Lokales

"Die Gemeinsamkeit macht uns stark"

Landfrauen aus 18 Ortsvereinen trafen sich zu ihrer Bezirksveranstaltung in der Jusihalle in Kohlberg. In der liebevoll geschmückten Halle verbrachten die Damen einen abwechslungsreichen Nachmittag, an dem die langjährige stellvertretende Kreisvorsitzende Doris Schnerring nach fast 30 Jahren verabschiedet wurde.

JENNIFER WOITZIK

Anzeige

KOHLBERG Doris Bopp, Kreisvorsitzende des Landfrauenverbandes, begrüßte die Gäste, unter denen sich auch der Kohlberger Bürgermeister Frank Buß befand. In diesem Jahr hatten die Damen zum wiederholten Male die Gelegenheit, ihre Bezirksveranstaltung in der Jusihalle abzuhalten. Die Kohlbergerinnen übernahmen dabei die Dekoration und sorgten für Kaffee und Kuchen.

"Wir engagieren uns aktiv für das Gemeinwohl und wollen dabei vor allem auch über den Tellerrand hinausschauen", so Bopp. Dazu zähle vor allem auch die Unterstützung für Landfrauen aus anderen Ländern: "Momentan kümmern wir uns um unser Kenia-Projekt." Rund 19 000 Euro wurden im letzten Jahr schon gezielt weitergeleitet und deren Verbleib kontrolliert. "Wir haben hier das Paradies, aber andere Menschen haben nicht einmal sauberes Wasser", so die Kreisvorsitzende. Soziales Engagement sei damit umso wichtiger.

Bürgermeister Frank Buß lobte die Landfrauen als gute Unterstützung in seinem politischen Tun. "Den Aufruf zur Verbesserung der Kommunalfinanzen zum Beispiel hätte ich nicht besser machen können", so Buß. Wenn Dinge von mehreren Seiten zur Sprache gebracht würden, seien sie oft effektiver. In diesem Sinn dankte er den Landfrauen, "denn sie schaffen für uns alle mit" und hieß sie in Kohlberg herzlich willkommen. Harald Geyer, Pfarrer in Kohlberg, brachte in seinem Grußwort vor allem seine Bewunderung für die ehrenamtliche Tätigkeit der Frauen zum Ausdruck.

Nach 26 Jahren Bezirksvorstandschaft und beinahe 30 Jahren Ortsvorstandschaft wurde am Donnerstag Doris Schnerring von den Landfrauen aus ihrem Amt verabschiedet. "In ihrer gewohnt freundlichen aber bestimmten Art, hat sie immer für das Wohl der Landfrauen des Kreisverbandes gesorgt und stets deren Interessen vertreten", so Doris Bopp. Neben einem landwirtschaftlichen Betrieb, den die Schnerrings in Beuren-Balzholz betreiben, sei es schwer, ein solches Ehrenamt verantwortungsvoll zu bekleiden. "Umso höher ist ihr Engagement zu bewerten", lobt Bopp. "Ohne Herzblut wäre es nicht gegangen", so Schnerring. Neue Stellvertretende Kreisvorsitzende sind seit Mai 2006 Monika Deyle, die gleichzeitig die Ortvorsitzende des Kohlberger Vereins ist, sowie Renate Götz von den Kirchheimer Landfrauen.

Im Jahr 1947 wurde der Landfrauenverband Württemberg-Baden gegründet. "Württemberg-Baden bedeutet, wir decken Nordwürttemberg und Nordbaden ab; Südwürttemberg und Südbaden haben einen eigenen Verband", erklärt Gretel Schmelcher, die selber viele Jahre Kreisvorsitzende war. "Von Anfang an war unser Verband im Gegensatz zu den anderen auch offen für Mitglieder, die nicht aus der Landwirtschaft kommen", so Schmelcher. Das sei von den Gründerinnen sehr vorausschauend gewesen, denn heute ist der Landfrauenverband Württemberg-Baden mit 55 000 Mitgliedern der größte. Der Verein im Altkreis Nürtingen sei jedoch erst rund 20 Jahre später gegründet im Jahr 1967 gegründet worden.

"Die Landfrauen setzen sich füreinander ein und engagieren sich auch in der Weiterbildung in alle Richtungen", so die Ehrenvorsitzende. Das Zeichen der Landfrauen ist die Biene, die man in Form einer Anstecknadel trägt. Schmelcher: "Wir wollen damit vor allem die Gemeinsamkeit und den sozialen Aspekt ausdrücken." Zu den Mitgliedern gehören zum Beispiel auch zahlreiche Witwen, die einen Weg aus der Anonymität und somit Anschluss suchen, meint sie.

Zur Bezirksveranstaltung in der Jusihalle am Donnerstag kamen etwa 350 Frauen aus den 18 Ortsvereinen vom Bezirk Nürtingen, die insgesamt mehr als 1400 Mitglieder haben. "Die verschiedenen Vereine treffen sich etwa ein bis zweimal in der Woche von Oktober bis April", erklärt Schmelcher. Im Sommer ließen die Frauen ihre Arbeit ruhen, so Schmelcher weiter. "Das geht zurück auf die Arbeit in der Landwirtschaft, die für die Bäuerinnen mit dem Gallusmarkt im Herbst begann."

Teil der Bezirksveranstaltung war außerdem ein Vortrag von Inge Hafner, Altenhilfeberaterin vom Landratsamt Esslingen, zum Thema "Langlebigkeit verpflichtet Prävention braucht Glück-Chancen". Sie sprach von einem großen Wandel innerhalb der Gesellschaft, in der die Älteren von Ratgebenden zu Ratsuchenden werden und sich nun auf die moderne Welt einlassen müssen, um ganz neu das Altern zu lernen. "Unseren Älteren geht es heute so gut wie noch nie und es wird ihnen auch in Zukunft nie mehr so gut gehen", so Hafner. Künftig seien die Renten nicht mehr derart gesichert, wie sie es heute sind, so Hafner weiter. Es sei erforderlich, sich aktiv auf das Alter vorzubereiten und sich dabei nicht wie früher nur auf die Kinder zu verlassen. "Nichtstun ist kein Rezept gegen schlechte Stimmung", mahnt Hafner. Und Bewegung helfe sowohl gegen Altersdepression als auch gegen den Schwund der grauen Zellen. Im Sinne eines Zitates von Marie Ebner-Eschenbach schließt Inge Hafner ihren Vortrag: "Nicht jene sind zu bedauern, deren Träume nicht in Erfüllung gehen, sondern jene, die keine mehr haben."

Die Bezirksveranstaltung wurde musikalisch vom Chor des Landfrauenvereins Neuffen gestaltet. Die Gruppe aus Schopfloch gab einen Sketch zum Besten, der auf humorvolle Art und Weise darauf hinwies, dass Flexibilität auch im Alter noch wichtig ist.