Lokales

Die Erfolgsgeschichte eines alten Vulkanschlots

So langsam sind sie dabei, ihren Erfolg zu begreifen und zu verarbeiten: Marcel Brodbeck und Andreas Dürner hatten am Wochenende in Dortmund beim Bundeswettbewerb "Jugend forscht" den zweiten Platz in der Kategorie "Geo- und Raumwissenschaften" belegt mit ihrer "Untersuchung der geologischen Anomalie ,Bol' bei Kirchheim" (wir berichteten).

ANDREAS VOLZ

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KIRCHHEIM Vielfältige Anerkennung hatten die beiden Schüler des Kirchheimer Schlossgymnasiums auch schon vor dem krönenden Abschluss ihrer "Jugend forscht"-Teilnahme in Dortmund erhalten. Dabei waren sie bei der Anmeldung zum Regionalwettbewerb noch ziemlich "unbefangen", wie der Weilheimer Andreas Dürner im Nachhinein erzählt: "Da hatten wir noch nicht einmal ein Ergebnis vorzuweisen." Zwischenzeitlich haben die Abiturienten mit modernsten wissenschaftlichen Methoden nachgewiesen, dass es sich beim "Bol" in der Nähe des Dettinger "Käppele" um einen ehemaligen Vulkanschlot handelt. Als Landessieger vertraten sie Baden-Württemberg im Fachgebiet "Geo- und Raumwissenschaften" und hofften auf einen Platz unter den ersten Fünf im 40. Bundeswettbewerb.

"Realistisch betrachtet konnten wir nicht wirklich auf den Sieg spekulieren", sagt Andreas Dürner und berichtet, wie alle Teilnehmer der geo- und raumwissenschaftlichen Kategorie am Abschlusstag auf die Bühne in der Energiehalle der Deutschen Arbeitsschutzausstellung in Dortmund gerufen wurden, um im Beisein von Bundespräsident Horst Köhler und Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn das Ergebnis der Jury-Entscheidung zu erfahren. Der Moderator hat mit der Bekanntgabe des fünften Platzes begonnen. Als die beiden Kirchheimer Gymnasiasten beim dritten Platz immer noch nicht genannt worden waren, hatten sie den Gedanken an eine Spitzenplatzierung innerlich bereits abgehakt.

"Beim zweiten Platz hieß es dann: ,Wieder eine sehr schöne Arbeit, zu der ein Lehrer den Anstoß gegeben hat'", erinnert sich Andreas Dürner an den entscheidenden Augenblick. Als dann noch von einem Hügel die Rede war, der sich als Vulkanschlot erwiesen hatte, war der zweite Platz der Nachwuchsforscher aus Baden-Württemberg so gut wie amtlich. "Das war wirklich eine Überraschung", meint der Dettinger Marcel Brodbeck rückblickend.

Als erster hat ihnen Moderator Ranga Yogeshwar vom WDR-Wissenschaftsmagazin "Quarks & Co" dazu gratuliert, unter den 16 Landessiegerprojekten in ihrer Rubrik die zweitbeste Bewertung bekommen zu haben. Bundessieger wurde der bayerische Teilnehmer Markus Giftthaler mit seiner Arbeit zur Astrospektroskopie. Der dritte Platz ging an die Hamburgerinnen Birte Katharina Marquardt und Jannike Pasche, die sich mit dem Phänomen des "schrumpfenden" Aralsees befasst hatten. Schon allein an den ersten drei Plätzen zeigt sich die enorme Themenstreuung bei den Geo- und Raumwissenschaften. "Da ist alles drin. Für die Jury ist es schwierig, die Arbeiten zu vergleichen und zu bewerten", stellt Andreas Dürner fest.

Für die beiden Schlossgymnasiasten gilt aber ohnehin das Motto: "Dabeisein ist alles." Sie profitieren nicht nur vom Preisgeld, sondern auch von den Erfahrungen, die das Projekt und die Wettbewerbsteilnahme gebracht haben. Wegen der hervorragenden Platzierung in Dortmund haben sie zudem eine Einladung zum Empfang der erfolgreichsten Jungforscher beim Bundeskanzler in Berlin erhalten. Auch am Auswahlseminar der Studienstiftung des deutschen Volkes können die Kirchheimer Vulkanspezialisten teilnehmen. Dabei winken ihnen Stipendien für das anstehende Studium. Einen entscheidenden Vorteil haben die beiden Gymnasiasten aber bereits in drei Wochen beim Abitur, wie Marcel Brodbeck erwähnt: "Wir können durch unser Projekt eine der mündlichen Prüfungen ersetzen."

INFODetails über die Forschungsarbeit von Andreas Dürner und Marcel Brodbeck sind im Internet unter www.schlossgymnasium-kirchheim.de zu finden.