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"Die Herzoginnen würden sich freuen"

Im Pädagogischen Fachseminar knallen die Korken: Fast 300 Menschen feiern die Entscheidung des Ministerrats, die ehrwürdige Einrichtung zu erhalten. "Die Stimmung ist großartig", jubelt Seminarleiterin Brigitte Heß.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Die Hausherrin hat allen Grund zum Aufatmen: "Zum Glück ist die Hängepartie vorbei", erinnert sie sich an die Zeit zurück, in der die Zusammenlegung der Seminare überprüft wurde. Zuversicht habe ihr immer die Aussage des Kultusministeriums vermittelt, das nie am Fortbestand der Kirchheimer Fachlehrerausbildungsstätte am Alleenring rütteln wollte. Für Heß ist sicher, dass die zentrale Lage in Kirchheim und vor allem die gute Infrastruktur vor Ort, die sich in der Kooperation mit 100 Ausbildungsschulen spiegelt, den Ausschlag für die Entscheidung des Ministerrats gab (der Teckboten berichtete am Donnerstag).

Das Seminar gilt nicht nur als Aushängeschild für Kirchheim, es ist das größte der drei Pädagogischen Fachseminare (PFS) im Land. "460 Interessenten haben sich heuer auf 96 Plätze beworben", nennt Brigitte Heß beeindruckende Zahlen. Kurzum: Das Haus ist voll. Bis Ulm oder Bietigheim pendeln die derzeitigen Fachlehreranwärter, Schüler aus dem Allgäu oder anderen entfernteren Regionen haben sich in Kirchheim eingemietet.

Das 50-köpfige Lehrerteam hat knapp 200 Schüler unter seinen Fittichen, dazu kommt eine Verwaltungsmannschaft, ein Hausdienst und zwei Hausmeister. Sie alle wurden von Brigitte Heß über die neue Perspektive für ihr Haus informiert. "Da freuen sich aber noch viel mehr Leute, beispielsweise ganz viele Ehemalige", ist sich die Chefin sicher.

1,7 Millionen Euro sollen baldmöglichst in das Kirchheimer PFS, dessen derzeitige Gebäudesubstanz überwiegend aus den 50er-Jahren stammt, investiert werden. Auch das PFS in Schwäbisch Gmünd soll weiterbestehen. Dort werden Gelder in Höhe von 2,5 Millionen Euro für eine Mensa benötigt, die gemeinsam mit der Pädagogischen Hochschule genutzt werden soll.

Wie bisher bleiben im Kirchheimer Marstallgebäude Werkstatt- und Fachräume des PFS untergebracht, außerdem kann das Schloss Kirchheim künftig in größerem Maße vom Seminar genutzt werden. "Wenn das Schloss mit jungen Leuten zu Leben erwacht, tut das ganz Kirchheim gut", freut sich Heß und ist sicher, dass der ehemalige Witwensitz ganz im Sinne seiner einstigen Bewohnerinnen genutzt wird: "Die Herzoginnen würden sich über die jungen Menschen im Innenhof freuen."

Dass die verstärkte Ensemblenutzung der Innenstadt nur guttun kann, betonen viele. Ungeklärt bleibt derzeit lediglich die Zukunft des alten Forstamtes, das bisher immer in die angedachten Gebäuderochaden mit einbezogen wurde. Land und Kreis haben dort keinen Raumbedarf mehr. Eine private Nutzung könnte sich CDU-MdL Karl Zimmermann vorstellen: "Es gibt bereits private Interessenten aus Kirchheim", weiß er und drängt darauf, das schmucke Bauwerk ins öffentliche Leben zu integrieren.

Noch wichtiger für die Arbeit im Seminar dürfte aber zunächst der Zeitplan für die Umbaumaßnahmen sein. Dazu soll in den nächsten Wochen ein Gespräch stattfinden mit Vertretern des Kultus- und des Finanzministeriums.