Lokales

Die Geschichte des Hauses reicht bis ins Jahr 1918 zurück

Unter dem Motto "Ein Haus in Bewegung" luden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins DRK-Seniorenzentrum Fickerstift anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens ein und boten in dem liebevoll gestalteten Festakt Einblick in den Alltag und die Entwicklung des Heimes.

RENATE SCHATTEL

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KIRCHHEIM Der DRK-Kreisvorsitzende Rolf Siebert begrüßte die zahlreichen Gäste und wollte die Veranstaltung als kritische Rückschau auf die vergangenen zehn Jahre verstanden wissen, aber auch als Ausblick auf die Weiterentwicklung, der sich das Seniorenzentrum kontinuierlich im gesellschaftlichen wie medizinischen Bereichen stellt.

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker blickte auf die lange Geschichte des Fickerstiftes zurück, die bis zum Jahr 1918 reicht. Damals spendeten Otto und Eugen Ficker 100 000 Mark für eine Unterkunft, die die zurückgekehrten Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg aufnehmen sollte. 1922 ging eine weitere Spende der Familie Ficker ein, um die eklatante Wohnungsnot in der Stadt zu lindern. Für das Geld wurden in der alten Pianofabrik Werner 17 Wohnungen eingerichtet. 1927, erzählte Angelika Matt-Heidecker, seien die ersten sechs älteren Bürger aufgenommen worden. Seit Sommer 1930 werde nun das Fickerstift als Altenheim genützt, damals mit einem Pflegesatz von 2,20 Mark.

Seit Beginn der so genannten Fickerstiftung wandelte sich das Haus ständig und musste immer wieder umgebaut werden. Ab 1961 prägten die Herrenberger Schwestern das Haus mit ihrem Geist. Der gute Ruf der Herrenberger Schwestern habe sich nach ihrer Aufgabe bis heute auf die jetzigen Mitarbeiter übertragen. Für die Planungen zum heutigen Seniorenzentrum in Trägerschaft des DRK seien viele Stolpersteine zu überwinden gewesen. Für den Gemeinderat sei aber immer klar gewesen, dass die Innenstadtlage mit dem wunderbaren Park weiter genützt werden müsse.

Für 23 Millionen Mark, mit 30 Prozent vom Land und Landkreis bezuschusst, entstand dann auf dem alten Platz das neue Haus. Während der Bauphase wurden die Bewohner vorübergehend in den Neubau eines Mehrfamilienhauses einquartiert. Für den Gemeinderat war es wichtig, so die Oberbürgermeisterin, dass das Fickerstift ins städtische Leben hineinwirken und ältere Menschen aus der Umgebung anziehen solle. Das zukunftsweisende Konzept sollte die Tagespflege ebenso beinhalten wie ambulante und stationäre Pflege, mit dem DRK als Träger.

Seit 1995 werden nun die neuen offenen und innovativen Ansätze in der Pflege praktiziert und weiterentwickelt. Das Modell wirke bereits über die Stadtgrenzen hinaus und gebe Beispiel. Angelika Matt-Heidecker lobte die engagierte Zusammenarbeit von Mitarbeitern und Ehrenamtlichen, wie dem Bürgerbüro und dem Team der Cafeteria, durch die viel bewegt werden konnte.

Ein Haus in Bewegung werde das Fickerstift auch bleiben müssen angesichts des demografischen Faktors und des Kostendrucks. Ziel sei aber immer, dass die Bewohner in dem Haus mit Würde alt werden können in der Verbundenheit mit der Stadt.

Die Heimleiterin des Christian-Dierig-Hauses in Augsburg, Margareta Klefenz, zeigte weitere Entwicklungen in Richtung Zukunft auf. In ihrem Hause leben je zwölf Bewohner "um den Herd herum". "Wir leben einen normalen Alltag", ist ihre Devise. Keine Heimatmosphäre mit Stationen und Aufenthaltsräumen, sondern eine normale, familiäre Situation gebe den Menschen Halt. "Die alten Menschen möchten auch an ihrem Lebensabend das weiterführen, was sie gewohnt sind", ist Margareta Klefenz überzeugt. In ihrem Hause durften die Bewohner ihre eigenen Möbel, Bilder und Blumen mitbringen. Für jede Wohneinheit gibt es eine Präsenzkraft. Trotz der Bedenken, dass dann die anderen Mitarbeiter Mehrarbeit leisten müssen, hat sie die Umorganisation gewagt und festgestellt, dass keine Mehrarbeit erforderlich ist, dass sich dafür aber die Atmosphäre verändert hat und die Demenzkranken eine bessere Orientierung haben.

50 Prozent der Mittagessen werden mittlerweile selbst gekocht und auch das Abendessen wird individuell bestellt oder bereitet. "Die alten Menschen sollen so leben, wie sie es sich vorstellen, eben ganz normal", betonte die Heimleiterin. Dass Leben aber, ob bei verwirrten oder nicht verwirrten Menschen, immer ein Stück Chaos ist, konnte sie nicht abstreiten. "Aber Chaos ist Bewegung, so wie das Fickerstift in Bewegung ist", schloss sie ihren Vortrag.

Wie bewegt und bewegend das Leben im Fickerstift zugeht, zeigte ein kleiner Film über die Mitarbeiter, Mitbewohner, Tätigkeiten und Festivitäten des Hauses, kreiert von Nadine und Ender Budur und Chrissi Pimenidou. Brigitte Reich vom Seniorenzentrum konnte mit Stolz zeigen, dass die Menschen im Fickerstift Geist, Körper und Seele ganzheitlich aktivieren.

Zum herzerwärmenden Programm des Festaktes gehörte neben Sekt, Buffet und Luftballons noch die musikalische Untermalung, die von Chico-Celli und der Musikschule, Abteilung Gesangsklasse Astrid Sawilla, gestaltet wurde. Am Klavier begleiteten Salome Seitz und Cornelia Hahn.

Zum zehnjährigen Jubiläum gestalteten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine ansprechende Ausstellung zum Motto "Ein Haus in Bewegung", die noch bis zum 17. Juli angesehen werden kann. In beeindruckender Weise dokumentieren die Exponate das Leben und Arbeiten der Ausnahmeinstitution Fickerstift mit ihren Aktivitäten, Festen und Therapieangeboten einschließlich des erfolgreichen BETA-Modellprojektes. Ein Haus in Bewegung und ein Haus des sich Rundum-Wohlfühlens.