Lokales

. . . der werfe den ersten Stein

Fast täglich werden wir Zeugen, wie Menschen aus Politik und Wirtschaft mit "Steinen" beworfen werden, manchmal geht es sogar bis zum Rufmord. Ob zu Recht oder zu Unrecht sei noch mal dahingestellt. Natürlich wünschen wir uns, dass Menschen des öffentlichen Lebens auch eine bestimmte Vorbildfunktion wahrnehmen. Leider ist dies nicht immer so klar sichtbar, aber berechtigt uns dies gleich zum "Steinewerfen"? Es fängt ja schon damit an, dass wir mit dem Finger auf andere zeigen, dabei ist es uns gar nicht bewusst, dass drei Finger auf uns selber gerichtet sind. Zurzeit Jesu haben Menschen schon mit Fingern auf andere gezeigt, ja mehr noch, sie haben mit Steinen geworfen.

Im achten Kapitel des Johannesevangeliums wird dies auf dramatische Weise geschildert. Jesus sagt zu den Steinewerfern: "Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein." Erstaunlich die Reaktion: Alle ließen ihre Steine fallen!

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Allen Beteiligten wurde bewusst, auch wir haben keine reine Weste, auch in unserem Leben gibt es Versagen und Schuld, auch wir sind auf die Barmherzigkeit anderer und die Vergebung Gottes angewiesen. Wie kommen wir aber heraus aus dem "Kreislauf des Steinewerfens"? Folgende Geschichte hat mich beeindruckt. Ein Familienvater erzählt: "Wir haben bei uns zu Hause einen Stein auf der Fensterbank, wir nennen ihn den Stein der Weisen. Es ist ein gewöhnlicher Stein und doch ein besonderer. Immer wenn wir in der Familie mal wieder meinten, dass einer einen anderen beschuldigen oder verurteilen wollte wegen offensichtlicher Fehler und Versagen, haben wir den Stein genommen, ihn umgedreht, uns besonnen und ihn dann wieder hingelegt. Auf der Unterseite stehen mit dickem Filzstift die Worte Jesu geschrieben: "Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie!" Wir nehmen den Stein, lassen uns durch die Worte Jesu umstimmen, legen ihn wieder zurück und versöhnen uns." Eine für mich sehr ermutigende Geschichte, die uns zur Nachahmung und zum Praktizieren einlädt.

Der Stein der Weisen im Zusammenleben von Menschen ist der Stein, der nicht geworfen wird. Der andere Stein der Weisen ist die Besinnung auf die vergebende Liebe Jesu, von der auch wir leben dürfen. Der Dichter K. H. Waggerl sagte einmal: "Wer seinen Nächsten verurteilt, der kann irren. Wer ihm verzeiht, der irrt nie." Pfarrer Karlheinz Graf Oberlenningen