Lokales

"Der Wiederaufbau ist eine gewaltige Aufgabe"

Roland Kilgus aus Neckartenzlingen hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Tsunami-Geschädigten in Sri Lanka zu helfen. Bei seinem dritten Einsatz in Sri Lanka wurde er von dem letztjährigen Präsidenten des Lions-Clubs Nürtingen-Kirchheim, Hans-Dieter Gommel und dessen Ehefrau Waldtraud, begleitet.

KIRCHHEIM In dem folgenden Bericht beschreibt Roland Kilgus die Lage in Sri Lanka: "Was erwartet uns in Sri Lanka ein halbes Jahr nach der schrecklichen Naturkatastrophe? Diese Frage stellte sich uns vor der Abreise. Tatsächlich sieht man entlang des Küstenstreifens noch immer viele Zelte, in denen die vom Unglück Betroffenen hausen. Tagsüber ist es jedoch zu heiß, um sich darin aufhalten zu können. Der Regen hat den Boden vor den Zelten aufgeweicht, sodass es schwierig ist, passable hygienische Verhältnisse aufrechtzuerhalten. Nachts fühlen sich die Menschen in den Zelten unsicher und leiden unter den vielen Moskitos. Die Zelte werden nun an mehreren Orten durch Holzhütten mit einem Aluminiumdach ersetzt. Die primitiv gebauten, fensterlosen Häuschen, meist auf dem übrig gebliebenen Fundament des Hauses errichtet, sind sicher besser als die Zelte. Aber sie sind provisorische Unterkünfte, die noch lange Dienst tun müssen.

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In einigen Neubaugebieten wurde jetzt auch mit dem Bau von Steinhäusern begonnen. Es wird jedoch noch lange dauern, bis für alle Geschädigten entsprechende Häuser zur Verfügung stehen. Das Hauptproblem ist dabei die Bereitstellung von kostenlosem Bauland, das die Regierung den betroffenen Familien versprochen hat. Leider geschieht hier wenig und alles dauert recht lange. Es ist wahrlich eine gewaltige organisatorische Aufgabe für die Behörden, die häufig überfordert sind.

Das "Ceylon German Technical Training Institute" (CGTTI) ist die Partnerschule der Gewerblichen Schule Metzingen. Nachdem wir bei unserem zweiten Einsatz nach dem Tsunami im April 2005 unser erstes von Lehrlingen und Lehrern des CGTTI gebautes Häuschen einweihen und dem Lehrling Fernando übergeben konnten, gestaltete sich der Bau weiterer Häuser wesentlich schwieriger. Die zerstörten Häuser der anderen Mitarbeiter befinden sich bis zu fünf Autostunden von der Schule in Moratuwa, einem Vorort Colombos, entfernt. Dadurch ist es nicht möglich, die zerstörten Häuser mit der Hilfe von Lehrlingen und Lehrern wieder aufzubauen.

Sofern sich die Häuser im Sperrgürtel in einem Abstand zum Meer von weniger als 100 Meter befinden, hat der Staat verboten, die Häuser dort wieder aufzubauen. Für diese Familien sollte Staatsland zur Verfügung gestellt werden. Aber wie oben beschrieben, ist das ein aufwändiges und sehr langwieriges Geschäft. Da kam uns ein glücklicher Umstand zu Hilfe. Auf dem privaten Immobilienmarkt werden immer wieder einzelne Häuser angeboten. Wir fanden heraus, dass diese relativ kostengünstig sind. Auf diese Weise konnten wir vor dem Notar zwei Hauskäufe zum Abschluss bringen. Das erste Haus bekam der Angestellte Thilakarathe vom CGTTI, das zweite wurde auf den Lehrling N.F.G. Fernando eingeschrieben. Leider kam durch den kurzfristigen Rückzug eines Verkäufers ein weiterer Hauskauf nicht mehr zu Stande. Dafür wurde für die verarmte Fischerfamilie Peiris ein Traum wahr. Sie können in den nächsten Tagen ein Häuschen in Aluthgama an der Westküste Sri Lankas beziehen.

Unser Ziel war von Anbeginn, dass unsere Hilfe langfristig und nachhaltig sein soll. Vier Familien von Auszubildenden hatten durch die Überschwemmungen die Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, verloren. Deshalb wollten wir ihnen helfen, wieder eine eigene Existenz aufzubauen, damit sie nicht mehr von Hilfeleistungen anderer abhängig sein mussten. Wir hatten sie gebeten, für die notwendig benötigten Maschinen und Geräte Angebote einzuholen. Daraufhin wurde mit ihnen zusammen eingekauft. Dies war ein aufregendes, fast abenteuerliches Unterfangen in Hinterhofläden, in denen gewöhnlich keine Touristen zu finden sind. Wir waren einem Kulturschock nahe, als wir auf dem Fischmarkt stundenlang in sengender Hitze und bei orientalischen Gerüchen auf die bestellten Netze, Angeln und sonstiges Zubehör warten mussten. Aber am Ende dieses denkwürdigen Tages hatten wir einen Schneider, einen Fischer, einen Schweißer und einen Kfz-Mechaniker und ihre jeweiligen Familien glücklich gemacht. Schon nach wenigen Tagen konnten sie ihr Geschäft wieder eröffnen und stehen nun wieder auf eigenen Füßen."