Lokales

„Die Gesellschaft rechnet mit uns“

Der 50. Geburtstag stellt für viele einen Wendepunkt dar – und einen Anlass zum Feiern

Was haben Dieter Thomas Kuhn, Desiree Nosbusch, Simone Thomalla und viele andere gemeinsam? Den 50. in diesem Jahr! 1964/65 sind die geburtenstärksten Jahrgänge. Allerorten trifft man Menschen, die 50. Geburtstage feiern, planen – oder davor fliehen.

Der 50ste Geburtstag
Der 50ste Geburtstag

Irene Strifler

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Kirchheim. Der 50. ist kein Datum, das einfach im Sande verläuft. Fast allen bietet der Termin Anlass zur Rückschau – oder auch zu neuen Plänen. Denn „alt“ fühlt sich heutzutage mit 50 keiner.

„Der 50. Geburtstag hat einen besonderen Stellenwert“, räumt einer ein, der weiß, wovon er spricht: der Kirchheimer CDU-Landtagsabgeordnete Michael Hennrich: „Man überlegt: Was hast du geschafft und was kann noch kommen?“ Als positiv empfindet der Politiker, dass die Unsicherheiten gegenüber dem 40. abgenommen haben. Angekommen ist man nicht nur im Berufsleben, auch die Kinder sind aus dem Gröbsten raus. Für Hennrich ist es der Termin absolut wert, gefeiert zu werden. Da man bei einem großen Fest kaum allen gerecht werden könne, hat er sich für Feiern in Häppchen entschieden: mit Familie, mit Freunden, mit politischen Mitstreitern.

„Richtig groß“ feiert die Dettingerin Ramona Metzger, die im März 50 wird. „Sonst mach ich mich meistens aus dem Staub, aber diesmal seh‘ ich allen Grund zum Feiern“, betont sie. Die 50 empfindet sie nämlich als durch und durch positiv – auf jeden Fall schöner als die 40: „Das Leben hat sich geordnet“, lautet auch ihre Begründung. Wichtige Weichenstellungen konnten zufriedenstellend erledigt werden, nicht zuletzt ihr Hausumbau. Alle, die da mitgeholfen haben, sind natürlich bei den Geburtstagsgästen mit dabei.

Die Zahl 50 bedeutet für Peter Rieg, Bezirksdirektor der Continentale Versicherung mit Sitz in Göppingen, dass die Restzeit seines Arbeitslebens „nur noch“ 15 Jahre betrage – da müssen die finanziellen Eckpfeiler stehen, und neu definierte Ziele bleiben einem nächsten Lebensabschnitt vorbehalten. „Ich stehe im Leben und habe bis dato sehr viel erreicht“, bilanziert er. Den 50., der noch im Januar ansteht, sieht er klar als Grund „für eine angemessene Feier“. Das erwarte sein Freundeskreis, denn auch andere Geburtstage werden im Hause Rieg gebührend gefeiert.

Ähnlicher Meinung ist die aus Dettingen stammende Architektin Renate Liebrich: „Natürlich ist der 50. ein Grund zu feiern. Das merkt man spätestens an Fragen von Freunden und Verwandten: Feierst du?“, erinnert sie sich und meint: „Für mich war schnell klar: feiern ja, Gästeanzahl beschränken, damit wir‘s selbst stemmen konnten und so, dass ich auch was davon habe. – Flüchten kann ich nächstes Jahr wieder.“ Mit 50 fühle man sich mitten im Leben und es lohne sich schon, über die Zahl der Jahre nachzudenken. Das Nachdenken führt durchaus zu positiven Erkenntnissen: „Es lebt sich jetzt angenehmer, da sich eine gewisse Lässigkeit eingestellt hat gegenüber den ganz großen Fragen“, meint Liebrich. Andererseits sei noch einiges zu tun: „Die Gesellschaft rechnet in den nächsten 20 Jahren noch fest mit uns – mal gespannt, welche Aufgaben noch kommen.“

Michael Attinger ist ein Freund von Statistiken und setzt daher da­rauf, noch eine Weile Zeit zu haben für verrückte Ideen. Er sieht jedoch auf der anderen Seite auch, dass die verbleibende Zeit knapper wird: „Man kann‘s drehen und wenden wie man will, die Seite des Maßbandes, die noch kommt, ist auf jeden Fall die kürzere“, sinniert er. Nicht nur als Privatmann sondern auch als Gastgeber in der Kirchheimer Stiftsscheuer ist er erfahren im Umgang mit der 50 und bemerkt, dass sich Geschenke im Laufe des Lebensalters verändern: „Mit 50 gibt‘s die ersten Fresskörbe“, meint er schmunzelnd und sieht klare Vorteile: „Den Inhalt solcher Körbe kann man durch und durch genießen und muss so das Geschenk die letzten 30 Jahre seines Lebens nicht abstauben!“