Lokales

Dickes Ende für das Bahnhofsgelände

Unternehmen will einen rund 30 Meter hohen Digitalfunk-Masten in Dettingen positionieren

Es soll das Aushängeschild des Orts werden: Das Ensemble aus dem jetzt schon hübschen Dettinger Bahnhofsgebäude und dem künftig neu gestalteten Außenbereich. Jetzt winkt dem Areal ein weiteres Element – allerdings ein höchst unerwünschtes.

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Bianca Lütz

Dettingen. 900 000 Euro wird es kosten, das Areal rund um das schmucke Bahnhofsgebäude mit seiner zartrosa Holzfassade und den grünen Fensterläden herauszuputzen. Ein ausgeklügeltes Beleuchtungskonzept soll Gebäude und Vorplatz ins rechte Licht rücken. Granitpflaster schmücken künftig den Boden, und Bäume auf den neu zu gestaltenden Parkflächen sollen die Anwohner vor Lärm schützen und ihnen den Ausblick versüßen. Schließlich wird das Grün an der Bundesstraße gestutzt, um Autofahrern den Blick auf das Ensemble freizugeben.

Und dann kommt so etwas: Die Bahn hat mitgeteilt, dass sie im Norden des Geländes einen Digitalfunk-Masten errichten will. Höhe: 30 Meter – also gut drei Mal so hoch wie das Bahnhofsgebäude selbst.

„Der Masten gefällt uns auch nicht“, sagte Bürgermeister Rainer Haußmann, als eine Dettingerin während der Bürgerfragestunde im Gemeinderat das Thema ansprach. Beruhigen konnte der Rathauschef die Anwohnerin in einem Punkt: Die Strahlenbelastung, die von dem neuen Masten ausgeht, werde um 99,9 Prozent unter dem gesetzlichen Grenzwert liegen. Der beträgt acht Millionen Mikrowatt pro Quadratmeter, während die Strahlendichte am Bahnhof künftig auf maximal 2700 Mikrowatt pro Quadratmeter kommt. „Wir haben die Belastung mithilfe eines Gutachters so gut wie es geht minimiert“, sagte Haußmann. Zudem strahle der Mast nur in Nord-Süd-Richtung, entlang des Schienenverlaufs.

Am gleichen Abend hatte schon der Technische Ausschuss über den Funkmasten diskutiert. Das Ergebnis der Beratungen: Vier zu drei für die Antenne. „Das war ein zähneknirschendes Jein“, fasste Rainer Haußmann zusammen. Gleichzeitig ließ der Schultes jedoch durchblicken, dass das Votum der Bürgervertreter in dieser Sache – egal mit welcher Zielrichtung – ohnehin keine allzu großen Auswirkungen haben dürfte. „Die Gemeinde muss zwar beteiligt werden, kann aber nicht rechtswidrig ablehnen“, schilderte Haußmann die juristische Lage und sagte: „Der digitale Zugfunk wird gebraucht – oder: Wir können nicht nachweisen, dass er nicht gebraucht wird.“

„Wir rüsten alle Strecken um“, heißt es vonseiten der Bahn. Laut Pressesprecher Roland Kortz gilt es, europaweit einheitliche Standards zu erreichen. Zudem sei die Qualität der neuen Funktechnik deutlich besser als die des früheren Systems. Jetzt ist eben die Strecke Kirchheim-Oberlenningen an der Reihe. Und einer der Standorte im funkplanerisch berechneten Netz liegt in Dettingen.

Haußmann versprach der Anwohnerin, bei der Bahn erneut nachzufassen und zu fragen, ob nicht auch ein anderer Platz in Frage käme. Bahnsprecher Roland Kortz sieht da eher schwarz. Aus seiner Sicht ist an dem Standort nicht mehr zu rütteln. Eine Chance gibt es offenbar aber doch noch: Wenn einmal das Planfeststellungsverfahren für die Antenne läuft, hat jeder Bürger das Recht, Einspruch gegen den Masten zu erheben. Weitere Informationen dazu gibt es auf dem Rathaus bei Jochen Sokolowski unter 0 70 21/50 00 60.

Erst nach diesem Verfahren steht endgültig fest, ob dem Bahnhofsareal mit dem schlanken Masten am nördlichen Rand sozusagen ein regelrecht dickes Ende winkt. Wobei – ein Ende ist in Sachen Digitalfunk-Antennen wohl kaum in Sicht, wie Bürgermeister Rainer Haußmann befürchtet: „Bald kommen auch noch Feuerwehr und Polizei mit dem Argument: Es will ja schließlich jeder gerettet werden.“