Lokales

Die Enttäuschung der Bürgervertreter sitzt tief

Zwei Hochdorfer FUW-Gemeinderäte legen ihr Ehrenamt nieder. Claus Jenz scheidet nach 13 Jahren aus, der stellvertretende Bürgermeister und einstige Stimmenkönig Josef Geiger geht bereits nach acht Jahren. Dass das Ausscheiden nicht nur berufliche Gründe hat, sondern von persönlicher Betroffenheit über den zwischenmenschlichen Umgang am Ort geprägt ist, machten die Abschiedsworte des FUW-Vorsitzenden Willi Heber deutlich.

PETRA BAIL

Anzeige

HOCHDORF "Wenn zwei Gemeinderäte ihr undankbares Mandat niederlegen, sollten die Alarmglocken läuten", warnte Heber. Für ihn geht das Jahr mit dem Kampf um den Golfplatz und die erneuten Querelen um Pflegeheim und Supermarkt in die Geschichte Hochdorfs ein. "Das Vertrauensverhältnis zwischen Gemeinderat und Verwaltung war oder ist gestört." Er sprach von großer Verbissenheit, mit der Argumente verteidigt wurden. "Wie tief die Enttäuschung sitzt, zeigt der Rücktritt zweier Gemeinderäte mitten in der Wahlperiode."

Bürgermeister Roland Erhardt hob die Verdienste der beiden Männer, die sich so lange Jahre im Ehrenamt engagiert haben, hervor. Er betonte, dass für Jenz bereits bei der letzten Wahl feststand, dass er nach dieser Periode einem Nachfolger die Chance geben möchte. Der scheidende Bürgervertreter und Bautechnikexperte appellierte an all jene, die sich so vehement in Leserbriefen, mit Aktionen und Kritik hervorgetan haben, sich zur Wahl zu stellen. "Dann werden sie sehen, dass es nicht so einfach ist, wie man es sich vorstellt", sagte Jenz.

Josef Geiger, der bei der Gemeinderatswahl mit 2904 Stimmen ein Ergebnis erzielte, das es in Hochdorf noch nie gab, nennt zum einen berufliche Gründe für sein vorzeitiges Ausscheiden. Die Übernahme einer zweiten Apotheke in Plochingen vor einiger Zeit benötige viel Einsatz. Zum anderen führt er persönliche und wirtschaftliche Nachteile an, die sich durch sein Engagement ergeben hätten. "Ich lebe vom Beruf und nicht vom Ehrenamt." Häufig würden Gemeinderatsentscheidungen von Bürgern nicht akzeptiert. Doch in diesem Jahr sei es extrem gewesen. Kunden seien weggeblieben. "Ich lass' es mir nicht gefallen, dass ich bestraft werde, obwohl ich arbeite wie ein Kesselflicker."

Nach dem Herzinfarkt des Bürgermeisters habe Geiger als dessen Stellvertreter in diesem Sommer gemeinsam mit Kämmerin Lydia Haller zahlreiche Termine für die Gemeinde wahrgenommen, erklärte Erhardt. Er findet das Ausscheiden Geigers ebenso schade, wie seine Mitarbeiter. "Ich bedauere, dass Teile der Hochdorfer Bevölkerung sie für ihr Engagement bestrafen."

Exemplarisch dafür steht die Anekdote Geigers, der von einer Bürgerin erzählte, die ihm im Sommer klipp und klar verkündete, dass er Kunden verlieren werde, wenn er für den Golfplatz stimme. Stimme er dagegen, bleiben die anderen weg, argumentierte er. Sie empfahl, einfach nicht zur Abstimmung zu gehen. Eine Lösung, die für den politisch verantwortungsbewussten Geiger nicht in Frage kam. Auch für Familie und Mitarbeiter wurde das "Sommertheater" in der Apotheke zusehends zur Belastung. Mit seinem Abschied entspricht er deren Wunsch, dies nicht weiter ertragen zu müssen. Nachrücken werden Jürgen Weber und Gerd Häfner am 8. Januar in der ersten Sitzung 2008.