Lokales

Dialog ist ein zentrales Anliegen

„pro concilio“ zufrieden mit erstem öffentlichem Auftritt beim Kirchentag

Der Ökumenische Kirchentag in München wird noch lange nachwirken. Auch bei katholischen Christen im Landkreis, war es doch der erste öffentlichkeitswirksame Auftritt von „pro concilio“. Der junge Verein mit bisher 33 Mitgliedern setzt sich für die Erneuerung der katholischen Kirche und ein Reformkonzil ein.

richard umstadt

Kreis Esslingen. „Hoch zufrieden“ kamen Mitglieder des am 13. April in Esslingen ins Leben gerufenen Vereins „Initiative pro concilio“ vom Ökumenischen Kirchentag aus München zurück. Wie einer ihrer Sprecher, der Esslinger Krankenhausseelsorger Wolfgang Kramer – vormals Pastoralreferent in Peter und Paul, Ötlingen – sagt, war der Kirchentag ein voller Erfolg. „Wir konnten tolle Gespräche führen“, unter anderem mit den Promis Erzbischof Robert Zollitsch, Heiner Geißler und Günther Beckstein, aber auch mit vielen anderen Christen, darunter engagierte Ordensleute, „die zu 80 Prozent mit uns einer Meinung waren“, berichtet Wolfgang Kramer. Was ihn besonders freut und ihm und seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern zeigt, dass nicht nur deutsche Katholiken die tiefe Krise ihrer Kirche bewegt, war eine Begegnung mit einer Frau, Mitte 50, die seit 20 Jahren in Johannesburg lebt. Sie erzählte Kramer, dass es in Südafrika eine ähnliche Bewegung von katholischen Christen gibt und sie mit dem Auftrag in ihren Heimaturlaub nach Bayern geflogen sei, herauszufinden, ob es in Deutschland ebenfalls Katholiken gebe, die an ihrer Kirche zu zerbrechen drohen und für eine dringende Erneuerung eintreten.

Für die „Initiative pro concilio“ war dies einmal mehr Bestätigung ihrer Idee, sich weltweit zu vernetzen. So wollen die engagierten Katholiken ihren Internetauftritt unter www.pro-concilio.com vom Deutschen ins Englische, Französische, Italienische, Spanische, Portugiesische, aber auch ins Lateinische übersetzen, „damit auch der Vatikan mitbekommt, wie‘s um die Basis steht.“

Nicht gut, wie Wolfgang Kramer als Seelsorger weiß. Nicht erst seit den bekannt gewordenen Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche schwindet die Bindung ihrer Mitglieder. Überkommene Strukturen tragen nicht mehr. Immer größere „Seelsorgeeinheiten“ erschweren ein lebendiges Miteinander. Die junge Generation findet in der Kirche oft keine Heimat mehr und kehrt ihr desinteressiert den Rücken. Doch anstatt zu reagieren, steht die katholische Amtskirche diesen dramatischen Ent­wicklungen wie gelähmt gegenüber. Von einer dringend notwendigen Kirchenreform, selbst in vorsichtigen Schritten, will sie nichts wissen. Die Gemeinden vor Ort warten vergeblich auf ein Zeichen aus Rom.

„Die Menschen, die aus der Mitte der Kirche kommen, können es nicht mehr mit ansehen, wie die Kirche an die Wand gefahren wird“, sagt Wolfgang Kramer, der sich vor Jahren die Frage stellte, „austreten oder bleiben und verändern?“. „pro concilio“ lautete seine Antwort. Und „pro concilio“ wird einen Flächenbrand in der katholischen Christenheit auslösen, dessen ist sich der Verein sicher. Bis zur ersten Mitgliederversammlung im November soll eine Plattform verabschiedet werden, auf der die Ziele der Initiative ausführlich begründet werden: „spirituelle und strukturelle Erneuerung der Kirche im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils; geschwisterlicher und synodaler Kommunikationsstil auf allen und zwischen allen kirchlichen Ebenen; lebendige Streitkultur; Enttabuisierung und Klärung wichtiger Reformthemen, zum Beispiel Zulassungsbedingungen zum kirchlichen Amt für Frauen und Männer; Stärkung der Eigenständigkeit der Ortskirchen; weitere ökumenische Schritte und Einberufung eines Reformkonzils.

Inzwischen nimmt die Zahl der Unterstützer laufend zu. Täglich erreichen den Verein zehn bis 20 Mails, berichtet Kramer, der sich mit Marie-Anna Ellmer, Stuttgart, die Sprecherfunktion teilt. Auch die Zahl der Mitglieder steigt. „Dialog“ ist ein zent­raler Begriff des Vereins, der sämtliche Kirchengemeinden in den Diözesen Rottenburg und Freiburg einladen will, „pro concilio“-Mitglied zu werden. Kramer hofft, dadurch eine breitflächige Diskussion anstoßen zu können.

Des Weiteren ist daran gedacht, alle deutschsprachigen Theologieprofessoren anzuschreiben und um eine Stellungnahme zur Initiative und ihren Zielen zu bitten. Gleichzeitig ist „pro concilio“ bestrebt, mit allen katholischen Gruppierungen, die sich für eine Kirchenreform einsetzen, ins Gespräch kommen, wie etwa mit der Bewegung „Wir sind Kirche“. Dabei hat Wolfgang Kramer ein ehrgeiziges Ziel vor Augen: Im Frühjahr 2011 will „pro concilio“ eine Art Laienkonzil veranstalten, bei dem ein gemeinsamer Nenner gefunden werden soll, um dann beim Katholischen Kirchentag im Mai 2012 in Mannheim machtvoll auftreten zu können. Bis dahin will „pro concilio“ ein „Sprachrohr für unzählige von ihrer Kirche enttäuschten Christen“ sein und dafür werben, dass das Bewusstsein, „ohne Reformen in der Kirche geht es nicht“, wächst.

Der Mitbegründer der Initiative ist überzeugt, dass die Ökumene substanziell erst dann weiterkommt, wenn die katholische Kirche ihre Hausaufgaben gemacht hat. Dazu wird langfristig auch das (Noch)-Tabuthema „Frauen im Priesteramt“ gehören. „Wir wollen, dass Frauen Diakoninnen werden können.“ Doch die Diskussion müsse darüber hinausgehen. „Frauen müssen auch unabhängig von der Priesterfrage stärker an der Machtausübung in der katholischen Kirche beteiligt werden“, lautet eine Forderung von „pro concilio“, die allerdings auf heftigen Widerstand vieler Männer in der oberen Kirchenhierarchie stoßen dürfte.

Die Initiativgruppe „pro concilio“ wurde am 23. Januar in Sankt Josef, Esslingen, mit 33 Mitgliedern gegründet. Der 23. Januar wurde bewusst gewählt. Fast genau vor 51 Jahren, am 25. Januar 1959, hatte Papst Johannes XXIII. für viele überraschend zum „Zweiten Vatikanischen Konzil“ aufgerufen. Es veränderte die katholische Kirche nachhaltig. – auch wenn manches bis heute noch nicht umgesetzt wurde.

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