Lokales

"Die entscheidende Definition fehlt"

Nichts Neues in Sachen geplantes Biosphärengebiet "Schwäbische Alb", trotzdem musste sich der Lenninger Gemeinderat während seiner jüngsten Sitzung mit dem Vorentwurf der Mantel-Verordnung befassen. Lenningen unterschreibt so lange nicht, bis der Schutzzweck feststeht.

IRIS HÄFNER

Anzeige

LENNINGEN Das geplante Biosphärengebiet ist Thema in Lenningen. Dies zeigte die Bürgerfragestunde zu Beginn der Gemeinderatssitzung, als Dr. Anke Trube von der Lokalen Agenda gleich mehrere Anfragen und Anregungen dazu hatte. Ihr ist unklar, weshalb die Streuobstwiesen nicht in diesem Gebiet enthalten sind, wo dies doch für die regionale Vermarktung wichtig wäre. "Bewusst werden ganze Ortschaften reingenommen, um das Gütesiegel Biosphärengebiet zu erhalten", so ihr Wissensstand.

Dieser Aspekt ist Lenningens Bürgermeister Schlecht nicht bekannt. Er versprach aber, diesbezüglich nachzuforschen. "Ich habe die Sorge, dass dann irgendwann die ganze Gemeinde per Dekret des Regierungspräsidiums zur Kernzone erklärt wird. Wir sollten nicht zu viel Flächen übergeben, wenn nicht klar ist, auf was wir uns einlassen", befürchtet er. Seiner Ansicht nach reicht für die Flächen, die nicht für das Biosphärengebiet vorgesehen sind, ein Landschaftsschutzgebiet völlig aus. "Wir haben auch eine Verpflichtung gegenüber den Privateigentümern. Ob im Biosphärengebiet beispielsweise eine ordentliche Holzbewirtschaftung möglich ist, steht in den Sternen", sagte er weiter.

Auch was die Finanzierung anbelangt, ist bislang nichts Konkretes bekannt. "Ursprünglich hat es geheißen: 70 zu 30. Seit der Landtagswahl habe ich aber nichts mehr gehört", sagte der Schultes. Landrat Heinz Einiger will den Anteil des Kreises an den Kosten für das Naturschutzzentrum Schopflocher Alb festzurren. "Ich sympathisiere mit dem Landrat, bin aber skeptisch, ob er damit durchkommt", so Michael Schlecht. Nichtsdestotrotz sei das Naturschutzzentrum ein Pfund, mit dem man wuchern könne.

Der Schultes riet dem Gemeinderat, vom aktuellen Gebietsvorschlag und dem Vorentwurf einer Mantel-Verordnung des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum zum Biosphärengebiet "Schwäbische Alb" lediglich Kenntnis zu nehmen. "Ich vermisse das Entscheidende: den Schutzzweck", stellte er klar. Unter Paragraf drei, Absatz zwei, stehen drei Pünktchen hinter dem Stichwort Schutzzweck. "Ist das zum Selber-ausfüllen?", fragte der Schultes provokativ. Solange in diesem Abschnitt nicht klar aufgeführt wird, womit zu rechnen ist, gibt es von Lenninger Seite keine Unterschrift. Dies ist nicht nur die Meinung von Michael Schlecht, sondern des gesamten Gemeinderats.

Verwundert ist Michael Schlecht auch, dass Lenningen schon zum "Nordportal" des Schutzgebiets erklärt wurde. "Wir sind aber noch nicht dabei. Wir haben darüber noch nicht abschließend beraten", stellte er klar.

Der Schultes steht jedoch hinter dem Projekt. "Das ist eine Chance, mittel- bis langfristig ist davon auszugehen, dass nur noch für großflächige Schutzgebiete Zuschüsse gewährt werden. Wir wären schlecht beraten, uns nicht dem Biosphärengebiet anzuschließen. Aber es muss noch Butter bei die Fische wir brauchen mehr Informationen", so Michael Schlecht.