Lokales

"Die Gemeinde muss enger zusammenrücken"

Die evangelische Gesamtkirchengemeinde Kirchheim steuert im nächsten Haushaltsjahr auf eine Deckungslücke von 25 000 Euro zu. Dies wurde bei der Verabschiedung des Haushalts 2006 deutlich. Für Investitionen gibt es daher keinen Spielraum mehr.

KIRCHHEIM Der Gesamtkirchengemeinderat der Evangelischen Kirche tagte zu Beginn des neuen Jahres zur Verabschiedung des Haushaltsplanes 2006. Im Mittelpunkt der Sitzung standen die Berichte der beiden Vorsitzenden Rosemarie Reichelt und Dekan Hartmut Ellinger zur Situation in der Gesamtkirchengemeinde und die mit Spannung erwartete Haushaltsrede von Kirchenpfleger Bernd Kemmner. "Die gute Nachricht zuerst: Der Haushaltsplan 2006 kann ohne Rücklageentnahmen ausgeglichen werden. Die schlechte: Wir haben fast keine Investitionsmittel mehr und steuern im nächsten Haushaltsjahr auf eine strukturelle Deckungslücke in Höhe von 25 000 Euro zu." Mit diesen Worten eröffnete Kirchenpfleger Kemmner seine Rede zur Einbringung des Haushaltsplanes 2006. Aus finanziellen Gründen stehen in den nächsten Jahren größere Veränderungsprozesse an. Die Personalkosten im Haushaltsplan liegen seit Jahren konstant bei 60 Prozent. Trotz des steigenden Haushaltsvolumens durch erhöhte Personal-, Sach- und Betriebskosten hat sich dieser Anteil auf dieser Höhe eingependelt. Durch sparsame Personalpolitik konnte deshalb bis zum heutigen Tag ein ausgeglichener Haushalt vorgelegt werden. Für die Zukunft gelte aber, dass die wesentlichen Einsparungen nur bei Personalstellen und Gebäuden zu erreichen seien.

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Die Reduzierung von Stellen habe als Konsequenz, dass Aufgaben in Zukunft in noch viel stärkerem Maß ehrenamtlich wahrgenommen werden müssen. Da aber Engagement, Zeitbudgets oder auch persönliche Möglichkeiten von vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern begrenzt seien, werde sich auch in diesem Zusammenhang die Frage nach Tun und Lassen stellen. Und auch in der Hinsicht, wie Aufgaben organisierter und effizienter auf Ebene der Gesamtkirchengemeinde angegangen werden, um Synergien zu nutzen. Kirchenpfleger Kemmner schloss seine Haushaltsrede mit einem Zitat von Gustav Heinemann: "Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte."

Auf diesen Zusammenhang ging auch Dekan Ellinger in seinem Bericht zur Situation der Gesamtkirchengemeinde in Kirchheim ein. "Für uns als Gesamtkirchengemeinde liegen die heißen Themen nicht nur bei den Personalveränderungen, sondern bei den Fragen, wie sich die Zusammenarbeit zukünftig gestalten soll." Seit einem Jahr beschäftigt sich die Gesamtkirchengemeinde mit einer Fusion der sieben Teilgemeinden. In den nächsten Monaten soll in den Kirchengemeinderatsgremien die neue Ortssatzung diskutiert und darüber abgestimmt werden. Diese Ortssatzung bietet nach Meinung des Dekans eine neue und bessere Form der Zusammenarbeit, um die Fragen und Probleme, die sich in Zukunft stellen werden, gemeinsam und solidarisch lösen zu können. Um es noch deutlicher zu machen fügte Dekan Ellinger hinzu: "Nicht nur im Blick auf die Kirchheimer Situation zu Finanzen, sondern auch durch den anstehenden Pfarrplan II 2011 sind Veränderungen notwendig!" Pfarrplan II sieht nämlich eine Stellenkürzung einer halben Pfarrstelle bis zum Jahr 2011 vor.

Bis zum 15. Juli muss die Gesamtkirchengemeinde der Bezirkssynode einen Vorschlag unterbreiten, wo diese halbe Pfarrstelle eingespart werden kann. Eine Reihe von Umsetzungsmodellen sind angedacht und werden zurzeit diskutiert. Auf jeden Fall soll nach einer gemeinsamen Lösung gesucht werden. "Ob allerdings die hochgehaltenen Ideale wie Heimatgefühl', Erhaltung der Identifikation mit einer bestimmten Kirche und ein bestimmtes Gemeindeprofil in Übereinstimmung zu bringen sind, muss sicher gefragt werden," gab Dekan Ellinger am Schluss seines Berichtes zu bedenken.

Die Erste Vorsitzende der Gesamtkirchengemeinde, Rosemarie Reichelt, berichtete über die verschiedenen Baumaßnahmen, die trotz schwieriger Haushaltslage 2005 gemacht werden konnten. Vor einem Jahr fand die Einweihung des "Eckpunktes" statt, in dem der Diakonieladen, das Jugendcafé, der Psycho-soziale Dienst und die Wohngruppe für Demenzkranke "Gemeinsam statt einsam" eine Heimat gefunden haben.

Weiterhin konnte die Dachsanierung in der Auferstehungskirche, die Außensanierung des Pfarrhauses der Christuskirche und die Sanierungsmaßnahmen an der Martinskirche abgeschlossen werden; die Außensanierung des Dekanats wird sich noch bis in das Frühjahr hineinziehen. "Wir freuen uns, dass wir in unserer Gesamtkirchengemeinde mit sieben Teilgemeinden Räume haben für Gottesdienste, Gemeindeleben in vielfältiger Art und für entsprechende Kulturveranstaltungen." Ganz in diesem Sinne stimmte dann auch der Gesamtkirchengemeinderat einstimmig dem Haushaltsplan für das Jahr 2006 zu.

pm