Lokales

Die Hoffnungstirbt zuletzt Zum Artikel ...

Die Hoffnungstirbt zuletzt

Anzeige

Zum Artikel "Siebenköpfige kurdische Familie droht Abschiebung", im Teckboten vom 9. Dezember:

Wir können alles, außer Hochdeutsch, lautet unser Slogan. Können wir auch eine seit 18 Jahren in Wendlingen lebende kurdische Familie mit fünf Kindern wegschicken? Verstoßen wir hier nicht gegen ein Menschenrecht? Reklamieren wir nicht das Recht auf Heimat und sind nicht alle fünf Kinder der Familie Batan hier aufgewachsen und von unserer Kultur, von unseren Schulen geprägt? Hier haben sie ihre Kindheitserinnerungen, ihre Freunde, ihre Wurzeln. Drei der fünf Kinder sind auch hier geboren. Wie sehr sie mit Deutschland verbunden sind, zeigt der verzweifelte Selbstmordversuch der Tochter Nurcan, die vor zwei Jahren aus Angst vor der Ausweisung in ein Land, das sie nicht kennt, aus dem 4. Stock eines Hochhauses sprang.

Karl Zimmermann argumentiert "es müsse zu denken geben, dass Petitionsausschuss und Härtefallkommission den Antrag auf das Bleiberecht abgelehnt hätten". Uns gibt zu denken, dass selbst der Selbstmordversuch von Nurcan den Kommissionen nicht Grund genug war, für ein Bleiberecht einzutreten. Was muss eigentlich passieren, damit unsere "christlichen Politiker" Leid anerkennen? Im Übrigen sei die Frage erlaubt, ob die Härtefallkommission nur eine Alibifunktion hat, wenn von den behandelten Fällen "nicht einmal ein Prozent positiv beschieden werden"? Kein einziger Bürger ist mit der Vorgehensweise der Behörden einverstanden. Würden sich sonst so viele für die Familie Batan einsetzen, die ohne Sozialhilfe auskommt, unbescholten und integriert ist?

Uns bleibt nur, an die Menschlichkeit zu appellieren, an Mut und Zivilcourage. Ich selbst kann dem staatlichen Handeln, das den mir so lange anvertrauten Kindern und Jugendlichen die Heimat nimmt, nicht durch mein Schweigen zustimmen. Dieses Handeln ist nicht vereinbar mit meinem Verständnis von einem christlichen und humanen Land. Wir können alles, außer Hochdeutsch. Deshalb könnten wir auch über unseren eigenen Schatten springen und Gnade vor Recht ergehen lassen. Die Hoffnung stirbt zuletzt und Weihnachten steht vor der Tür.

Ursula Raichle

Dettingen, Bosslerstraße

Kinder müssen wiedergerne zur Schule gehen

Zum Artikel "Für konstruktives Miteinander Zimmermann stärkt G8 den Rücken":

Dass die SPD-Landtagsabgeordnete Carla Bregenzer keine Politikerin ist, die ihre Arbeit vom Schreibtisch in Stuttgart aus und über die Köpfe der Menschen hinweg macht, wissen die Bürgerinnen und Bürger im Wahlkreis Kirchheim durch unzählige Veranstaltungen, Firmenbesuche und Gespräche sehr genau. Carla Bregenzer macht während der gesamten Legislaturperiode glaubwürdig Politik, weil sie eben nicht polemisiert, sondern die Sorgen und Nöte der Menschen ernst nimmt und sich ihrer annimmt.

Das wissen auch die vielen Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, die bei einer der drei G8-Veranstaltungen im Wahlkreis dabei waren. Zu den Fakten, die Herr Zimmermann offenbar nicht wahr haben will: das zentrale Ziel bei der Einführung des achtjährigen Gymnasiums war für die CDU/FDP-Landesregierung die Einsparung eines Schuljahres und damit die Einsparung von Lehrerstunden.

Dieses Sparkonzept, im Hoppla-hopp-Verfahren den Gymnasien übergestülpt, wird auf dem Rücken der Kinder, Lehrer und Eltern ausgetragen. Wenn Kinder in der 5. und 6. Klasse des G8 Angst haben, krank zu werden, weil sie befürchten, zu viel zu versäumen, ist das ein grundsätzliches Problem. Wenn Eltern klagen, dass der Stress die Familie belastet, kann das nicht einzelnen Lehrern oder Schulen in die Schuhe geschoben werden. Wenn Lehrerinnen und Lehrer unter der Stofffülle, die sie gerade in Klasse 5 und 6 des G8 vermitteln sollen, ebenso leiden wie die Kinder, dann liegt der Fehler beim Kultusministerium und den Parteien, die das G8-Konzept so beschlossen haben.

Es geht daher nicht darum, Kinder, Eltern und Lehrer gegeneinander aufzuwiegeln, sondern die Reform so zu verändern, dass unsere Kinder wieder gerne und mit Lerneifer statt mit Angst und Bauchschmerzen ins Gymnasium gehen. Schade, dass Herr Zimmermann das immer noch nicht verstanden hat.

Sabine Fohler

SPD-Zweitkandidatin im

Wahlkreis Kirchheim

Reichenbach, Zu den Amseläckern

Ärzte in neuerEinstimmigkeit

Ein ungewohntes, ermutigendes Bild am Mittwoch auf dem Stuttgarter Killesberg. 5 000 Ärzte/innen und Psychotherapeuten/innen wenden sich gegen eine Gesundheitspolitik, die dabei ist, gewachsene und bewährte Strukturen des Gesundheitssystems zu zerstören. Im Sechs-Länder-Vergleich von Industrienationen nimmt es die Spitzenstellung ein und hat ein sehr hohes Ansehen bei der Bevölkerung. Über lange Jahre nahmen niedergelassene Ärzte ständige Kürzungen durch Budgetierung bei steigenden Ausgaben im Interesse eines funktionierenden Gesundheitswesens hin. Es wurde mithin durch Ärzte subventioniert. Weil viele auch nicht vergütete Leistungen erbracht wurden, konnte ein hohes Niveau der Versorgung geboten werden.

Doch jetzt sind wir an einem Punkt, an dem erneute Budgetierungen die Qualität der Versorgung unserer Patienten in hohem Maße gefährdet. Die Krankenkassen verwehren uns die gesetzlich festgelegte Mindestvergütung von 77,9 Cent pro Arztminute. Die Politik will uns individuell haftbar machen für die Überschreitung eines neu festgelegten Medikamentenbudgets und uns finanziell belohnen, wenn wir das Budget unterschreiten. Es werden Prämien ausgeschüttet, wenn weniger als notwendig verordnet wird. Ein Skandal. Dies können wir nicht länger hinnehmen. Nur wenige junge Ärzte wollen in die wirtschaftlich unsichere Zukunft der Arztpraxis. Die flächendeckende wohnortnahe Versorgung wird verschwinden, weil Arztpraxen wegen der Budgetierungen nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können.

Unerklärbar ist die Lücke zwischen nationalen und internationalen Ansehen und der Geringschätzung unserer Arbeit durch Politik und Krankenkassen. Durch ihre Politik zerstört die Gesundheitsministerin ein erfolgreiches und hochwertiges System. Dem Sparzwang haben wir uns bisher nicht verschlossen. Weitere "Subventionierungen" durch Honorarverzicht und bei gleichzeitiger qualitativ hochwertiger medizinischer Versorgung können weder Frau Schmidt noch die Krankenkassen erwarten. Noch nie war sich die Ärzteschaft darin so einig.

Dr. med. Martin Häberle für den Ärzteverbund Medi NT

Nürtingen, Kirchheimer Straße