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Designerstücke mit VergangenheitInfo

Rainer Hoffelner aus Lenningen hat Originaltaschen der Schweizer Armee neu gestaltet – Präsentation bei Fashion Week in Berlin

Der Lenninger Künstler und Werbegrafiker Rainer Hoffelner begibt sich auf neues Terrain. Zusammen mit zwei Freunden hat er ein Modelabel gegründet und eine Taschenkollektion entworfen – allerdings keine gewöhnliche: Die Modelle sind allesamt restaurierte und veredelte Originale aus Restbeständen der Schweizer Armee.

Der Herr der Taschen: Rainer Hoffelner ist der kreative Kopf im neuen Modelabel ¿Ch.orps3¿ und hat alten Originaltaschen aus Sch
Der Herr der Taschen: Rainer Hoffelner ist der kreative Kopf im neuen Modelabel ¿Ch.orps3¿ und hat alten Originaltaschen aus Schweizer Armeebeständen ein neues Gesicht gegeben.Fotos: Jean Luc Jacques und Rainer Hoffelner

Lenningen. Wer in ein Geschäft geht und sich eine Tasche oder einen Rucksack kaufen möchte, legt meist Wert darauf, dass die Ware neu und unbenutzt ist – und auch dementsprechend aussieht. Diesen Anspruch können die exklusiven Stücke aus der Kollektion des neuen Modelabels „Ch.orps3“ nicht erfüllen – und sollen es auch gar nicht: „Das sind alles Originale aus Restbeständen der Schweizer Armee“, erzählt der Lenninger Künstler Rainer Hoffelner, der für das Design der Kollektion verantwortlich ist. „Die Taschen waren schon im Einsatz in den Schweizer Alpen, und jede hat eine Geschichte“, verdeutlicht er, was das Besondere an ihnen ist.

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So tragen die insgesamt sieben verschiedenen Modelle auch vielsagende Namen wie „Be4Map“, „Be4Tool“ oder „Be4Help“ und spielen damit auf ihren ursprünglichen Zweck als Kartografen-, Werkzeug- oder Sanitätertaschen an. „Die meisten Taschen stammen aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren“, sagt Rainer Hoffelner. Ausnahme ist das Rucksackmodell „Be4Muli“: Die Satteltaschen, die ihm zugrunde liegen, waren bereits zwischen 1880 und 1920 im Einsatz.

„Jede Tasche hat ihre Macken und Kratzer“ betont Rainer Hoffelner. Außerdem haftet den Stücken der typische Geruch alten Leders an: „Nach Veilchen riechen sie natürlich nicht“, sagt er grinsend.

Dass die Designerstücke mit Vergangenheit auch eine Zukunft haben, davon ist Rainer Hoffelner überzeugt. Bereits kurz nach Erscheinen der Kollektion ist es dem Lenninger und seinen beiden Geschäftspartnern gelungen, eine Vertriebsagentur in Düsseldorf zu finden, die die Produkte mit zur Fashion Week nach Berlin nimmt. Im Rahmen der Modemesse wird die Kollektion von „Ch.orps3“ Anfang Juli zusammen mit zahlreichen anderen urbanen Labels in der deutschen Hauptstadt präsentiert. „Das ist für uns der absolute Knüller“, freut sich Hoffelner.

Der besondere Reiz der Taschenkollektion liegt seiner Ansicht nach in der außergewöhnlichen Mischung: „Da trifft Antiquität auf Mode“, sagt er. Die alten Schweizer Armeetaschen hat der Lenninger nämlich mit außergewöhnlichen Accessoires kombiniert und veredelt. „Zum Teil habe ich alte Sachen einfach zweckentfremdet“, schildert Hoffelner. „Jedes Teil und jedes Accessoire hat ebenfalls eine eigene Geschichte.“ Als Verschluss bei der neu gestalteten Werkzeug-Tasche kam etwa die Schnalle einer Schmuck-Ritterrüstung zum Zug. Die Sanitätertasche stattete er dagegen mit einem Zangenverschluss und dem Bügel einer Biedermeier-Zuckerdose aus. So hat jede Tasche ihre Besonderheiten und Details: Mal baumelt ein Stück Horn an einer Seitenöse, mal sind Bajonettverschlüsse in die Riemen eingearbeitet. Auf den Fronten prangen Orden, Wappen oder ein Hirschgeweih. Die breiten Riemen und Gurte sind mit dicken Schnallen und Karabinern befestigt.

Einigen Taschen, die zu sehr beschädigt waren, hat der Lenninger eine neue Form verordnet, einige wurden eingefärbt. Andere bekamen Handytaschen oder Zusatzfächer, um sie praxistauglich zu machen.

Die Zielgruppe ist aus Sicht des Designers breit gefächert. „Das sind alles Unisex-Taschen, die Männer wie Frauen gleichermaßen tragen können“, sagt Hoffelner und erinnert daran, dass die Originale aus einer Männerdomäne stammen. „Außerdem passen sie zu einer Tracht ebenso gut wie zum Party-Outfit.“ Bei einer Preisspanne von etwa 350 bis 500 Euro richte sich das Label aber eher an die Gruppe der über 30-Jährigen.

Begonnen hatte alles vor drei Jahren. Bei einer Urlaubsreise war einer der beiden heutigen Geschäftspartner Rainer Hoffelners auf eine Schweizer Armeetasche gestoßen. Die Idee, aus dem alten Stück etwas ganz Neues zu kreieren, ließ den Marketing-Profi nicht mehr los. Er holte sich einen befreundeten Vertriebs-Experten und Rainer Hoffelner als Designer ins Boot. Die drei Freunde nahmen dann Kontakt zu einem Sattler in Österreich auf, der Kontingente der Schweizer Armee aufgekauft hatte. Er willigte schließlich ein, die Taschen für die Idee des Trios zur Verfügung zu stellen.: Das Label „Ch.rps3“ – dessen Name sich auf die Zahl der Gründer und die Herkunft der Taschen bezieht – war geboren.

Mit dem Sattler arbeitet das Label bis heute zusammen: Er reinigt und restauriert nicht nur das Leder, sondern näht und fertigt auch die Taschen im neuen Design. „Im Fundus des Sattlers habe ich übrigens auch die ganzen Accessoires gefunden“ erzählt Rainer Hoffelner. „Das war ein echter Glücksfall.“

In der Natur der Dinge liegt die Tatsache, dass die Auflage der Taschenkollektion limitiert ist. „Von den Muli-Taschen gibt es beispielsweise noch 400 bis 600 verwendbare“, so Rainer Hoffelner. Das Ende des gerade frisch geborenen Modelabels soll das aber keinesfalls bedeuten. „Wir haben schon viele neue Ideen“, sagt Rainer Hoffelner. Einen Vorgeschmack bieten bereits in der aktuellen Kollektion einige Gürtel und eine Aktentasche aus antikem Stierleder.

Weitere Informationen bietet die Homepage www.chorps3.de.

Rainer Hoffelner wegen Taschen-Kollektion in Oberlenningen
Rainer Hoffelner wegen Taschen-Kollektion in Oberlenningen
Rainer Hoffelner wegen Taschen-Kollektion in Oberlenningen
Rainer Hoffelner wegen Taschen-Kollektion in Oberlenningen