Lokales

Der Wille ist da, jetzt müssen die Mittel fließen

Erfreut nahmen's nicht nur die betroffenen Schulleiter zur Kenntnis: Schleunigst sollen nach dem Willen des Kirchheimer Gemeinderates an zwei Schulen Ganztagesangebote entstehen. Allerdings unter der Voraussetzung, dass die begehrten "IZBB-Mittel" aus der Kasse des Bundes fließen.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Bis Ende Januar 2005 läuft die Antragsfrist für Mittel aus dem "Investitionsprogramm Zukunft Bildung und Betreuung" (IZBB) für den Ausbau von Ganztagesschulen. Doch in Wahrheit tickt die Uhr längst. "Die Gelder sind weitgehend abgefragt", teilte Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker im Ratsrund mit. Umgehend war die Verwaltung daher beim Oberschulamt vorstellig geworden. Im Gepäck: Entsprechende Konzeptionen der Konrad-Widerholt-Grund- und Förderschule sowie der Alleenschule im Grundschulbereich.

Die Alleenschule ist als "Brennpunktschule" anerkannt. Im Hauptschulbereich wird sie seit zehn Jahren als Ganztagesschule geführt. Dort existiert auch Schulsozialarbeit. "Wir halten den Bedarf ganz klar auch im Grundschulbereich für gegeben, können dies aber im Moment nicht vorschlagen", machte Matt-Heidecker klar. In greifbare Nähe ist immerhin die Ganztagesbetreuung gerückt. Würde auch die Konrad-Widerholt-Grund- und Förderschule mit einem entsprechenden Angebot ausgestattet, wäre räumlich das gesamte Stadtgebiet abgedeckt.

Damit könnte Realität werden, was die jeweiligen Schulleiter seit Jahren umtreibt. "Wir haben längst konkrete Vorstellungen, wie so eine Betreuung aussehen müsste", schilderte Schulleiter Neugebauer auf Nachfrage des Teckboten, dass das Team an den KW-Schulen sozusagen in den Startlöchern steht. Auch sein Kollege Uwe Häfele von der Alleenschule hofft jetzt auf die notwendigen Rahmenbedingungen und die Möglichkeit, auch im Grundschulbereich die fraglos notwendige Schulsozialarbeit anbieten zu können. Beide zeigten sich erfreut über die einstimmig erfolgte Entscheidung des Gemeinderats, die Ganztagsprojekte anzustoßen.

In Zusammenarbeit mit der Verwaltung hatten die Schulleiter bereits über räumliche Erfordernisse nachgedacht. Beim Oberschulamt wurde für die Alleenschule nun die Bezuschussung eines Einrichtungs- und Renovierungaufwands von 100 000 Euro beantragt. Verzichtet wurde auf die Beantragung eines Zuschusses für eine bauliche Erweiterung, die das pädagogische Konzept der Schule jedoch durchaus vorsieht. Der bauliche Gesamtaufwand bei den KW-Schulen liegt bei knapp über einer Million Euro, ausgegangen wird von einem Zuschuss in Höhe von über 730 000 Euro. Durch die Kooperation von Förder- und Grundschule sind Doppelnutzungen möglich.

"Wir müssen schauen, dass wir diese beiden Schulen auf den Weg bringen", drückte der CDU-Vorsitzende Helmut Kapp aufs Tempo. Ralf Gerber (Freie Wähler) lobte die Konzeptionen der beiden Schulen und bedauerte andererseits, dass es nicht schon längst ein entsprechendes Gesamtkonzept zur Ganztagesbetreuung in Kirchheim gebe. Für seine Fraktion signalisierte er Zustimmung, um die erhofften Mittel nicht verfallen zu lassen. An die Adresse der Berliner Regierung machte er seinem Ärger Luft. Dort werde Geld für Baumaßnahmen gestreut, die Kosten für die Betreuung müssten jedoch vor Ort geschultert werden. Dies berge das Risiko, dass "aus Kinderbetreuung schnell Kinderverwahrung" werde. Auch FDP-Mann Bernhard Most gab zu bedenken: "Zuschüsse sind die eine Seite, Folgekosten die andere."

Zustimmung signalisierte Christoph Tangl für die Grünen Alternativen, allerdings zähneknirschend im Hinblick auf die Schulsozialarbeit, die wohl an der Alleenschule auf den Hauptschulbereich beschränkt bleiben muss: "Unser Ansatz besagt, dass Schulsozialarbeit eigentlich überall geleistet werden müsste", stellte er klar. "Wenn wir jetzt nicht Mittel gezielt einsetzen, galoppieren uns später die Kosten davon", brachte SPD-Frau Janine Eick die Befürchtungen im Rund auf den Punkt, lobte die vorliegenden Konzepte und schloss mit dem Appell: "Alle müssen in Sachen Schulplanung an einem Strang ziehen."

Über organisatorische Details und die entsprechenden Weichenstellungen zur Einrichtung des Ganztagesbetriebs ab dem Schuljahr 2006/2007 werden sich Verwaltung und Schulverantwortliche jetzt die Köpfe zerbrechen.