Lokales

Die "heimliche Hauptstadt" Hohenlohes

Auf den Spuren des seit 1764 fürstlichen Hauses Hohenlohe-Öhringen wandelte die Regionalgruppe des Schwäbischen Heimatbundes unter der Führung des Historikers Jörg Mann. Schon auf der Fahrt wurden die Teilnehmer vertraut gemacht mit der Ortsgeschichte der "heimlichen Hauptstadt" Hohenlohes vom römischen "vicus aurelianus" über das mittelalterliche "oringowe" bis zum heutigen Öhringen.

KIRCHHEIM Erste Station war das prächtige Renaissanceschloss, das nach dem Vorbild von Weikersheim 1612 bis 1616 als Witwensitz erbaut wurde und erst zwischen 1777 und 1806 die Funktion eines Residenzschlosses erfüllte.

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Fürst Ludwig Friedrich Karl gestaltete zwischen 1770 und 1785 die prächtigen Innenräume. Im Stil des Rokoko und Frühklassizismus neu aus. Unter seinem Großneffen Fürst Friedrich August, verheiratet mit Luise von Württemberg und dessen Sohn Fürst Hugo hielt der Historismus Einzug, wovon zum Beispiel der prächtige Blaue Saal von 1847 Zeugnis ablegt. Viele der von Jörg Mann gezeigten Räume sind normalerweise der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

In die Zeit des Mittelalters wurden die Besucher in der Stiftskirche versetzt, so genannt nach einem Chorherrenstift, das 1037 von der Mutter Kaiser Konrads II gegründet wurde. Aus dieser Zeit sind allerdings nurmehr zwei romanische Löwenplastiken erhalten. Die heutige Kirche samt Kreuzgang und Kapitelsaal entstand als spätgotischer Neubau zwischen 1453 und 1510, übrigens durch schwäbische Baumeister wie etwa Hans von Urach. Besonders fasziniert war die Besuchergruppe von den prächtigen Grabmälern, angefangen von der Tumba der Kaiserin Mutter Adelheid (1214) über die Hohenloher Epitaphe aus der Renaissance und des Barock, bis hin zu den Särgen des 19. und 20. Jahrhunderts und der Urne der Fürstin Erica.

Beim Verlassen der Gruft begegnete den Besuchern der Turmbläser, der die Gäste aus Kirchheim spontan zur Besteigung des Turmes einlud, vorbei am ehemaligen Hohenloher Archiv, an der Türmerwohnung zum Umgang und imposanten Rundumblick auf Stadt und Umgebung. Hoch interessant war auch der Gang durch die Vorstadt, wo so unterschiedliche Gebäude wie das Fürstliche Palais (1939 Sitz der Reichsautobahndirektion) und das Heumagazin besucht wurden. Ein Kleinod erwartete die Teilnehmer in Cappel: das 1736 erbaute Orangerie-Schloss inmitten einer prächtigen Parkanlage.

Eine besondere Überraschung war die Fahrt zur Mühle in Eckardsweiler, die zwischen 1680 und 1835 der Familie Weizsäcker gehörte und zwar dem Zweig, dem auch der ehemalige Bundespräsident entstammt.

Zurück zur Familie von Hohenlohe-Oehringen ging es dann nach Friedrichsruhe, der einstigen Sommerresidenz, die heute in ein Fünf-Sterne-Hotel mit Restaurant umgewandelt wurde. Die Schlossräume öffneten sich eigens für die Besucher aus Kirchheim, die natürlich sehr überrascht waren, dort ein lebensgroßes Gemälde König Wilhelms I. von Württemberg vorzufinden gemalt zum 25. Regierungs-Jubiläum 1841 als Geschenk an seine Cousine Luise von Hohenlohe-Oehringen. Einige Schlossräume zeigen herrliche Stuckdecken, anderes erlesenes Mobiliar aus der Zeit Napoleons.

Bei Kaffee und Kuchen klang die gelungene Exkursion aus. Der Titel der nächsten Ausfahrt, die am Sonntag, 28. August, auf dem Programm steht, lautet "Auf den Spuren der Fürsten von Hohenlohe-Langenburg". Höhepunkt dieses Tages wird ein Empfang durch seine Durchlaucht, Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg sein.

rmk