Lokales

"Die Bäume leiden extrem unter der Trockenheit"



IRIS HÄFNER

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KIRCHHEIM "Jetzt geht's mit den Buchen auch los", sagt Förster Daniel Rittler leicht frustriert. Der Kirchheimer Revierleiter zählt immer mehr Buchen, die dem Wassermangel zum Opfer fallen. Am schlimmsten sind die Bäume auf Notzinger Markung in seinem Revier betroffen. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Bäume eines Südtraufes, die in Richtung Wernau stehen. "Die Bäume stehen alle total unter Stress. Sie leiden extrem unter der Hitze und dem Wassermangel", erklärt der Förster. "Die Buchen sind etwa 160 Jahre alt und haben solche Trockenheit noch nie erlebt" so der Förster.



Der heiße Sommer im vergangenen Jahr und die damit verbundene Trockenheit hat die Bäume geschwächt. Nicht nur die Nadelbäume wie Fichte oder Lärche sind nun leichte Beute für den Borkenkäfer, sondern mittlerweile auch Buchen. Laubnutzholzborkenkäfer, Buchenborken- oder Buchenprachtkäfer legen ihre Brut unterhalb der Rinde ab. Der Wassertransport vom Stamm in die Blätter und der Nährstofftransport in entgegengesetzter Richtung ist damit an den betroffenen Bäumen gestört. "Ob die Buchen in der Lage sind, mit diesem Problem fertig zu werden, wissen wir nicht. Uns fehlt in diesem Bereich jegliche Erfahrung", gibt Daniel Rittler zu. Er selbst hat von diesen Käferarten noch keinen zu Gesicht bekommen. Das Holz der befallenen Buchen ist auf jeden Fall minderwertig. Ein Stamm ist normalerweise hell, befallene Stellen verfärben sich erst rot und werden später schwarz. Das Holz ist dann für die Möbelhersteller uninteressant. "Für Brennholz sind die dürren Bäume nicht schlecht. Sie sind sozusagen vorgetrocknet und brauchen keine zwei Jahre gelagert zu werden. Das Holz kann schon nach einem Jahr in den Ofen wandern", versucht sich Daniel Rittler in Galgenhumor. Doch dafür ist das Holz eigentlich zu schade. Von den Käfern befallen sind auch schöne große Buchen, die einen stattlichen Umfang haben.



Neben den Käfern siedeln sich auch Hallimaschpilze auf den Stämmen an und beschleunigen damit ebenfalls den Zersetzungsprozess des Holzes. Doch auch ohne diese Baumschädlinge leidet der Wald. "Seit eineinhalb Jahren hat es wenig geregnet. Der Boden ist extrem trocken", sagt Daniel Rittler. Obwohl es in der Nacht zuvor wenigstens ein bisschen geregnet hat, ist am Morgen der Boden unterhalb der etwa drei Zentimeter dicken Laubschicht nicht einmal feucht. "Den Niederschlag nimmt sich die Vegetation an der Oberfläche. Unheimlich trocken sind die tieferen Regionen", weiß Daniel Rittler dank Bodenproben. Die benachbarten Eichen kommen mit der extremen Trockenheit besser klar. Sie haben tiefere Wurzeln und kommen deshalb noch an Wasser.



Im Spätsommer 2003 haben die Buchen ihre Blätter eingerollt und abgestoßen. "Schon da sind die ersten Buchen abgestorben", so der Revierleiter. Dieses Jahr sind die Buchen noch früher dran, der Winter hatte zu wenig Niederschläge gebracht, um das Defizit des heißen Sommers ausgleichen zu können. "Ohne die Landeswasserversorgung wäre es hier eine Katastrophe, es gäbe einen absoluten Wassernotstand", sagt Daniel Rittler. In solch trockenen Zeiten herrscht große Waldbrandgefahr. Rauchen und wilde Feuerstellen auch am Waldrand sind daher verständlicherweise verboten.



Ein anderes Phänomen hat der Förster an der gleichen Stelle beobachtet: junge Eschen haben Ozonschäden. Die obersten Blätter sind eingerollt, ohne dass Insektenbefall festzustellen ist. Zudem stehen die Eschen im Schatten der großen Bäume ein weiteres Indiz für hohe Ozonbelastung. Ob ein Zusammenhang mit der Überlandleitung besteht, die dort verläuft, oder ob all die Faktoren zusammen genommen gerade in diesem Bereich zu dem überdurchschnittlichen Buchensterben geführt haben, vermag der Förster nicht zu sagen.



Retten, was zu retten ist, lautet nun die Devise für die Förster. Allerdings müssen die Buchen noch einige Monate durchhalten, denn gefällt werden können sie erst in den Wintermonaten, wenn der Stamm kein Wasser mehr führt. "Wir sind im Moment nur Leichenbestatter. Es ist frustrierend", so der Förster. Seit Lothar kommen er und seine Waldarbeiter kaum noch zu ihrer eigentlichen Aufgabe, sondern rennen nur den Katastrophen hinterher. Das heißt, sie halten nach käferbefallenen Bäumen Ausschau und fällen sie, damit sich die Insekten nicht noch mehr ausbreiten können.

Daniel Rittler deutet auf eine der dürren Buchen.