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Die Erdwärme als Energielieferant der Zukunft

Die gut besuchte Veranstaltung in der Dettinger Schlossberghalle bescherte den Interessenten einen Überblick über das breit gefächerte Angebot. Von der EnBW über Unternehmen, die Bohrungen anbieten, bis hin zu Spezialisten mit dem nötigen Know-how in der Anwendung geothermischer Heizsysteme reichte die Palette. Eine Podiumsdiskussion unter Beteiligung des Staatssekretärs Dieter Hillebrand und des CDU-Landtagsabgeordneten Karl Zimmermann rundete die Veranstaltung ab.

RAINER STEPHAN

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DETTINGEN Der Klimaschutz steht im Mittelpunkt einer auf Nachhaltigkeit setzenden Umweltpolitik. Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, mit der Nutzung der Erdwärme den Anteil erneuerbarer Energien bis zum Jahr 2010 zu verdoppeln und deshalb die Geothermie, die unterhalb der Erdoberfläche gespeicherte Erdwärme, zu fördern.

Karl Zimmermann, der sich als Gegner der Windkraft bezeichnete, wies in seiner Begrüßungsansprache auf den erst- und einmaligen Charakter der Informationsveranstaltung hin. Während er früher die neue Technik skeptisch beurteilt habe, stehe er heute voll hinter der Sache.

Die Landesregierung Baden-Württembergs habe zum 1. April die Förderung geothermischer Heizanlagen beschlossen und bereits in diesem Jahr 1 Million Euro bereitgestellt. Die Zuschussanträge lägen druckfrisch vor und würden nach dem "Windhundprinzip" bearbeitet.

Franz Pfeffer als Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung ging auf den Ursprung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Ressourcen ein. So habe im 18. Jahrhundert der Begriff der Nachhaltigkeit erstmals Erwähnung gefunden als Reaktion auf die enormen Schäden der Baumabholzungen im Mittelmeerraum.

Verschiedene Fachvorträge gaben den anwesenden Häuslebauer Aufschluss über Bohranlagen, Wärmepumpen, Anschlussarbeiten sowie die Erdwärmenutzung im Einfamilien-, Doppel- und Reihenwohnhaus. Parallel informierten die Aussteller und Architekten an ihren Ständen. Eine Frage aus dem Publikum über die Problematik bei Naturkatastrophen beschied Fachingenieur Andreas Kiefer mit der Feststellung, dass die Technik erdbebensicher sei.

Seine Freude über das Erscheinen des Staatsekretärs im Umwelt- und Verkehrsministerium, Dieter Hillebrand, zur Podiumsdiskussion verband der Veranstaltungsinitiator Karl Zimmermann mit der Hinweis auf den epochalen Charakter der Veranstaltung: "Das ist die Geburtsstunde der Erdwärmeförderung!".

Der Staatsekretär wies in seinem Kurzvortrag zum Thema "Erdwärme Kraft, die aus der Tiefe kommt" auf die Entscheidungskriterien Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz hin. Zwei Drittel der Fläche Baden-Württembergs seien für die Technik geeignet. Das Kabinett habe auch die Genehmigungsmodalitäten bis zu einer Bohrtiefe von 100 m erleichtert. "Bitte investieren sie, so lange der Vorrat reicht", ermunterte der aus Reutlingen stammende Staatsekretär die Zuhörer.

Konkrete Zahlen nannte Dr. Martin Sawillion von der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA), die für die Zuschussbearbeitung zuständig ist. Mit 14 Euro Zuschuss pro Bohrmeter Sondenlänge ist bei 250 m Bohrtiefe das Zuschussmaximum in Höhe von 3500 Euro je Anlage ausgeschöpft.

Dem Zuschussantrag müssten Angebote, die Bohranzeige sowie die Reaktion der Genehmigungsbehörde hierauf beigefügt werden. Der Fachmann ließ die Zuhörer jedoch nicht im Unklaren darüber, dass Erdwärmesysteme immer noch teurer als konventionelle Anlagen seien.

In der von Erich Sigel moderierten Diskussionsrunde wurden häufig Fragen zur Wirtschaftlichkeit gestellt. Beim Neubau eines Reihenmittelhaus, so Andreas Kiefer, würden sich die Mehrkosten bereits nach 6 bis 7 Jahren amortisieren.

Der Staatssekretär konnte hierzu konkrete Zahlen aus dem jüngst erfolgten Bau seines frei stehenden Einfamilienhauses beisteuern. Bei 7500 Euro investiven Mehrkosten erziele er eine Einsparung von 700 Euro Betriebskosten jährlich. Der Strom für den Betrieb dieser Technik würde zum günstigeren Umwelttarif geliefert.

Dieter Hillebrand und Karl Zimmermann legten gegenüber Fragestellern Wert darauf, die Fördermittel auch im nächsten Doppelhaushalt 2007 / 2008 in den Landeshaushalt einstellen zu wollen.