Lokales

Die ganze Welt rollt wieder einmal durch Wernau

Zigtausende von Zuschauern ließen sich am Samstag trotz nasskalten Wetters nicht vom Fasnetsumzug abhalten

Wernau. Ausgesprochen närrisch ging es am Samstag wieder in ganz Wernau zu. Zigtausende von Zuschauern ließen sich auch von trüben Wetteraussichten nicht davon

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Andreas Volz

abhalten, den großen Fasnetsumzug mitzuerleben. Und alle wurden belohnt – Narren wie Zuschauer –, denn von oben blieb es trocken. Gut durchnässt waren dagegen die Straßen, sodass sich für Konfetti, Stroh und sonstiges Wurfmaterial eine besondere Bodenhaftung ergab. Die Narren selbst wälzten sich teilweise mit großem Vergnügen in der verschmutzten Nässe, teilweise zogen sie es vor, nicht am Boden zu bleiben. So bauten sie ihre Menschenpyramiden auf oder erstiegen mit großer Gewandtheit Ampelmasten.

„Herausragend“ unter den 90 angekündigten Gruppen waren die „Glotterpiraten“ aus dem Schwarzwald, die ein veritables Piratenschiff – die „Bloody Mary“ – per Lastwagen durch die Straßen fuhren. In den oberen Etagen und vor allem im Mastkorb tauchten die Piraten permanent unter den bunten Fähnchen durch, mit denen Wernaus Straßen überspannt waren. Und was die Ampeln betrifft, so musste der Fahrer, der auch ein beeindruckendes Geisterbahn-Gorilla-Monster auf seinem Wagen spazieren fuhr, immer wieder im Slalom um die Lichtzeichen he­rumfahren, die dort massenweise in die halbe Straße hineinragen.

Den Gegenentwurf zu diesem „Monster“-Truck bildeten die „Geggi Clowns“ aus Gundelfingen: Sie fuhren mit einem dreirädrigen Lieferwagen aus der Wirtschaftswunderzeit durch Wernau. Wie sehr sich inzwischen die Globalisierung durchgesetzt hat, zeigte sich unter anderem daran, dass es Trolle mittlerweile nicht mehr nur in ihrer angestammten skandinavischen Heimat gibt, sondern auch im Schurwald.

Aber das ist kein großes Wunder, schließlich rollte am Samstag sogar die ganze Welt durch Wernau und bekam von allen einen kräftigen Tritt: Die „blauen Löwen“ hatten eine Weltkugel mitgebracht, die manchen der ganz kleinen Zuschauer bei Weitem überragte.

Je länger der Umzug dauerte, desto rhythmischer bewegte sich das Publikum am Straßenrand. Das lag zum einen an der fröhlich-närrischen Stimmung und zum anderen daran, dass die Kälte sich doch irgendwann bemerkbar machte. Die vielen Hexenkessel waren da aber keine Hilfe: Ihre Feuer verbreiteten mehr Gestank als Wärme. Fotos: Natalie Becker