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"Die Betroffenheit geht weit über die Filderregion hinaus"

Mit einem Aktionsbündnis wollen Oberbürgermeister und Bürgermeister aus drei Landkreisen auf der politischen Ebene gegen den Bau einer zweiten Start- und Landebahn des Stuttgarter Flughafens sowie eine Aufweichung des Nachtflugverbots aktiv werden. Das Bündnis soll auch demonstrieren, dass die Betroffenheit weit über die Filder hinausgeht.

KLAUS HARTER

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NEUHAUSEN Der Kommunale Arbeitskreis Filder (KAF) hatte alle Verwaltungschefs in der Region nach Neuhausen eingeladen. Vertreter aus 51 Städten und Gemeinden und der Esslinger Landrat Heinz Eininger waren gestern zu einem Informations- und Meinungsaustausch nach Neuhausen gekommen. Dass so viele Kolleginnen und Kollegen der Einladung folgten, hat den KAF-Vorsitzenden und Bürgermeister von Neuhausen, Ingo Hacker, überrascht. Das Aktionsbündnis will nun der Aufforderung von Innenminister Heribert Rech an die Kommunen folgen und bis 30. Januar Fragen erarbeiten, die im Gutachten der Landesregierung zum Flughafenausbau geklärt werden sollen. Die Verwaltungschefs laden Rech zudem zu einem Gespräch in großer Runde ein, bei dem sie ihm den Fragenkatalog persönlich übergeben wollen.

Der Esslinger Landrat Heinz Eininger sieht eine Chance, den Flughafenausbau zu verhindern, "wenn wir nicht nur ablehnen, sondern uns konstruktiv an der Diskussion beteiligen". Außer der Wirtschaftlichkeit des Flughafens müsse auch geprüft werden, wie die volkswirtschaftliche Bilanz aussehe. Er forderte eine Gesamtschau, in der neben dem Flughafenausbau ebenfalls der geplante Ausbau des Straßennetzes und die Planungen der Kommunen einfließen müssten. Untersucht werden müsse zudem, wie Flugverkehr auf die anderen Flughäfen im Land verlagert werden könne. Das Land habe 2002 einen Lärmminderungsplan aufgestellt, ein Flughafenausbau würde jedoch die Lärmbelastung erhöhen.

Die Strukturkommission Filder sei gegründet worden, um den Landwirten Perspektiven aufzuzeigen. Auch das sei zu berücksichtigen. Die nötige Gesamtschau werde zeigen, dass die Grenzen auf den Fildern erreicht seien, meinte Eininger. Für ihn geht es auch um die politische Glaubwürdigkeit. An den Zusagen der früheren Ministerpräsidenten Lothar Späth und Erwin Teufel, es werde keinen weiteren Ausbau des Flughafens geben, müssten sich alle Landesregierungen messen lassen.

"Dem Flughafen steht eine Entwicklung zu", betonte der KAF-Vorsitzende Ingo Hacker. Dafür sei aber kein Ausbau nötig, der Bestand ermögliche bis zum Jahr 2020 ein jährliches Wachstum von 2,8 Prozent. Sollte der Flugverkehr aber tatsächlich so stark wachsen, wie in dem Flughafengutachten prognostiziert wird, müsse der Flughafen ohne zweite Startbahn und Verkürzung des Nachtflugverbots auf drei Millionen Fluggäste verzichten, das entspreche gerade mal zwei Prozent des gesamten Aufkommens in Deutschland. Dem müsse man die Belastungen entgegensetzen, die ein Aubaus mit sich brächte, meinte Hacker.

Das Treffen habe gezeigt, dass die Betroffenheit in der Region wesentlich weiter reiche, als die Lärmkurven des Flughafens zeigten, sagte Frank Otte, Erster Bürgermeister von Leinfelden-Echterdingen. Selbst das Wachstum von vier Millionen Passagieren, das ohne Ausbau möglich sei, müssten die Straßen in der Region erst einmal bewältigen. Der Wirtschaft in der gesamten Region drohe die Gefahr, dass zwar Aufträge über Flugzeuge hereinkommen, sie aber nicht erfüllt werden könnten, weil verstopfte Straßen die Auslieferung behindere. Wenn auf den Fildern die A 8 und B 27 verstopft sind, spürten die Orte im Kreis Böblingen deutlich die Verlagerung des Verkehrs, berichtete Wilhelm Dölker, Bürgermeister von Holzgerlingen. Dieter Lentz, Erster Bürgermeister von Filderstadt, befürchtet, dass die Infrastruktur der Region ein hohes Passagierwachstum des Flughafens nicht verkraftet und als Folge dessen die Wirtschaft Einbußen erleidet. Die Folgen wären dann über die Region hinaus zu spüren.