Lokales

Deutschunterricht für Migranten aller Couleur

Ab 1. Januar 2005 gelten neue Gesetzesgrundlagen für Zuwanderer, unter anderem die neue Integrationskursverordnung. Deren eigentlicher Inhalt ist für die Kirchheimer Volkshochschule alles andere als neu: Es geht darum, deutsche Sprachkurse anzubieten für Migranten aller Couleur.

ANDREAS VOLZ

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KIRCHHEIM "Wir haben jahrzehntelange Erfahrung mit Deutschkursen sowohl für Spätaussiedler als auch für andere Zuwanderer", sagt Eva Vogelmann, die an der vhs Kirchheim für Deutsch als Fremdsprache zuständig ist. Mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein fügt sie hinzu: "Wer soll in Kirchheim Integrationskurse anbieten, wenn nicht wir?" Sie denkt dabei unter anderem an Volkshochschulen in der Umgebung, denen die entsprechende Erfahrung fehlt: "Es gibt auch Kollegen, die sich gar nicht erst um die Kurse beworben haben."

Die Kirchheimer vhs dagegen ist bereits offiziell berechtigt, Integrationskurse zu organisieren, an denen alle Zuwanderer teilnehmen können ob Spätaussiedler oder andere Migranten mit "auf Dauer angelegtem Aufenthaltsstatus". Ihre diesbezüglichen Pflichten kennt Eva Vogelmann schon: Die Kurse dürfen maximal 25 Teilnehmer haben und maximal 25 Unterrichtsstunden pro Woche beinhalten. Nach einem halben Jahr und insgesamt 600 Unterrichtseinheiten sollen die Teilnehmer die Prüfung "Zertifikat Deutsch" bestehen, die ihnen das Sprachniveau B 1 gemäß des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens (GER) bescheinigt.

Außerdem sind "Orientierungskurse" anzubieten, die den Zuwanderern in 30 Unterrichtsstunden Grundlagen über Rechtsordnung, Geschichte und Kultur der Bundesrepublik Deutschland vermitteln sollen. Die dabei zu erwerbenden Kenntnisse werden in einem gesonderten Test abgeprüft.

Eine weitere Pflicht der Kirchheimer Volkshochschule als Kursträger besteht darin, den Selbstkostenanteil in Höhe von einem Euro je Teilnehmer und Unterrichtseinheit zu kassieren auf eigenes Risiko. Vom neuen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mit Sitz in Nürnberg erhalten die Kursträger lediglich die Gebühren abzüglich des Selbstkostenbeitrags. "Spätaussiedler können die Kurse nach wie vor kostenfrei besuchen", weiß Eva Vogelmann. Sehr viel mehr ist ihr über diesen Punkt noch nicht bekannt.

Das gilt auch für etliche weitere Details der künftigen Integrationskurse. So gibt es einige offizielle Formulare des Bundesamts. Bei der Volkshochschule Kirchheim, die theoretisch ab 2. Januar Integrationskurse anbieten müsste, sind aber noch nicht einmal die Vorabdrucke dieser Formulare eingegangen. Auch einen bundesweit einheitlichen Einstufungstest, mit dem sich das passende Einstiegsniveau der einzelnen Teilnehmer feststellen lässt, erstellt das Nürnberger Amt. "Den Test haben wir noch nicht", konstatiert Fachbereichsleiterin Eva Vogelmann, "trotzdem müssen wir jetzt schon die Leute einstufen, die sich für einen Kurs anmelden wollen."

Wer mit dem erforderlichen Berechtigungsschein zur Volkshochschule kommt, soll innerhalb von drei Monaten den Unterricht aufnehmen können. "Ich gehe davon aus, dass wir mit dem ersten Integrationskurs Ende Februar, Anfang März beginnen", blickt Eva Vogelmann in die nahe Zukunft, "wir haben nämlich gerade erst mit drei Spätaussiedlerkursen angefangen sowie mit weiteren Deutschkursen, die durch Gelder aus dem Europäischen Sozialfonds finanziert werden." Für die Integrationskurse ist eine Bezahlung von 2,05 Euro pro Teilnehmer und Stunde festgeschrieben, worin der Selbstkostenbeitrag bereits enthalten ist. Eva Vogelmann: "Das ist für uns sehr unattraktiv. Wir haben einen hohen Verwaltungsaufwand. Und das Risiko, dass jemand den Kurs vorzeitig verlässt, bleibt auch an uns hängen."

Kopfzerbrechen bereitet der Fachbereichsleiterin zudem die Zielvorgabe, nach drei "Basismodulen" zu je 100 Unterrichtseinheiten und 300 weiteren Stunden im "Aufbausprachkurs" innerhalb weniger Monate das Prüfungsniveau des "Zertifikats Deutsch" zu erreichen. "Ich rechne damit, dass 90 Prozent der Teilnehmer das nicht schaffen. Die Erfahrung zeigt, dass es länger dauert, eine Sprache so gut zu lernen." Die Kirchheimer Volkshochschule bietet die Zertifikatsprüfung und die dazugehörigen Vorbereitungskurse schon lange an in der Regel für Au-pair-Mädchen, aber auch für andere Interessierte, die aus dem Ausland kommen und vorübergehend oder längerfristig in Deutschland leben. Eine besonders motivierte Teilnehmerin hat dabei einmal bei Null angefangen und dann nach eineinhalb Jahren das Zertifikat erhalten.

Was die halbjährigen Integrationskurse betrifft, sieht Eva Vogelmann daher ein großes Problem: "Auf Dauer ist das frustrierend, wenn kaum jemand das eigentliche Ziel erreicht für die Teilnehmer genauso wie für uns als Anbieter." Sie hofft darauf, dass die Verordnung nach den ersten Praxiserfahrungen noch an einigen Punkten abgeändert wird. Als Beispiel verweist sie auf eine weitere Ungereimtheit: "Wir nehmen auch Einbürgerungstests im Landratsamt ab. Die Kenntnisse, die dafür erforderlich sind, liegen deutlich unter den Anforderungen des Zertifikats."