Lokales

DGB sieht Menschenwürde in Gefahr

"Würde zeigen" heißt die Kurzform des diesjährigen Mottos der Gewerkschaften zum 1. Mai. Die traditionellen Kundgebungen zum Tag der Arbeit finden etwa in Esslingen, Kirchheim und Nürtingen statt und sind nach Ansicht der Gewerkschafter in Zeiten von Hartz IV und ungebremster Profitmaximierung notwendiger denn je.

IRIS KOCH

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KREIS ESSLINGEN Etwas sperrig klingt das 1.-Mai-Motto in voller Länge: "Du bist mehr. Mehr als eine Nummer. Mehr als ein Kostenfaktor. Du hast Würde. Zeig Sie!" heißt es auf den rot-weißen Plakaten des DGB. Inhaltlich treffe das die Situation von Arbeitnehmern und Arbeitslosen genau, meint der Regionsvorsitzende der DGB-Region Stuttgart Wolfgang Brach. "Eine Politik für Menschen muss Vorrang vor Wirtschaftsinteressen haben", forderte der Gewerkschafter gestern gegenüber der Presse.

"Angriffe auf allen Ebenen" gebe es derzeit gegenüber den Beschäftigten, umschrieb der Sekretär der IG Metall Esslingen Jürgen Groß-Bounin die Situation. Auf Grund riesiger Rendite-Erwartungen werde immer mehr Druck nach unten ausgeübt, um Kosten zu sparen. Die Folge seien Entlassungen sowie die Missachtung von Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen. Überdies würden "erschreckend dreiste und unlautere Methoden" angewandt, um etwa die Wahl von Betriebsräten zu verhindern: "Das legitime Recht der Beschäftigten wird zunehmend von Betrieben nicht mehr respektiert."

KapitalismuskritikDass es trotz der drastischen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt immer schwieriger wird, die Menschen zu gewerkschaftlicher Aktivität zu bewegen, ist den Funktionären klar. Viele Betroffene reagierten mit "individueller Problembewältigung", weil es derzeit kaum eine Alternative zum neoliberalen Denken gebe, bedauert der Gewerkschaftssekretär. Mit der aktuell vorgetragenen Kapitalismuskritik von Franz Müntefering könne sich dies womöglich ändern, hofft Wolfgang Brach. "Wir hoffen, dass diese Diskussion andauert und dass die Regierung Taten folgen lässt". Es könne nicht sein, dass "die Gier nach Geld zum Staatsziel erhoben wird".

In Esslingen wird der 1. Mai um 9.30 Uhr mit einem Ökumenischen Gottesdienst im Münster Sankt Paul eingeläutet. Bei der Kundgebung auf dem Rathausplatz ab 10.50 Uhr hält DGB-Regionssekretär Bernd Köster die Mairede; Musikeinlagen steuert die Rockband "Männer ohne Nerven" bei. Anschließend geht es zur Hocketse ins Gewerkschaftshaus.

Bei der Kundgebung vor dem Rathaus in Kirchheim ab 13.30 Uhr spricht unter anderem Leni Breymaier, die stellvertretende Vorsitzende des DGB-Bezirks Baden-Württemberg. In einem Demonstrationszug geht es anschließend zum 1.-Mai-Fest in die Konrad-Widerholt-Halle, wo die Gruppe "Three Times a Lady" für die musikalische Unterhaltung der Gäste sorgt.

Ein Platzkonzert spielt die Blaskapelle des Musikvereins Oberboihingen um 10.30 Uhr auf dem Schillerplatz in Nürtingen; ab 11 Uhr beginnt dort die Kundgebung. Zur gemütlichen Hocketse wird ab 12 Uhr eingeladen.