Lokales

Die „56“ steht vor dem Kollaps

Tägliche Stockungen an der Autobahnauffahrt Kirchheim-West sorgen für Verdruss

Wer im Berufsverkehr von Kirchheim nach Nürtingen fahren oder auf die Autobahn nach Stuttgart einbiegen will, braucht Geduld: Das Stop-and-go im Bereich der Autobahnauffahrt mit der Nummer „56“ frisst Zeit und zehrt an den Nerven, vom staubedingten CO2-Ausstoß ganz zu schweigen. Jetzt will die Stadt Kirchheim mittels einer Studie untersuchen lassen, wie die Situation am Anschluss Kirchheim-West verbessert werden könnte.

irene strifler

Kirchheim. Noch ist der Ausbau nicht lange her: Eine „erhebliche Entlastung“ versprach man sich im Jahr 1993 von der neuen Ausfahrt „Kirchheim-West“. Bis dahin hatte dort nur eine unfallträchtige „Behelfsausfahrt“ bestanden. Die Erweiterung der Autobahn auf sechs Spuren stellte die Weichen für den Ausbau der Ausfahrt. Während der Bauarbeiten wurden die Dimensionen der neuen Ausfahrt seitens des Landesamtes für Straßenwesen bereits als „nicht besonders großzügig“ bewertet, wie im Teckboten im Juli 1993 zu lesen war. 15 Jahre später ist das Bauwerk an seinen Kapazitätsgrenzen angelangt. Transportunternehmen wie auch örtliche Wirtschaftsvertreter klagen seit geraumer Zeit über die schlechte Erreichbarkeit der Stadt Kirchheim, bei Berufspendlern ist der Unmut groß.

Bürgermeister Günter Riemer fasste in der Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt des Kirchheimer Gemeinderats den allgemeinen Ärger zusammen. Er erinnerte an eine Idee, die bereits vor einigen Jahren, im Zusammenhang mit neuen Ansiedlungsgedanken des schwedischen Möbelhauses IKEA, aufgekommen war. Angedacht war, dass für alle Fahrzeuge, die aus Kirchheim und speziell dem Gewerbegebiet Kruichling kommen, eine extra Einfahrt nach rechts in die Autobahn Richtung Stuttgart geschaffen werden könnte. Damit wäre das leidige Problem vom Tisch, dass Stuttgart-Fahrer nach links abbiegen müssen und so den Gegenverkehr via Ampel lahmlegen. Es käme zu einer gewaltigen „Entflechtung der Fahrbeziehungen“, betonte Günter Riemer. Möglicherweise würde eine eigene Einfahrtsspur nach Westen das komplette Problem in diesem Bereich lösen, denn der Bürgermeister ist überzeugt: „Schwierigkeiten gibt es nur durch die Einfahrt in die Autobahn in Fahrtrichtung Stuttgart.“

Natürlich strahlen diese Schwierigkeiten auf das gesamte Umfeld aus: Durch Stockungen behindert werden alle, die auf der B 297 nach Nürtingen oder von dort nach Kirchheim wollen. Auch beim Verlassen der Autobahn bilden sich nicht selten gefährliche Rückstaus. Die Ampeln sind in der Schaltung zwar aufeinander abgestimmt, allerdings unterstehen sie unterschiedlichen Stellen: Wie Bürgermeister Riemer ausführte, werden die Ampelanlagen direkt an den Autobahnein- und -ausfahrten über die Straßenbauverwaltung des Landes geregelt. Die Ampel einen Steinwurf weiter Richtung Kirchheim befindet sich hingegen in der Obhut der Stadt.

Jetzt hat die Stadtverwaltung vorgeschlagen, eine Machbarkeitsuntersuchung zur Verbesserung des Anschlusses Kirchheim-West in Auftrag zu geben. „Wir reden dabei nicht nur über einen möglichen Neubau, sondern lassen auch andere Ideen wie einen Anbau oder eine Verbesserung der Gesamtsituation durch geänderte Ampelschaltung untersuchen“, machte Günter Riemer klar. Seitens der Räte wurde die Notwendigkeit ebenfalls gesehen. Neben Zustimmung zur Vorgehensweise kam die Anregung, den Bund als Straßenbaulastträger der Autobahn in die Pflicht zu nehmen, da die Ausfahrt ja definitiv nicht reibungslos funktioniere.

Günter Riemer berichtete von einem Gespräch mit Vertretern des Regierungspräsidiums, wonach empfohlen wurde, mit der Studie zunächst in Vorleistung zu gehen. Die Initiative habe von der Stadt zu kommen. Dennoch sei es durchaus denkbar, dass der Bund an möglichen Umbaukosten beteiligt werde.

Ötlingens Ortsvorsteher Hermann Kik, als Berufspendler mit der Problematik an der Anschlussstelle Nummer 56 bestens vertraut, insistierte darauf, besonders die Ampelschaltung zu hinterfragen. „Die Logik ist völlig unklar“, gab er seinen persönlichen Eindruck wieder. Es lohne sich, die Schaltung zu optimieren, denn so schnell werde es wohl keine zusätzliche Einfahrt geben.

Auf baldige Baumaßnahmen setzt niemand. Immerhin wird aber schon bald die Machbarkeitsuntersuchung Erkenntnisse zur Verbesserung des Anschlusses Kirchheim-West bieten. Das Planungsbüro Pressel-Molnar hatte Vertretern der Stadt bereits seine Dienste angeboten. Einhellig stimmte das Gremium der Beauftragung zu. Die Untersuchung wird 20 000 Euro kosten, finanziert aus dem Bereich Tiefbau. Man erhofft sich davon eine umfassende Entscheidungsgrundlage für die Optimierung des Autobahnanschlusses. Unter Berücksichtigung möglicher großflächiger Ansiedlungen in Kruich­ling und Umgebung wird eine detaillierte planerische Ausarbeitung in Varianten einschließlich Kosten und Bewertung vorgelegt.

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