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"Die Besucher sollen sich anständig verhalten"

Ihr neues Schmuckstück, die umgebaute Gemeindehalle, ist den Notzingern sehr ans Herz gewachsen. Kein Wunder also, dass es sie schmerzt, wenn nicht pfleglich mit ihr umgegangen wird, wie beispielsweise bei den deutschen Dartmeisterschaften.

IRIS HÄFNER

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NOTZINGEN "Wenn es nicht die deutschen Meisterschaften gewesen wären, hätten alle innerhalb einer Stunde zusammenpacken können", erklärte Notzingens Bürgermeister Flogaus zu den Vorkommnissen in der Gemeindehalle am 18. und 19. März. Da der begeisterte Fußballfan aber kein Spielverderber sein wollte, musste sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit den Folgen der Veranstaltung befassen.

Die Wände waren stark verschmutzt, weil sich die Zuschauer an sie lehnten und mit ihren Schuhen etwa einen halben Meter hoch schwarze Streifen auf der hellen Wand hinterließen. Zwischenzeitlich sind die Spuren dank einer intensiven Reinigung an der sich auch der Veranstalter, die Kirchheimer "Schafschutzen", beteiligt hat größtenteils verschwunden. Da eine weitere Säuberung die Dispersionsfarbe angreifen würde, entschlossen sich die Mitglieder des Ausschusses für Technik und Umwelt, eine "Art Latexfarbe" an der Westseite anzubringen. Der Vorteil: Sollte es zu ähnlichen Verschmutzungen kommen, lässt sich die Wand abwaschen. "Man sieht farblich keinen Unterschied", konnte der Schultes von der erfolgreichen Aktion berichten.

"Sollten wir die Farbe nicht testen, ob sie sich bewährt und die Flächen auch tatsächlich abwaschbar sind?" fragte Rudolf Kiltz, als Jochen Flogaus den Vorschlag unterbreitete, auch die gegenüberliegende Wand im unteren Bereich so zu streichen. Gegen einen solchen Test spricht auch aus Sicht von Jochen Flogaus nichts. Der Schultes hat zudem schon eine Garantie vom Hersteller verlangt.

"Der Architekt hätte eigentlich wissen müssen, dass die Halle auch mal gebraucht wird und auf so eine empfindliche Farbe verzichten können", warf Herbert Hiller dem Planer vor. Diesen nahm der Schultes aber in Schutz: "Wir haben eine Festhalle geplant und keine Mehrzweckhalle. Man kann deshalb davon ausgehen, dass die Benutzer sorgsam mit dem Gebäude umgehen."

"Aus Fehlern lernt man", so die Konsequenz von Jochen Flgoaus. In Zukunft soll es seiner Ansicht nach entsprechende Auflagen für die Veranstalter geben, um ähnliche Vorfälle zu vermeiden. "Dann haben wir in Notzingen außer den üblichen Vereinsfeiern keine hochkarätigen Veranstaltungen mehr aber gerade das wollten wir", kritisierte Rudolf Kiltz diesen Vorschlag.

Dies wollte der Schultes nicht unkommentiert stehen lassen: "Das kommt auf das Publikum an. Ich will nicht nach zwei Jahren wieder die Halle renovieren." Dass es möglich ist, viele und gute Veranstaltungen bei gleichzeitig pfleglichem Umgang mit der Immobilie zu organisieren, zeige die Sporthalle. "Sie ist seit fast sieben Jahren in Betrieb und ist noch top in Ordnung weil wir dahinter her sind und keine ,Sauigel' reinlassen", wurde der Schultes deutlich, der mit einem normalen Maß an Verdrecktheit durchaus leben kann.

"Wir haben so eine schöne Halle. Da darf man schon schauen, dass sie in Ordnung bleibt", sagte Barbara Ziegler, und für Herbert Hiller ist es kein Problem, zusätzliche Reinigungskosten dem jeweiligen Veranstalter in Rechnung zu stellen. "Dann gibt es halt eine verschärfte Benutzungsordnung", erklärte er.

"Wenn wir die Angelegenheit unaufgeregt betrachten, kommen wir zu folgendem Schluss: Mit viel Steuergeldern haben wir die Halle renoviert. Das haben wir gemacht, damit sie auch genutzt wird", sagte Günter Barz. Wenn sich eben nach jeder zweiten Veranstaltung herausstelle, dass irgend etwas nicht optimal gelaufen ist, müssten entsprechende Schlüsse gezogen werden. "Dann machen wir einen Latexanstrich und stellen klar, dass kein Boden verklebt werden darf. Wir müssen einfach dazulernen, wenn wir weiterhin vielfältige Veranstaltungen wollen", lautete sein Fazit.

Für Jochen Flogaus gibt es sowieso eine einfache Lösung für das Problem: "Diejenigen, die die Halle nutzen, sollen sich anständig verhalten."