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Der Zustand des Waldes ist weiterhin kritisch

In Baden-Württemberg sind die Waldschäden seit Beobachtungsbeginn im Jahr 1983 auf das bislang höchste Niveau angestiegen. Extremwetterlagen wie die Trockenperiode im Jahr 2003 und Schädlinge gehören zu den Gründen für die Verschlechterung des Forstzustandes. Das Neckarland ist bei der Gesamtschadenshöhe der Waldbestände in Baden-Württemberg mit am stärksten betroffen.

MATTHIAS EBERSPÄCHER

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KREIS ESSLINGEN Felix Reining, Amtsleiter des Forstamts im Esslinger Landratsamt, sorgt sich um den Wald: "Ich kann keine Entwarnung geben." Er hat allen Grund dazu: 45 Prozent der Waldfläche im Ländle ist laut Waldzustandsbericht deutlich geschädigt. Von der Trockenperiode im Jahr 2003 hat sich der Wald nicht erholt. Um das Neckarland steht es demnach besonders schlecht. Wie im Vorjahr weisen 60 Prozent der Buchen hier deutliche Schäden auf. 2001 waren es noch weniger als 30 Prozent. Im Neckarland ist jeder dritte Baum eine Buche und jeder fünfte eine Eiche. Das Schadenniveau der Eichen ist im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozentpunkte gesunken, liegt aber trotzdem noch in etwa auf dem Schadenniveau der Buchen. Auch der Zustand der Fichten hat sich weiter verschlechtert. So sind 43 Prozent der Fichten im Neckarland (im Vorjahr 33 Prozent) und im Schwarzwald (im Vorjahr 38 Prozent) deutlich geschädigt.

Durch die fortschreitende globale Erwärmung ist der Lebensraum für Fichten in Tallagen in Zukunft gefährdet. "Die Fichtenfläche geht zurück", sagt Forstamtsleiter Reining. Baumarten wie Fichten, die mit höheren Temperaturen nicht zurechtkämen, ersetze man durch angepasste Baumarten, beispielsweise durch die Eiche: "Wir hoffen, dass man so mit dem Klimawandel zurechtkommt."

Monokulturen sagt Felix Reining eine schwere Zukunft voraus. Der Schwarzwald mit der Hauptbaumart Fichte werde es in Zukunft besonders schwer haben. Im Landkreis Esslingen seien ein Drittel des Waldes Nadel- und zwei Drittel Laubbäume. Die einzige Chance, Extremwetterlagen zu begegnen, sieht Reining in der Baumartenmischung. Mischwälder seien widerstandsfähiger: "Wir müssen langfristig planen, kurzfristige Maßnahmen gegen Stürme oder Trockenperioden gibt es nicht."

Höhere Temperaturen böten bessere Bedingungen für Schädlinge, wie Fichtenborkenkäfer, Buchdrucker und Kupferstecher. 42 Prozent des Holzeinschlags fielen 2006 durch Naturereignisse, wie Sturm und Borkenkäfer, zwangsläufig an. Der Borkenkäfer habe ein unglaubliches Vermehrungspotenzial. Deswegen müsse der Wald von Förstern und Waldarbeitern ständig überwacht werden. Betroffene Bäume müssten unmittelbar gefällt und entfernt werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, so der Forstamtsleiter. Im Landkreis seien Schädlinge vor allem für Fichten ein Problem.

Der Wald in Baden-Württemberg hat laut Waldzustandsbericht die Trockenheitsperiode 2003 noch nicht verkraftet. Feinwurzelschädigungen, Störung der Verzweigungsstruktur, Anfälligkeit für Schädlinge und starke Fruchtausbildung, die den Baum schwächen, sind Folgen des extremen Sommers. Der regenreiche August 2006 bewahrte den Wald in Baden-Württemberg vor ähnlich schweren Folgeschäden. Sturmschäden gab es im Jahr 2005 und Anfang 2006 nur wenige.

Die allseits vorhergesagten Klimaveränderungen bis 2050 mit geringeren Niederschlägen im Sommer und höheren Lufttemperaturen bedeuten für die Wälder vermehrtes Stresspotenzial. Übermäßigen Säureeinträgen will man mit Bodenschutzkalkungen entgegenwirken. Naturnahe Mischwälder und standortgerechte Baumartenwahl werden als Maßnahmen zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit der Wälder im Waldzustandsbericht genannt. An Grenzgebieten der Hauptbaumarten könnten auch stresstolerante Baumarten wie Kiefern, Douglasie oder Edellaubholz herkömmliche Baumarten ersetzen.