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Die Bergseite der Straße ist ins Rutschen gekommen

Umfangreicher als ursprünglich geplant ist die Sanierung des Hangs am Fuß der Grabenstetter Steige geworden. Der Bereich oberhalb der Straße ist ins Rutschen geraten und wird nun mit langen Stahlnägeln und Hochleistungsgitternetzen gesichert.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN Krach machen im unteren Bereich der Grabenstetter Steige zurzeit nicht nur die Kieslaster, die zum nahegelegenen Steinbruch wollen oder von dort kommen, sondern auch überdimensionale Bohrmaschinen. Damit später knapp 30 Millimeter dicke Stahlnägel im Fels verankert werden können, müssen bis zu zehn Meter tiefe Löcher gebohrt werden. Begleitet werden diese Arbeiten von Gesteinsstaubwolken, die den Hang hinab über die Straße wehen und Bäume und Sträucher mit einer hellen Schicht einhüllen.

Sind die Stahlröhren in den Fels getrieben und einbetoniert, werden sie mit einem Drahtgeflecht verbunden. Darunter befindet sich ein Gewebe aus Kokosfasern, in dem Samen sind. "Wir wollten nicht mit Beton arbeiten, das sieht einfach nicht schön aus. Die Maßnahme wird naturnah ausgeführt", erklärt Christof Blank vom Ingenieurbüro Peter Zoller in Stuttgart. Er hofft, dass im Frühjahr die Samen aufgehen. Die ersten zwei Jahre wird es dort zwar noch kahl aussehen, danach dürfte sich die Natur den Hang zurückerobern. "Wir wenden hier eine neue Technik an, die aus der Schweiz und Österreich kommt. Dabei handelt es sich um eine richtige Hangsicherung", beschreibt Christof Blank. Die Arbeiter sind Experten aus Bayern, die mit eigenem Gerät kommen.

Wie noch vor wenigen Jahren mit solchen Naturereignissen umgegangen wurde, ist in direkter Nachbarschaft zu sehen. Das Erdreich ist dort abgetragen und hohe, mit Steinen gefüllte Stahlnetze, so genannte Gabionen, säumen die Straße. Mit der nun angewandten Technik ist der Aufwand wesentlich geringer und somit auch kostengünstiger.

Ursprünglich hätte nur die Talseite in diesem Bereich saniert werden sollen. Bei einem Vor-Ort-Termin stellten die Fachleute fest, dass auch die Bergseite ins Rutschen geraten ist. Ein Baum war schon in Schräglage geraten, sodass sofort die Abholzung angeordnet wurde. Als dies erledigt war, wurde das Erdreich abgetragen, das schon in Bewegung war. "Somit ist die Maßnahme weit umfangreicher geworden als geplant und wir hinken dem ursprünglichen Zeitplan um etwa zwei oder drei Wochen nach", sagt Horst Kreutzer vom Baureferat Süd beim Regierungspräsidium Stuttgart. Seine Behörde mit Sitz in Göppingen ist für die Erhaltung von Bundes- und Landesstraßen in den Kreisen Esslingen, Göppingen und Rems-Murr zuständig.

"Das Wasser ist die Krux", nennt Christof Blank die Ursache der Rutschung. Hat sich die relativ dünne Erdschicht mit Wasser vollgesogen, rutscht sie über den Kalkstein. "Wir haben deshalb ein Erosionsproblem", so Christof Blank. Er hofft, dass die Arbeiten bis Mitte oder Ende nächster Woche abgeschlossen sind. "Wenn das Wetter so bleibt, werden wir anschließend mit der Straßensanierung auf diesem Teilstück beginnen können, ansonsten wird diese Maßnahme ins Frühjahr verschoben", so der Ingenieur. In den nächsten Jahren soll sowieso die gesamte Steige saniert werden. Die Autofahrer, die seit geraumer Zeit einspurig und durch eine Ampelschaltung geregelt die Strecke passieren können, dürfen sich in Zukunft auf weitere Behinderungen einstellen. "Ein Stück weiter oben sieht es ähnlich aus wie hier. Wir müssen damit rechnen, dass dieser Hang nach den nächsten zwei Wintern ebenfalls ins Rutschen kommt", befürchtet Blank.