Lokales

Der Zeitrahmen ist eng

Tragische Unfälle, Gewalttaten und Katastrophen erschüttern uns. Immer wieder erreichen uns Nachrichten über Gewalt im Irak, mit Attentaten auch gegen Moscheen. Diese (Un-)taten verursachen Trauer und schüren Hass. In Nigeria haben sich die Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen über Tage hingezogen, mit vielen Opfern und der Zerstörung von Kirchen und Moscheen.

Vor diesem Hintergrund erhält das Lukas-Evangelium scharfe Konturen. Da wird Jesus eine furchtbare Katastrophe gemeldet: Die römische Besatzungsmacht hat wieder gezeigt, wer Herr im Hause ist, wahrscheinlich hatte sie sogar im Tempel selbst zugeschlagen, eine menschliche, politische und religiöse Katastrophe.

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Die Reaktion Jesu überrascht: Kein Wort über die Opfer, keine Trauerroutine, vielmehr wendet er sich in deutlichen Worten an die Lebenden. Zu ihnen spricht er von Sünde und Tod: "Ihr alle werdet genauso umkommen" (LK 13,3). Jesus unterstreicht den Ernst seiner Botschaft durch ein zweites Katastrophenbeispiel, den diesmal unpolitischen Tod von achtzehn Menschen. Auch hier kein Wort des Bedauerns über die Opfer oder Trauer, nein, auch diese Katastrophe ist ein Beispiel für das, was alle erwartet, die nicht umkehren.

Diese Bekehrung soll nicht auf einen späten Termin verschoben werden. Mit dem Gleichnis vom Feigenbaum setzt Jesus seine Zuhörer unter Zeitdruck: "Lass ihn dieses Jahr noch stehen" (Lk 13,8). Der Zeitrahmen wird eng. Ist dieses Evangelium noch zeitgemäß? Ist das nicht mehr Droh- als Frohbotschaft? Tatsächlich werden alle Gut-Menschen und Discount-Christen mit diesem Evangelium Verständnisschwierigkeiten haben. Jesus gibt es nicht billig, seine Erlösungsbotschaft heißt auch Buße und Umkehr. Erlösung besteht nicht darin, dass Sünde einfach abgeschafft wäre, sondern darin, dass die Sünde keine Herrschaft mehr über uns haben muss, wenn wir umkehren.

Erste Schritte dazu sind dreierlei: Beten, zu dem auch das Hören auf die Heilige Schrift gehört, Fasten und Werke der Nächstenliebe. Im Hören auf Gottes Wort wächst unser Glaube an das Evangelium. Die Übungen des Fastens, des Verzichtens und der Buße sowie die geistliche Wachsamkeit fördern die notwendige Reinigung und Reifung unseres Herzens.

Durch Almosen geben und andere Formen tätiger Liebe legen wir Zeugnis ab von der Liebe Christi, der sich für uns und unsere Brüder und Schwestern hingegeben hat. An Aschermittwoch konnten wir die Worte hören, die uns an unsere eigene Vergänglichkeit erinnern: "Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst" (Gen 3,19). Die Erkenntnis unserer Schwachheit und das Festhalten an der Frohbotschaft Christi helfen, in rechter Weise die Fastenzeit zu leben, in der wir uns darauf vorbereiten, an Karfreitag und Ostern die zentralen Geheimnisse unseres Glaubens zu feiern. Nicht aufschieben, der Zeitrahmen ist eng.

Herrmann Ehrensperger

Pfarrer der Sankt Franziskus-

gemeinde Weilheim