Lokales

„Die Familie hält zusammen“

Kirchheim. Einfache Zeiten waren es wahrlich nicht, als sich Wilma Laub und Peter Filip erstmals begegneten. Es war im Sommer 1948. Sie musste nach der Internierung irene strifler

Garten- und Feldarbeit in Kikinda in Serbien leisten, er war aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt und arbeitete schwer in einer Gießerei. Auf dem Heimweg von der Arbeit sprach der 21-Jährige die Gleichaltrige auf serbisch an. Schnell stellte sich heraus, dass sich beide auch im vertrauten schwäbischen Dialekt unterhalten konnten. Schließlich waren beide Banater Schwaben.

Wilma Laub war in einem Dorf aufgewachsen. Als sie ihren Zukünftigen kennenlernte, hatte sie in der Internierung bereits viel mitgemacht, ihre Mutter war im Lager an Auszehrung gestorben. Als sie anfing, gemeinsam mit Peter Filip Pläne zu schmieden, war für beide klar, dass sie sich ein gemeinsame Zukunft in Deutschland aufbauen wollten.

Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg. Am 21. November 1948, Wilmas 21. Geburtstag, schlossen sie den Bund fürs Leben. Erst sechs Jahre später erhielten sie die Ausreiseerlaubnis und hatten auch das dafür erforderliche Kleingeld beisammen.

Mit zwei Kindern, zwei alten Leuten und zwei Koffern machten sie sich auf den Weg, der zu einer regelrechte Odyssee geriet. Vier Jahre in verschiedenen Flüchtlingslagern folgten. „Es gab einfach keinen Wohnraum“, erinnert sich Wilma Filip. Dass ihr Bruder in Stuttgart lebte, mag der Grund für die Zuteilung in den Kreis Esslingen gewesen sein.

1960 war es endlich so weit: Die Familie zog in eine Sozialwohnung in die Nellinger Parksiedlung. Dort blieben sie zwei Jahrzehnte. „In dieser Zeit haben wir eisern gespart und viel gearbeitet“, erzählt Peter Filip. Schließlich war es ihr sehnlichster Wunsch, einmal etwas Eigenes zu bewohnen. Aus purer Sparsamkeit gönnten sich beide nicht mal den Führerschein. „Das erste Auto haben wir dann für unsere Kinder gekauft“, erinnern sie sich gut.

Die Sparsamkeit führte zum gewünschten Erfolg. Über eine kurze Zwischenstation in einer eigenen Wohnung in Wendlingen kam die Familie schließlich nach Kirchheim und bezog hier ihr eigenes Haus. „Wichtig war uns, dass für alle Platz ist“, betont Wilma Filip. Das Konzept hat sich bewährt: Früher lebten die Eltern mit ihren Kindern unter einem Dach, heute wird eine der Wohnungen vom Sohn mit Familie, die andere von einem Enkel genutzt. Auch die Tochter lebt nicht weit entfernt, nämlich in Notzingen. „Dass die Familie zusammenhält, war uns immer ganz wichtig“, sagen die beiden „Familienoberhäupter“ mit Überzeugung.

Auch frühere Bekannte haben sie über all die Jahre nicht vergessen. Besuche in Serbien fanden immer wieder statt, außerdem wurden regelmäßig Päckchen geschickt. Die Erinnerung an Vergangenes ist wach und wird auch in vielen Erzählungen an die Enkel weitergegeben. Das Schicksal der Donauschwaben hat Wilma Filip außerdem in mehreren Büchern aufgearbeitet. Groll hegt sie keinen. Sie hat mit ihrer Familie in Kirchheim eine neue Heimat gefunden. Und morgen wird ordentlich mit Kindern und Enkeln gefeiert: die diamantene Hochzeit und gleichzeitig der 82. Geburtstag.

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