Lokales

„Die Alb schafft“

Hochwangsteige für Verkehr freigegeben – Mehrmonatige Felssicherungsarbeiten

Rund 15 Wochen war die Hochwangsteige fest in der Hand von Felssicherungs-Spezialisten. Seit gestern Mittag heißt es jedoch wieder freie Fahrt auf dieser Strecke.

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Iris Häfner

Lenningen. „Die Albsteigen im Landkreis sind besonders aufwendig im Unterhalt, ohne Zweifel jedoch wichtig für die Ordnung des Verkehrs“, sagte Landrat Heinz Eininger. Die Alb empfing den Kreischef gestern zur Verkehrsfreigabe der Straße mit herbem Charme. Zunächst zogen Nebelschwaden an den Felsen vorbei, später mussten die Regenschirme ausgepackt werden. „So war es die vergangenen Wochen die meiste Zeit. Das Wetter war die größte Herausforderung“, sagte Stefan Urban von der Arbeitsgemeinschaft Hochwangsteige. Drei Firmen hatten sich zu dieser Gemeinschaft zusammengeschlossen, damit die Arbeiten recht zügig vonstatten gehen konnten.

Schon beim geplanten Start machte das Wetter den Planern einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. „Wenn die Eiszapfen länger sind als die Mitarbeiter, hat es wenig Sinn, am Fels zu arbeiten“, so Stefan Urban. Allerdings waren die Planer sehr optimistisch, denn ursprünglich wollten sie schon im Januar mit den Arbeiten beginnen – tatsächlich ging es dann am 1. März los. Um so erfreuter sind alle Beteiligten, dass es während der Bauzeit zu keinen Überraschungen oder Unfällen gekommen ist und alles nach Plan lief. „Die Bergsteiger haben sich wirklich gequält. Nur so konnten wir in der Zeit bleiben“, zollte Stefan Urban den Männern großen Respekt. Teilweise war der Untergrund derart aufgeweicht, dass die Kletterer selbst mit Eisenstollen unter den Stiefeln abgerutscht sind.

„Auch aus Sicht des Naturschutzes waren die Arbeiten eine Herausforderung“, erklärte Heinz Eininger. Zum Schutz von Pflanzen und Tieren seien die Straßenbauer „mustergültig“ schon ab der Planung mit diesem sensiblen Bereich umgegangen. In einem der Felsen befand sich beispielsweise der Brutplatz eines Wanderfalken. Außerdem sind Teile der Böschung als Geotop eingestuft. „Aus geologischer Sicht bietet die Hochwangsteige einen Einblick in den weißen Jura der Schwäbischen Alb, wie kaum eine andere Steige“, wies der Landrat auf die Besonderheit hin. So sind beispielsweise im oberen Teil fossile Schwammriffe zu sehen.

Die Arbeiten waren notwendig geworden, weil in den vergangenen Jahren die Steige zwischen Unterlenningen und Hochwang immer wieder gesperrt werden musste. Der Grund: Steinschlag und Rutschungen. Die Arbeiten an der Steige sind deshalb ausschließlich der Verkehrssicherheit geschuldet. „Gute Straßen sind der Lebensnerv unseres Landkreises. Wir haben 840 000 Euro für die Fels- und Hangsicherung in die Hand genommen“, so der Landrat, der froh darüber ist, dass einige Albaufstiege nicht nur Kreis- sondern auch Landes- und Bundesstraßen sind. „Der Landkreis investiert in seine Straßen dieses Jahr rund 2,2 Millionen Euro und damit eine Millionen Euro weniger als noch im Vorjahr“, sagte Heinz Eininger weiter. Somit verschlingt die Hochwangsteige alleine schon 40 Prozent des Jahresetats.

Das Geld wurde beispielsweise in knapp 8 000 Quadratmeter Stahldrahtgeflecht investiert und in über drei Kilometer Bolzen, die zu Hunderten in die Felswände getrieben wurden. Sie dienen zur Verankerung der Netze und Zäune, die verhindern sollen, dass Kalkbrocken oder Erde auf die Fahrbahn stürzen. Ein Anker hält ein Gewicht von rund 18 Tonnen. An acht verschiedenen Felswänden arbeiteten die Spezialisten. Teilweise ist die Erosion so weit fortgeschritten, dass die Fundamente der Fangzäune keinen Halt mehr hatten. „Die Alb schafft“, fasste Heinz Eininger diesen Vorgang zusammen. Autofahrer suchen daher die alten Holzbalken vergebens. Sie wurden ersatzlos abgerissen und zudem rund 1 500 Tonnen lockeres Gestein aus den Felswänden entfernt.

Das Thema Erosion ist Stefan Urban mehr als vertraut: „Ein Felshang ist wie ein Bauwerk einzustufen. Er braucht genauso eine Wartung wie eine Brücke“, sagte er. Dass die Albsteigen eine Art Daueraufgabe sind, davon ist auch Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht überzeugt. Vor allem für die Hochwanger freut er sich, dass die Steige wieder frei ist und damit kein Zeitverlust mehr besteht. „Die Sperrung hatte nicht nur Auswirkungen auf den Verkehr und die Schulfahrten, sondern auch auf das Einkaufsverhalten“, erklärte er. Mit Freude vernahm der Schultes die Bemerkung Heinz Einingers, dass die Bürger in Hochwang ihre Muttergemeinde Lenningen nun wieder auf gewohnten Wegen erreichen können – ohne über fremde Markung fahren zu müssen.