Lokales

Der Zuckerhase lebt wieder

Dass das Osterwetter in diesem Jahr so überhaupt nicht mitspielen wollte, wurde allgemein beklagt. Doch stellte ein Besucher des Freilichtmuseums Beuren fest: „Es hat auch seine Vorteile“. Keine Menschenschlangen standen vor der Kasse, wenn auch den „Machern“ für das abwechslungsreiche Osterprogramm ein paar mehr Besucher lieb gewesen wären.

Rudolf stäbler

Beuren. „Rote gibt‘s erst später“. Wer bei diesem Ausspruch an die kleinen Köstlichkeiten vom Grill dachte, der freilich lag völlig falsch. Mit den ­„Roten“ vom Freilichtmuseum waren Zuckerhasen gemeint, deren Herstellung vorgeführt wurde und gerade waren eben die „Hellbraunen“ dran in Formen gegossen zu werden, um wenig später lockend und appetitlich auf dem Verkaufstisch zu stehen. „Langohren“ eben, mal braun, mal rot.

Ein Walddorfer Zuckerbäcker, eigentlich gelernter Koch und Konditor, hat an dieser Arbeit Spaß gefunden und führt die Neugierigen in die hohe Kunst des Zuckerhasenmachens ein. Und er arbeitet an einem Tier, das eindeutig auf der „Roten Liste“ für aussterbende Tierarten steht. Allerdings feierte der Zuckerhase in jüngster Zeit so etwas wie eine Auferstehung. Die Artgenossen aus Schokolade haben sich auf dem Markt breit gemacht und die Zuckrigen damit fast „ausgerottet“. Nicht zuletzt lag dies auch daran, dass seit 1970 keine Gussformen mehr für die zuckrigen Hoppler hergestellt werden und ohne Formen gibt es eben auch keine Hasen mehr und zwar die von der Art: innen hohl, aber zuckersüß.

„Die Roten sind einfach schöner“, findet einer der Zuschauer, aber die „braunen schmecken besser“, kontert schnell der Walddorfer Zuckerbäcker. Den farblichen Unterschied machen eigentlich nur ein paar Tropfen einer Lebensmittelfarbe aus, die bei den Roten in den Sud aus Wasser, Zucker und Glykose geträufelt werden, bevor er, auf 150 Grad erhitzt, im Bauch der Gussformen verschwindet, langsam erstarrt und mit äußerster Vorsicht aus der zwei- bis dreiteiligen Form gelöst werden kann. Nur gut, dass dabei auch einmal einer der Hasen zu Bruch geht. Die kleinen Zuckerstücke sind die idealen „Versucherle“ für die bereitstehenden Kinder. Dass man die Hasen bei trockener Lagerung Jahrelang aufheben kann, das interessierte so recht keinen der Neugierigen. Schlachtfest war angesagt.

Aber auch sonst war einiges geboten im Freilichtmuseum über die Osterfeiertage. Die Landfrauen aus Beuren-Balzholz haben zum Saisonstart den Brunnen am alten Rathaus aus Häslach österlich geschmückt. Mit dem Osterbrunnen wird das Wasser als Quelle des Lebens gewürdigt. Der Osterbrunnen im Freilichtmuseum ist noch bis Sonntag, 30. März, zu sehen. In der guten Stube des alten Rathauses saßen zudem die Frauen und Kinder der Klöppelgruppe des Landfrauenvereins Beuren-Balzholz und zeigten, dass man für dieses kunstvolle Hobby über recht flinke Finger verfügen muss.

Auch wenn es am Ostersonntag nichts wurde mit einer Wetterbesserung, gab es für Kinder von 9 bis 11 Uhr auf dem Gelände des Freilichtmuseums eine Ostereiersuche. Und wer dort nicht so besonders fündig wurde, konnte sich bei Tante Helene in ihrem Lädle mit dem Gewünschten eindecken. Der alte Kolonialwarenladen von 1929 war auch diesmal wieder ein Anziehungspunkt für viele der Besucher.

In der Ferienwoche steht im Beurener Museum noch einiges auf dem Programm. Wie konnte man in vergangenen Jahrhunderten der Nacht entkommen und ein brauchbares Licht entfachen, als Stromanschluss und Glühbirne noch in weiter Ferne lagen? Museumspädagoge Jörg Dehlinger zeigt am Donnerstag, 27. März, bei der Vorführung „Kienspan, Talglicht, Tranfunzel - Licht ins Dunkel bringen“ von 16 bis 18 Uhr, welche Lichtquellen unsere Vorfahren bis zur Erfindung der Petroleumlampe Ende des 18. Jahrhunderts, der Gaslampe Mitte des 19. Jahrhunderts und schließlich der elektrisch betriebenen Glühlampe kannten. Die Lampen waren mehr oder weniger einfach geformte Gefäße aus Ton, Stein oder Metall. Die Form war oft gleich einer flachen Schale, in der Pflanzenöl oder tierisches Fett über einen Docht verbrannt wurde. Solche Lampen und auch Fackeln sind schon aus prähistorischer Zeit bekannt.

Bei der Vorführung werden verschiedene Lichtquellen wie beispielsweise der hölzerne Kienspan, Talg- Öl- und Petroleumlampe, Kerze und Karbidlampe erläutert und vorgeführt. Die Vorführung beginnt mit dem Entfachen eines Feuers, der ersten Form des künstlichen Lichtes, mit Feuerstein, Stahl und Zunder.

Am Samstag, 29. März, findet für alle Pflanzenfreunde und Interessierte im Museum von 13 bis 17 Uhr ein Pflanzenmarkt mit dem Verkauf von Obstbäumen, Staudenpflanzen und Gartenkräutern statt. Der Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine Esslingen pflanzt an diesem Tag zehn neue Streuobstbäume auf dem Museumsgelände .

Zum Abschluss der Ferien führt Fritz Prinz aus Neuffen am Sonntag, 30. März, von 13 bis 17 Uhr einen dieselbetriebenen Stationärmotor aus den 50er-Jahren vor und treibt mittels einer großen Transmission verschiedene landwirtschaftliche Geräte an, wie beispielsweise eine Futterschneidmaschinen, einen Heuaufzug, einen Schleifstein, eine Getreidemühle und eine Wasserpumpe.

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