Lokales

Der Weg von der Idee zum Film

Wie „Das Lied in mir“ entstand – Gespräch mit Filmproduzent Fabian Maubach

Er ist weder abgehoben noch eitel. Am Donnerstagabend ist der Produzent des Filmes „Das Lied in mir“, Fabian Maubach, eigens von Berlin eingeflogen, um bei der Filmnacht der Kreissparkasse im Rahmen des Sommernachtskinos über ­seinen Überraschungserfolg zu plaudern.

Produzent Fabian Maubach (Zweiter von rechts) im Gespräch mit KSK-Pressesprecher Ulrich Unger (rechts) sowie Otto Roth und Dietm
Produzent Fabian Maubach (Zweiter von rechts) im Gespräch mit KSK-Pressesprecher Ulrich Unger (rechts) sowie Otto Roth und Dietmar Ederle, Regionalbereichsleiter der KSK Kirchheim.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. So müssen Sommernachtskino-Abende aussehen. Bes­tes Hochsommerwetter, ein volles „Haus“ und ein Publikum, das die fast mediterrane Stimmung zwischen Martinskirche und Kornhaus ebenso genoss wie Filmproduzent Fabian Maubach, 31. Und dazu ein cineastisches Werk, das zu Recht viele Preise, auch auf internationaler Bühne, einheimste – „Das Lied in mir“, die Geschichte der 31-jährigen Maria, die feststellt, das ihre Eltern gar nicht ihre leiblichen Eltern sind und sich nach einem Déjà-vu-Erlebnis im Flughafen von Buenos Aires auf die Suche nach ihrer wahren Identität macht.

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Wie kam‘s zu diesem Film, dem Regiedebüt von Florian Cossen, der auch das Drehbuch schrieb? 2006 kam Cossen aus Argentinien zurück und erzählte seinem Freund Fabian Maubach von der Idee, einen Film über die in der Militärdiktatur verschwundenen Kinder machen zu wollen. „Ich habe an diese Idee geglaubt, sonst hätte ich den Film nicht machen können“, sagte Maubach. Drei Jahre danach stand das Drehbuch. Das gefiel einem argentinischen Castingdirektor so gut, dass er sechs Wochen lang nach den passenden 30 Schauspielern suchte, die später Marias argentinische Familie spielten. Gedreht wurde in dem südamerikanischen Land.

Dennoch ist Marias Geschichte keine Dokumentation über die argentinische Militärdiktatur der 1970er. „Die Argentinier kennen ihr Land und dessen Geschichte. Wir wollten deshalb der Frage nachgehen, was passiert, wenn derjenige, der 30 Jahre lang gut zu dir ist, dich 30 Jahre lang belogen hat.“ Der Konflikt zwischen Maria (Jessica Schwarz) und ihrem Vater (Michael Gwisdek) ist kein klassischer Ablösungskonflikt, wie er in jeder Familie vorkommen kann, sondern berührt vielmehr die viel tiefer gehende Frage „Was macht mich aus? Die leiblichen Eltern oder die ideellen? Der leibliche Vater oder der ideelle?

Und was macht einen Produzenten aus? „Ein Produzent erhält Drehbücher, hört sich Filmideen an oder hat selbst welche und versucht das Geld aufzutreiben, um einen Film überhaupt realisieren zu können“, beschrieb Fabian Maubach seine nicht immer leichte Arbeit. So kauften etwa der Bayrische Rundfunk und der SWR die Rechte ein, den Film in ihren Programmen nach dem Start zeigen zu dürfen. Auch Kinoverleiher müssen gewonnen und die Filmförderung überzeugt werden.

Steht die Finanzierung, dann versucht der Produzent, um dieses Budget herum den Film zu machen. Er schaut nach Schauspielern – „möglichst den passenden“ – und nach Drehorten und hat dabei immer das Budget vor Augen. Mit rund 700 000 Euro war „Das Lied in mir“ ein Low-Budget-Film. Ist der Streifen im Kas­ten, so muss der Produzent ihn möglichst werbewirksam „unters Volk bringen“. Deshalb sind zum Beispiel auch Open-Air-Kinos so wichtig, weil schlagartig sehr viele Cineasten erreicht werden können, wie etwa beim Sommernachtskino.

„Der Produzent trägt die finanzielle Verantwortung und ist nicht selten der Überbringer schlechter Nachrichten“, sagte Fabian Maubach. „In die Filmproduktion sollte man nicht gehen, wenn man reich werden will.“

Zunächst waren sich der Producer und seine Mannschaft überhaupt nicht sicher, ob „Das Lied in mir“ beim Publikum ankommen, „funktionieren“ wird. „Die Premiere in Montreal übertraf unsere kühnsten Erwartungen“, sagte der Filmemacher. Inzwischen haben das Drama 155 000 Zuschauer in Kanada, Norwegen, Frankreich, der Schweiz und Deutschland gesehen. Die Frage des KSK-Pressesprechers Ulrich Unger beim Sommernachtskino-Interview, ob er denn angesichts des Erfolgs nicht abgehoben habe, verneinte Maubach. „Der Filmpreis war jenseits aller Vorstellung. Doch der Erfolg gehört dem ganzen Team. Wir haben eng zusammengearbeitet.“ Es habe auch keine Eitelkeiten zwischen Produzent und Regisseur gegeben. „Wir sind Freunde. Ich kenne Florian Cossen schon lange.“

Auf Ulrich Ungers Frage, ob die Filmschmiede Ludwigsburg das deutsche Hollywood wird, meinte Maubach lachend: „Das wird sicher nicht geschehen.“ Die Filmakademie in Ludwigsburg sei sehr praxisbezogen und habe einen „extrem guten Ruf“. Insgesamt erfahre der deutsche Film wieder mehr Aufmerksamkeit.