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Die "Glaubensfrage" ist entschieden

In einer "Glaubensfrage" hatte der Owener Gemeinderat eine Grundsatzentscheidung zu treffen, wie sich Bürgermeister Siegfried Roser ausdrückte: Es ging um die Fassadensanierung am Schulhaus. Mit sieben zu sechs Stimmen hat sich das Gremium schließlich dazu durchgerungen, die Fachwerkgiebel verputzen zu lassen.

ANDREAS VOLZ

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OWEN Die Debatte um Erhalt oder Preisgabe des sichtbaren Schulfachwerks hatte den Owener Gemeinderat bereits im Oktober beschäftigt (wir berichteten). Nun stand aber eine definitive Entscheidung an, weshalb Stuckateurmeister Gerhard Däschler als sachkundiger Bürger die Fragen der Gemeinderäte über den Zustand der beiden Fachwerkgiebel und über die Sanierungsmöglichkeiten beantwortete.

"Von weitem sieht die Fassade noch relativ ordentlich aus", wusste Däschler zu berichten. Bei genauerem Hinsehen seien aber größere Schäden zu entdecken. Bei Putz und Mauerwerk treten diese Schäden an beiden Giebelseiten des Schulgebäudes auf. Der Holzwurmbefall dagegen beschränke sich bislang noch auf die dem Rathaus zugewandte Ostfassade.

Wenn das Fachwerk verputzt werde, bedeute das "einen geringeren Aufwand für die Optik", führte Gerhard Däschler weiter aus. So müsse beschädigtes Holz nach dem Entfernen nicht mehr durch neues Holz ersetzt werden. Dazu genüge Zementmörtel. Wenn außerdem jedes Gefach einzeln saniert wird, wäre der Aufwand dafür ebenfalls größer als für die Gesamtfläche. Die Kosten der Sanierung lassen sich noch nicht genau beziffern. Es ist aber von zirka 20 000 Euro auszugehen, die bei einer geschlossenen Fassade anfallen würden.

Bei der Variante mit sichtbarem Fachwerk rechnete Bürgermeister Roser nach Däschlers Angaben vor, dass für die Gipserarbeiten Mehrkosten in Höhe von 20 000 Euro hinzukämen und für die zusätzlich notwendigen Holzarbeiten noch einmal 3 000 bis 4 000 Euro. Gerhard Däschler selbst fügte hinzu: "Wir hätten es nicht nur sofort mit höheren Kosten zu tun, sondern auch laufend mit höheren Wartungskosten."

Wenn die Giebel dagegen verputzt werden, sei in den nächsten 20 Jahren mit keinem weiteren Aufwand zu rechnen. Dämmmaterial wie Steinwolle oder Mineralwolle verhindere, dass "konstruktionsschädigendes Wasser" weiterhin Holz oder Mauerwerk angreifen kann. Außerdem nehme ein weicher Dämmstoff die Bewegungen des Fachwerks in sich selbst auf und gebe die Spannungen nicht nach außen weiter. Einen weiteren Vorteil komplett verputzter Giebel sah der Stuckateur in der besseren Wärmedämmung.

Die Schwierigkeiten, die die Befürworter des Fachwerks im Owener Gemeinderat mit dem Verputzen hatten, brachte unter anderem Sibylle Schmid-Raichle auf den Punkt: "Die Schule ist nicht irgendein Gebäude. Zum Erhalt der Bausubstanz gehört auch der Erhalt des Charakters, und wir haben in den vergangenen Jahren viel Wert auf optisch schöne Dinge gelegt." Ihr Ratskollege Christoph Ensinger griff diesen Punkt auf und erklärte zugleich, warum er trotzdem dem Verputzen den Vorzug gebe: "Ich werde mich eher fürs Zumachen entscheiden, auch wenn es weh tut. Das ist vielleicht nicht schöner, aber vernünftiger."

Bürgermeister Roser gab zu bedenken, dass Owen kein typischer Fachwerkort sei, dass dem Fachwerk an der Schule keine historische Bedeutung zukomme und dass es nur deshalb entstanden sei, weil nach dem Krieg Holz der einzige Baustoff war. Schon allein aus Kostengründen plädierte er für das Verputzen: "Wir sind noch nicht am Tiefpunkt angelangt, in den nächsten Jahren müssen wir noch sehr viel mehr sparen."

Seine Position fand schließlich mit sieben zu sechs Stimmen eine denkbar knappe Mehrheit. Noch nicht entschieden ist dagegen die Frage, ob das Fachwerk auf dem Putz farblich angedeutet werden soll.