasserversorgungswesen" aus dem Jahr 1909 für eine erste großräumige Trinkwasserversorgung in Württemberg gründete König Wilhelm der II. von Württemberg im Jahr 1912 die staatliche Landeswasserversorgung. Sie wurde 53 Jahre lang als landeseigenes Unternehmen betrieben.

Erst im Jahr 1965 wurde der schon im Gründungsgesetz erteilte Auftrag erfüllt; die Landeswasserversorgung wurde in einen selbstständigen kommunalen Zweckverband überführt. Seit dieser Zeit sind die Verbandsmitglieder der Landeswasserversorgung nicht nur Kunden, sondern auch Eigentümer des Wasserversorgungsunternehmens.

Angesichts der Verknüpfung von Nutzern und Kapitalgebern versteht es sich von selbst, dass das wirtschaftliche Ziel des Zweckverbandes nicht die Gewinnerzielung ist, da die Gewinne über den Wasserpreis von denselben Kommunen bezahlt werden müssten. Auch aus diesem Grund werden die Umlagen, also die Wasserpreise, der Landeswasserversorgung auf der Basis der Selbstkosten ganz ohne Gewinnerzielung kalkuliert. Dies wirkt sich für den Kunden als Preisvorteil aus.

Auch über den Wasserverbrauch war in der Langenauer Zentrale einiges zu erfahren. Weniger als ein Drittel des jährlichen Wasserdargebotes in Deutschland, eine Menge von immerhin 48 Milliarden Kubikmeter Wasser, wird durch die Kraftwerke (60%), die Industrie (23%), die öffentliche Wasserversorgung (14%) und die Landwirtschaft (3%) genutzt. Der Anteil der öffentlichen Wasserversorgung für die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung liegt damit bei nur rund 3% der insgesamt zur Verfügung stehenden Wassermenge.

Täglich rund 129 Liter Trinkwasser, dies entspricht einer Badewannenfüllung, braucht nach den Berechnungen der "Wasserspezialisten" in Langenau, heute durchschnittlich jeder Einwohner in Deutschland. Zum Kochen und Trinken sind es drei bis sieben Liter, der weitaus größere Teil wird für die Hygiene (Baden, Duschen, Körperpflege, Toilettenspülung, Wäschewaschen und anderes mehr) genutzt. Bereits seit einigen Jahren ist der Wasserbedarf der Haushalte rückläufig, weil aus einer Vielzahl von Gründen bewusster und sparsamer mit dem kostbaren Nass umgegangen wird. Bei einer Einwohnerzahl Deutschlands von rund 80,3 Millionen ergibt dies einen täglichen Trinkwasserverbrauch von rund 10,4 Millionen Kubikmetern. Da man auch in Langenau gerne mit "Bildern" arbeitet: Dies entspricht einem Kesselwagen-Güterzug mit einer Länge von rund 1 900 Kilometern, der Entfernung von Stuttgart nach Madrid.

Karstquellwasser und Donauwasser versetzten Langenau in die Lage die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Die Anlagen zur Gewinnung von Trinkwasser aus der Donau bestehen im Einzelnen aus einem Rohwasserpumpwerk, welches das Wasser direkt aus dem Fluss entnimmt, einer Druckleitung vom Pumpwerk zum Wasserwerk in Langenau und den Aufbereitungsanlagen im Wasserwerk. In Spitzenzeiten können bis zu 2300 Liter Donauwasser pro Sekunde zu Trinkwasser aufbereitet werden.

Das Verfahren zur Trinkwassergewinnung aus der Donau wurde in langjährigen Versuchen erforscht und optimiert. Es besteht aus sechs Verfahrensschritten: Vorreinigungsanlage zur Entfernung von Trüb- und Huminstoffen aus dem Flusswasser; Bioreaktor zur bedarfsweisen Entfernung von Ammonium; Ozonanlage zur oxidativen Entfernung von Geschmacks- und Geruchsstoffen und zur Desinfektion des Wassers; Flockungsfiltration über Zweischichtfilter (Hydroanthrazit, Sand) zur Entfernung der verbliebenen Schwebstoffe; Aktivkohlefilteranlage zur Entfernung von organischen Schadstoffen in geringsten Konzentrationen; Desinfektion des Trinkwassers mit Chlordioxid zur Vermeidung der Gefahr einer Wiederverkeimung des Trinkwassers auf dem Weg zum Kunden.

Leitungsnetz als RückgratDie Verbandsmitglieder der Landeswasserversorgung werden über ein 770 Kilometer langes Leitungsnetz mit Trinkwasser versorgt. Das Fernleitungsnetz gliedert sich in vier Hauptleitungen, die einen Durchmesser bis zu 1,50 Meter aufweisen und in zahlreiche Zubringerleitungen, welche einen Durchmesser von bis zu 0,70 Meter haben. Das Leitungsnetz ermöglicht eine maximale Förderleistung von rund 6500 Litern pro Sekunde beziehungsweise von rund 450 000 Kubikmetern pro Tag.

Ein wichtiger Bestandteil des Fernleitungsnetzes sind die 33 Wasserbehälter mit einem Speichervolumen von rund 400 000 Kubikmetern. Sie dienen in erster Linie der Versorgungs- und Betriebssicherheit, da sie Abgabeschwankungen ausgleichen, einen wirtschaftlichen Anlagenbetrieb ermöglichen und damit die Leistungsfähigkeit der Trinkwasserversorgung im Gebiet der Landeswasserversorgung steigern.

Mit der bis zum Jahr 1998 modernisierten Zentralsteuerung sind heute alle Anlagen im Leitungsnetz der Landeswasserversorgung, von den Gewinnungsanlagen bis zu den Endbehältern, automatisiert.