Lokales

Die Brücke im Ortsbild

Die Gemeinde Dettingen versucht sich im Brückenbauen. Ein Steg über Bahngleise und Bundesstraße soll möglicherweise Ortskern und Guckenrain verbinden. Bislang ist das aber noch Zukunftsmusik: Jetzt hat der Gemeinderat erst einmal beschlossen, ein Fachbüro mit Kostenschätzungen zu beauftragen.

ANDREAS VOLZDETTINGEN Die entscheidende Frage stellte Bürgermeister Rainer Haußmann schon frühzeitig: "Ist die Investition kommunalpolitisch zu vertreten?" Eine Antwort darauf wird es aber so schnell nicht geben, weil die Investitionshöhe noch gar nicht zu beziffern ist. Deshalb soll nun das Stuttgarter Ingenieurbüro Fischer und Friedrich anhand von Voruntersuchungen für die beiden Varianten "Mitte" und "Süd" die Kosten schätzen. Pro Variante fällt dafür ein Honorar von rund 2 150 Euro an.

Anzeige

Bei der südlichen Variante sprach Diplom-Ingenieur Roland Fischer von "städtebaulichen Schwächen". Um mit einer "Spindel" auf sechs Meter Höhe für den Fuß- und Radweg zu gelangen, sei bei zumutbarer Steigung ein großer Durchmesser notwendig. "Die Nähe zur Bebauung ist kritisch", führte der Fachmann weiter aus. "Man geht den Bewohnern im zweiten Stock am Fenster vorbei, mit sieben Metern Abstand." Außerdem benötige die Südvariante größere Spannweiten, was automatisch höhere Kosten verursacht.

Dennoch wollte eine Mehrheit des Dettinger Gemeinderats auch eine erste Kostenschätzung für diese Variante in Auftrag geben: Dafür hat sich das Gremium mit acht zu fünf Stimmen entschieden bei einer Enthaltung. Roland Fischer empfahl dabei, eine südliche Trasse ohne "Spindel" zu untersuchen. Beim Auftrag für die Variante "Mitte", die den Aufgang zum Steg über eine Rampe in einem langezogenen Halbkreis nördlich des Bahnhofs vorsieht, hatte es lediglich eine Gegenstimme gegeben.

In der Diskussion hatte Dr. Werner Hack bereits verkündet, dass seine FWG-Gruppe das gesamte Vorhaben skeptisch betrachte: Eine lange Rampe sei ungünstig für das Ortsbild, Parkplätze am Bahnhof gingen verloren, und außerdem werde der Steg vielleicht gar nicht angenommen. Johannes Stulz (CDU/FWV) hielt dagegen, dass die Brücke auch eine Bereicherung für das Ortsbild darstellen könne und dass die vorhandene Unterführung noch weniger angenommen werde, wenn die Bundesstraße einmal ausgebaut sein sollte.

Bei Dietmar Vogt (SPD) überwog wiederum die Skepsis. Trotzdem wollte er vor einer endgültigen Entscheidung gerne wissen, was beide Varianten an Gesamtkosten mit sich bringen würden. Roland Sigel (CDU/FWV) plädierte schließlich dafür, einen Schritt nach dem anderen zu gehen: "Wenn wir die Kosten auf dem Tisch haben und wissen, was wir an Zuschüssen kriegen und was wir selbst bezahlen müssen, dann können wir Für und Wider abwägen. Ich möchte den Steg nicht von vornherein ablehnen, aber auch nicht aus dem Stegreif ja oder nein sagen."