Lokales

"Die innere Sicherheit braucht Polizeipräsenz"

KIRCHHEIM Eher ablehnend steht der Kirchheimer Revierleiter Thomas Pizinger auch der Bundesratsinitiative der CDU/FDP-Landesregierung gegenüber, nach der die Bundeswehr im Objektschutz eingesetzt werden solle. Beide Überlegungen erforderten eine differenzierte Betrachtung.

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Sollte die Lebensarbeitszeit der Polizeibeamten heraufgesetzt werden, so würde dies zwar den Landeshaushalt entlasten, sie würde jedoch die Qualität der polizeilichen Arbeit, die sich das Revier in Kirchheim in besonderer Weise auf die Fahnen geschrieben habe, erheblich beeinträchtigen. Schon jetzt werde es immer schwieriger, die notwendige polizeiliche Präsenz sicherzustellen. Ausfälle durch Elternzeit oder Studium würden zwar teilweise ersetzt, jedoch steige die Zahl der Mitarbeiter, die auf Grund gravierender gesundheitlicher Probleme derzeit nur begrenzt einsatzfähig seien.



"Von der Polizei wird zu Recht erwartet, dass sie fit ist, schließlich sollen wir bei Straftätern gegebenenfalls auch in der Lage sein, erfolgreich die Verfolgung aufzunehmen", ergänzte der stellvertretende Leiter des Bezirksdienstes Karl Schulenburg. Je älter die Kollegen seien, desto schwieriger werde dies, desto krankheitsanfälliger seien sie, schließlich hätten alle diverse Jahre des anstrengenden Schichtdienstes hinter sich.



Die SPD-Landtagsabgeordnete Carla Bregenzer bekräftigte daher bei einem Besuch des Polizeireviers Kirchheim mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Rainer Arnold die Forderung ihrer Fraktion, die Ausbildung nicht zu vernachlässigen. Noch im Juli hätten der damalige Innenminister und die CDU/FDP-Fraktionen die Forderung nach mehr Ausbildung abgelehnt. Der neue Innenminister Rech scheine jedoch die Zeichen der Zeit besser erkannt zu haben als er angekündigte, mehr junge Menschen zur Ausbildung im Polizeidienst zuzulassen. "Wir sollten froh sein, dass heute viele junge Menschen den Beruf des Polizisten, der Polizistin ergreifen wollen. Nur mit ausreichendem und gut ausgebildetem Personal können wir die Herausforderungen bei der Kriminalitätsbekämpfung meistern. Das erwarten unsere Bürgerinnen und Bürger zu Recht", betonte Carla Bregenzer.



Ein weiteres Thema des Gespräches war die Zusammenarbeit mit dem Zoll. Der Bundestagsabgeordnete Rainer Arnold nahm mit Freude zur Kenntnis, dass diese Zusammenarbeit auch nach der Verlagerung nach Reutlingen kein Problem sei, sondern sehr gut funktioniere, sodass man bei der Bekämpfung illegaler Beschäftigungen sehr erfolgreich sei.



Ein bei den regelmäßigen Besuchen der beiden Abgeordneten immer wiederkehrendes Thema ist das der Fahrraddiebstähle. Revierleiter Pizinger berichtete von der Erstellung einer Fahrraddatei, mit der das Kirchheimer Revier eine Vorreiterrolle übernommen habe. Damit ließen sich viele Fahrräder leichter wieder erkennen und dann auch den Besitzern zurückzugeben. Rainer Arnold fragte nach der Größenordnung und war überrascht von der Antwort 30 bis 40 Räder würden im Monat als gestohlen gemeldet, im Jahr 2003 seien es über 300 gewesen. Die tatsächliche Zahl liege sicher noch deutlich höher, denn nicht jeder Fahrradverlust werde der Polizei gemeldet. "Es wird höchste Zeit, dass wir für Fahrräder ein ebenso sicheres Wiedererkennungszeichen haben Nummer oder Nummernschild wie für Autos oder Mofas", kommentierte der Bundestagsabgeordnete.



Carla Bregenzer problematisierte abschließend die Polizeireform, die für die SPD-Landtagsfraktion mit der Sorge der Personaleinsparung begleitet werde. Der Revierleiter zeigte sich optimistisch, dass auch nach der Auflösung der Posten in Jesingen, Ötlingen und später Dettingen die Polizeipräsenz gesichert sei. Die neue Zuständigkeit für Wernau und Hochdorf werde sich einspielen. Er machte allerdings darauf aufmerksam, dass man damit für deutlich mehr Bürgerinnen und Bürger polizeilich zuständig sei und zusätzlich zugewiesenes Personal erforderlich mache. "Wir werden diese Reform weiterhin kritisch begleiten und spätestens bei unserem Besuch im nächsten Jahr nach den konkreten Auswirkungen fragen", sicherte die Landtagsabgeordnete zu.